Stromspeicher: Eigenstrom effektiv nutzen

Stromspeicher werden für viele Besitzer von neuen und alten Photovoltaikanlagen immer attraktiver. Denn sie sind eine gute Möglichkeit, den Verbrauch von selbst produziertem Strom weiter zu erhöhen. Welche weiteren Vorteile Stromspeicher haben, wie viel sie in der Anschaffung kosten und für wen sich eine solche Investition lohnt, darum geht es in den folgenden Abschnitten.

Warum brauche ich einen Stromspeicher?

Wer eine Photovoltaik-Anlage (kurz: PV-Anlage) in Betrieb nehmen möchte, hat in der Regel zwei Optionen: Er kann den selbst erzeugten Strom entweder direkt vor Ort nutzen oder ihn gegen eine festgelegte Vergütung ins örtliche Netz einspeisen. Weil die Einspeisevergütung wegen sinkender Höhe immer weniger attraktiv wird, empfehlen Experten, den Photovoltaik-Strom direkt vor Ort zu nutzen. Das geht nur effektiv mit einem Stromspeicher, auch Heimspeicher genannt.

Selbst erzeugten Strom besser nutzen

Eine PV-Anlage produziert Strom, wenn das Sonnenlicht auf die Kollektoren trifft. Aber Strom wird häufig dann benötigt, wenn die Sonne bereits untergegangen ist. Eine Lösung hierfür ist der Stromspeicher, der den Strom bevorratet und ihn erst bei Bedarf freigibt. Das erhöht den Eigenverbrauchsanteil und die Unabhängigkeit gegenüber örtlichen Energieversorgern. 

Speichersysteme bevorraten den selbst erzeugten Strom einer
Photovoltaikanlage
© Lars Gieger | Fotolia

Wichtig zu wissen ist: Der Eigenverbrauch ohne Speicherung liegt bei 30 Prozent. Mit einem Stromspeicher lässt sich dieser Wert auf bis zu 60 Prozent steigern. Das heißt, in erster Linie geht es nicht darum, vollkommen autark vom Versorger Strom zu sein, sondern die elektrische Energie besser zu nutzen beziehungsweise den sogenannten Autarkiegrad zu erhöhen.

Stromspeicher für bestehende Anlagen nachrüsten

Stromspeicher sind keineswegs nur für neue Solarstromanlagen interessant, sondern auch für bestehende. Denn seit 2020 läuft die Einspeisevergütung für die ersten Anlagen aus. Sie funktionieren aber nach wie vor. Ihre Zwangsstilllegung wäre ein wirtschaftlicher und ökologischer Unsinn. Eine Lösung ist hierbei das Nachrüsten der Anlagen mit einem oder mehreren Stromspeichern.

Welche Vorteile haben Stromspeicher?

In erster Linie sollen Stromspeicher das schwankende Angebot der solaren Energie an den Strombedarf im Haus anpassen. Denn während die Sonne nur am Tag scheint, fällt der Bedarf in Wohngebäuden überwiegend auf die frühen Morgen- und die späten Abendstunden. Die Stromspeicher versorgen ein Haus also auch dann noch mit erneuerbarem Strom, wenn die Sonne längst untergegangen ist. Sie schließen somit die zeitliche Lücke zwischen Angebot und Bedarf der elektrischen Energie und sorgen für einen höheren Eigenverbrauchsanteil.

Solarstromspeicher können die Energiekosten senken

Steigt der Eigenverbrauchsanteil, müssen Hausbesitzer viel weniger Energie aus dem öffentlichen Netz einkaufen. Mit jeder Kilowattstunde Solarstrom, die sie im eigenen Haus verbrauchen, sparen sie dann etwa 30,91 Cent. So hoch ist der durchschnittliche Strompreis im Moment (Stand: Juli 2020). Das ist deutlich höher als die Einspeisevergütung, die aktuell bei 09,03 Cent pro Kilowattstunde liegt und weiter sinkt. Bei entsprechender Auslegung wäre sogar eine vollständig autarke Stromversorgung denkbar. In vielen Fällen ist diese durch hohe Anschaffungskosten jedoch nicht wirtschaftlich. 

Strom-Speichersysteme entlasten die öffentlichen Netze

Statten Hausbesitzer die Photovoltaik mit einem Stromspeicher aus, fördern sie auch die Energiewende. Denn die Technologie in Kombination mit der Funktionsweise der Photovoltaik senkt den Grundlastbedarf der öffentlichen Netze und gleicht hohe Schwankungen aus. Sie begünstigt außerdem die dezentrale Stromversorgung mit erneuerbaren Energien und senkt die Kosten für den Netzausbau.

Strom-Speichersysteme sichern Betrieb bei Netzausfall

Sollte es zu einem örtlichen Netzausfall kommen, sorgen Stromspeicher-Systeme dafür, dass die wichtigsten Verbraucher (Licht, Kühlschrank etc.) weiterhin problemlos funktionieren. Manche Stromspeicher sind ab Werk zudem so konstruiert, dass sie sich nahtlos in die vorhandene Struktur des Hauses integrieren lassen. Darüber hinaus können sie als AC-gekoppelter Stromspeicher (Zum Nachrüsten einer bereits bestehenden PV-Anlage) oder als reinen Photovoltaik-Wechselrichter genutzt werden.

Die Vorteile von Stromspeichern zusammengefasst:

  • Schonung fossiler Ressourcen durch höheren Eigenstromverbrauch
  • Senkung der Energiekosten und dadurch mehr Unabhängigkeit von Stromanbietern
  • Entlastung des Stromnetzes und so Treiber der Energiewende
  • Nutzung als reine Photovoltaik-Wechselrichter möglich
  • Versorgung wichtiger Elektrogeräte bei einem Netzausfall

Solarstromspeicher: Kosten der gängigsten Technologien  

Geht es darum, den Sonnenstrom im eigenen Haus zu bevorraten, kommen unterschiedliche Technologien zum Einsatz. Neben Energiezellen, die Wasserstoff für eine Brennstoffzelle erzeugen, sind das vor allem Blei- und Lithium-Ionen-Akkumulatoren. Die beiden sogenannten Batteriespeicher unterscheiden sich in ihren Eigenschaften und in ihren Kosten.

Kosten für Stromspeicher mit Blei-Akkumulatoren

Blei-Akkumulatoren kommen neben der Solartechnik auch in der Automobilindustrie zum Einsatz. Hier arbeiten sie schon lange als Starterbatterie, wodurch die Technik heute als ausgereift und sicher gilt. Sie halten etwa 3.000 Ladezyklen, haben eine Entladetiefe von 80 Prozent und erreichen Wirkungsgrade von etwa 86 Prozent. Das heißt: Beim Be- und Entladen gehen rund 14 Prozent des Photovoltaik-Stroms verloren. Geht es um die Stromspeicher-Kosten, können Hausbesitzer mit 1.000 bis 1.500 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität rechnen.

Größe der PV-Anlage beeinflusst auch die Stromspeicher-Kosten
© Lars Gieger / Fotolia

Kosten für Stromspeicher aus Lithium-Ionen

Lithium-Akkumulatoren sind auch in der mobilen Unterhaltungselektronik im Einsatz. Sie versorgen Smartphones, Tablets oder Laptops mit Strom und können diesen auf vergleichsweise kleinem Raum speichern. Sie halten etwa 7.000 Ladezyklen, lassen sich zu 100 Prozent entladen und erreichen Wirkungsgrade von rund 95 Prozent. Die Solarspeicher arbeiten damit länger und effizienter. Geht es um die Stromspeicher-Kosten, können Hausbesitzer mit 1.250 bis 2.000 Euro pro Kilowattstunde rechnen.

Kosten für Stromspeicher pro Kilowattstunde vergleichen 

Ein Blick auf die Ladezyklen zeigt: Solarspeicher halten unterschiedlich lange. Wer die Kosten für Stromspeicher individuell vergleichen möchte, kann diese auf die Kilowattstunde Strom herunterrechnen. Möglich ist das, indem Verbraucher die Kosten durch das Produkt aus Speicherkapazität, Entladetiefe, Ladezyklen und Systemwirkungsgrad dividieren.

Stromspeicher-Kosten (in Euro) / [Speicherkapazität (in Kilowattstunden) x Entladetiefe (in Prozent/100) x Ladezyklen (in Zyklen) x Wirkungsgrad (in Prozent/100)]

Beispielrechnung


KostenKapazitätEntladetiefeMax. LadezyklenWirkungsgradKosten / kWh
Speicher 17.000 Euro5 kWh95 %4.00095 %0,39 Euro
Speicher 27.000 Euro5 kWh95 % 7.00095 % 
0,22 Euro

Das Beispiel zeigt, dass nicht allein der Preis über die langfristigen Kosten entscheidet. 

Übrigens: Die technischen Daten sollten allesamt aus den Herstellerunterlagen der Speicheranbieter hervorgehen. Wie solche Stromspeicher im Detail funktionieren, erfahren Sie im Beitrag: Mit Batteriespeichern Solarstrom optimal nutzen.

Stromspeicher: Preise für Einbau der Solartechnik

Neben dem Kaufpreis fallen auch Montagekosten für die Speichertechnik an. Diese liegen bei Einfamilienhäusern und kleineren Mehrfamilienhäusern in einem Bereich von 1.000 bis 3.000 Euro. Genaue Angaben gehen aus dem individuellen Angebot des Experten hervor. 

Kosten der Stromspeicher mit Förderung senken  

Die Kosten für Stromspeicher sinken mit höheren Verkaufszahlen. Um diesen Prozess in Gang zu setzen, gibt es auf regionaler Ebene viele Förderprogramme. So zum Beispiel im Bundesland Baden-Württemberg, das die Kosten für Stromspeicher im Jahr 2019 um mindestens 400 Euro senkte. Das Programm lief jedoch zum Jahresende 2019 aus. In Berlin beträgt die Förderung 300 Euro je Kilowattstunde nutzbarer Kapazität des Stromspeichersystems. Maximal werden 15.000 Euro pro Stromspeichersystem gewährt. Insgesamt stehen für das Programm bis Ende 2021 drei Millionen Euro zur Verfügung.

Da sich das Förderangebot von Region zu Region sehr stark unterscheiden kann, lohnt sich hier die individuelle Beratung durch einen Experten vor Ort. Elektroinstallateure oder Energieberater sollten die verfügbaren Mittel kennen, um die Kosten für Stromspeicher spürbar zu senken. Nähere Informationen zu den technischen Voraussetzungen geben wir im Beitrag Förderung für Solartechnik.

KfW-Förderprogramm bereits abgelaufen

Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW-Programm 275) erhielten Interessierte ein zinsgünstiges Darlehen mit einem Tilgungszuschuss von zehn Prozent. Dieses Programm lief jedoch zum Ende 2018 aus.

Für wen lohnen sich Stromspeicher?

Geht es um eine neue Solaranlage, können Stromspeicher die Preise spürbar in die Höhe treiben. Aber lohnt sich das überhaupt? Die Antwort ist meist ja! Denn durch die Speichertechnik lässt sich viel Strom der Photovoltaik zum Eigenverbrauch nutzen. Hausbesitzer müssen weniger Geld an öffentliche Versorger zahlen und sparen bei den Energiekosten. Wichtig ist hier jedoch eine individuelle und passgenaue Planung. Denn die Anlagen arbeiten nur dann wirklich effizient, wenn sie optimal zu Haus und Nutzer passen. In Zukunft wird sich ein Stromspeicher übrigens immer mehr lohnen, denn durch sinkende Preise und immer teureren Strom steigen auch die Einsparungen mit jeder selbst verbrauchten Kilowattstunde.

Die richtige Dimensionierung für Stromspeicher

Wie groß die Stromspeicher sein müssen, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem die Leistung der vorhandenen bzw. geplanten PV-Anlage sowie der gewünschte Autarkiegrad.

Anlagenleistung:

Die Speicherkapazität eines Stromspeichers richtet sich primär nach der Leistung der vorhandenen bzw. geplanten Photovoltaikanlage. In der Praxis beträgt das Verhältnis 0,7 – 1 zu 1. Das bedeutet, bei einer PV-Anlage mit einer Spitzenleistung von 1 Kilowatt Peak (kWp) sollte die Kapazität des passenden Stromspeichers 0,7 bis 1,0 kWh betragen. Hat die PV-Anlage eine Spitzenleistung von 4 Kilowatt Peak (typische Größe für einen 4-Personen-Haushalt) beträgt die Stromspeichergröße 2,9 bis 4,0 kWh.

Autarkiegrad:

Unter Autarkiegrad verstehen Experten den Anteil des selbst genutzten Stroms am gesamten Stromverbrauch. Wer diesen Grad erhöhen möchte, kann die Größe der Stromspeicher entsprechend auslegen. Bei einer Photovoltaikleistung von 4 kWp und einer Stromspeicherkapazität von 2,9 kWh beträgt der Autarkiegrad 50 Prozent. Dieser lässt sich theoretisch problemlos erhöhen. In der Praxis ist das aber nicht wirtschaftlich. Da die Photovoltaik-Anlage und die Stromspeicher zum Haus und Bedarf passen sollten, ist eine Fachberatung unerlässlich. Mit unserem nachfolgenden Service finden Sie in wenigen Schritten den passenden Fachbetrieb in Ihrer Nähe.

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FAQ - Das Wichtigste noch einmal in Kürze

Wie funktioniert ein Stromspeicher?

Ein Stromspeicher bevorratet die elektrische Energie, ähnlich einem Akku, so lange, bis ein Bedarf im Haushalt entsteht. Erst dann gibt er diese an die angeschlossenen Verbraucher wie Lichtschalter, Kühlschrank oder Heizungspumpe weiter. 

Was kostet ein Stromspeicher?

Die Kosten für Stromspeicher hängen von der Art der Batterie und deren Speicherkapazität ab. Bei Blei-Akkumulatoren können Hausbesitzer mit 1.000 bis 1.500 Euro pro Kilowattstunde rechnen. Die Kosten für Stromspeicher aus Lithium-Ionen liegen bei 1.250 bis 2.000 Euro pro Kilowattstunde. Die Kosten für den Einbau sind nicht inbegriffen.  

Wie groß muss ein Stromspeicher sein?

Die Größe des Stromspeichers richtet sich nach der Größe der vorhandenen oder geplanten die Photovoltaik-Anlage. Bei einer Spitzenleistung von 4 Kilowatt Peak (typische Größe für einen 4-Personen-Haushalt) sollte die Stromspeichergröße 2,9 bis 4,0 kWh betragen.

Lohnt sich ein Stromspeicher?

Die Antwort ist meist, Ja! Denn durch die Speichertechnik lässt sich viel Strom der Photovoltaik zum Eigenverbrauch nutzen. Hausbesitzer müssen weniger Geld an öffentliche Versorger zahlen und sparen bei den Energiekosten. Wichtig ist allerdings die passende Größe. 

Heizung.de Autor Alexander Rosenkranz
Fazit von Alexander Rosenkranz
Stromspeicher kosten viel Geld. Sie ermöglichen es aber, einen großen Teil des selbst erzeugten Solarstroms im eigenen Haus zu verbrauchen. Das macht unabhängig und senkt die Ausgaben für Strom aus dem Netz. Die Preise der Technik richten sich grundsätzlich nach deren Art. Während Blei-Akkumulatoren in der Anschaffung etwas günstiger sind, punkten Lithium-Stromspeicher mit einer höheren Lebensdauer. 
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