Stromcloud - grüner Strom auch im Winter nutzen

Neben der bisher bekannten Datencloud gibt es auch sogenannte Stromclouds. Das sind vereinfacht ausgedrückt Speicherplattformen, auf die Besitzer von Photovoltaikanlagen ihren Strom "hochladen" und bei Bedarf wieder beziehen können. Wie das Ganze im Detail funktioniert, welche Arten es gibt und worauf Interessenten bei der Vertragsunterzeichnung achten sollten, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.  

Wie funktioniert eine Stromcloud?

Datencloud: Darunter verstehen die meisten Menschen die Möglichkeit, ihre elektronischen Daten (Bilder, Texte, Videos etc.) auszulagern. Sei es, weil die Kapazitäten ihrer internen Speicher begrenzt sind, oder weil sie jederzeit auf diese Daten zugreifen möchten. Ein weiterer Grund dafür ist, weil sie ihre Daten mit anderen teilen möchten. Eine Stromcloud funktioniert nach dem nahezu identischen Prinzip. Besitzer einer Photovoltaikanlage (oder eines Windrades) haben die Möglichkeit, ihren selbst erzeugten Strom, den sie nicht nutzen können, über das örtliche Stromnetz in die "Stromwolke" einzuspeisen. Dort wird er denjenigen Nutzern zur Verfügung gestellt, die einen höheren Strombedarf haben. Erzeugt dieselbe Anlage in den Wintermonaten zu wenig Strom, können die Besitzer die restliche Menge aus der Cloud beziehen. Bis zu einer zuvor festgelegten Höhe ist der Bezug kostenfrei.

Unterschiedliche Arten von Stromclouds

Wie eine Datencloud im Detail funktioniert, hängt natürlich auch von ihrer Art ab. Schließlich können Interessenten zwischen der reinen Tauschfunktion (Stromgemeinschaft) und einem Servicepaket (Anbieter bezogen) wählen.

Grüner Strom aus einer Stromgemeinschaft beziehen

In dieser einfachen Form verfügen alle Mitglieder bereits über eine Photovoltaikanlage, die in den sonnigen Monaten Strom erzeugt. Kommt es zu einem Stromüberschuss, lässt sich dieser in die Cloud einspeisen. Andere Mitglieder können diesen nutzen oder auch ihren Überschussstrom einspeisen. Für die Bereitstellung der Stromcloud und der dazugehörigen Soft- und Hardware verlangt der Anbieter von allen Mitgliedern eine Gebühr. Wie hoch diese ausfällt, hängt von den individuellen Verbrauchswerten ab. Speist ein Mitglied zum Beispiel mehr selbst erzeugten Strom in die Cloud ein, als er verbraucht, wird sein Beitrag immer kleiner. Bezieht er hingegen mehr Strom aus der Gemeinschaft, erhöht sich sein Beitrag. Im Optimalfall ist das Verhältnis zwischen eingespeistem und bezogenem Strom so eindeutig, dass eine Gebühr komplett entfällt.

Kombination aus Solaranlage und Stromtarif

Wer die Vorteile einer Stromclound nutzen möchte, muss nicht zwingend bereits eine Photovoltaikanlage besitzen. Mittlerweile gibt es einige Unternehmen, die ein "Komplettpaket" anbieten. Dazu gehört neben der auf den Bedarf angepassten Photovoltaikanlage auch ein passender Stromtarif. Dieser richtet sich nach dem Stromverbrauch des Interessenten und gilt in der Regel etwa zwei Jahre. Für die Anlage muss mit einer Vertragsdauer von zehn bis 20 Jahren gerechnet werden. Wie hoch die monatlich zu entrichtende Gebühr ist, hängt von vielen Faktoren ab. Maßgeblich sind dabei:

  • die Anlagengröße
  • der ausgewählte Stromtarif
  • gegebenenfalls der Stromspeicher zum direkten Bevorraten
Ein Haus mit Solardach als Symbol für die Stromcloud
© Robert Kneschke | Fotolia

Die Vor- und Nachteile einer Stromcloud

In unseren Breitengraden produzieren Photovoltaikanlagen in den warmen Monaten manchmal so viel Strom, dass Anlagenbesitzer ihn unmöglich verbrauchen können. In den Wintermonaten sind die Sonnenstunden hingegen so rar, dass die Stromerzeugung praktisch stillgelegt ist. Mithilfe von Stromcloud lässt sich der Überschussstrom wesentlich besser nutzen. Die Eigenversorgung mit Strom steigt dabei auf bis zu 70 Prozent. Lediglich 30 Prozent müssen weiterhin zugekauft werden. Und da in einer Stromcloud nur Strom aus erneuerbaren Energien gespeichert wird - es sich dabei also um grünen Strom handelt - entlasten alle Beteiligten die Umwelt.

Wirtschaftlichkeit schwer kalkulierbar

Damit sich die Anlage rechnet, müssen viele Faktoren bereits im Vorfeld berücksichtigt werden. Von der Machbarkeit der Photovoltaikanlage über die unterschiedlichen Tarife bis hin zu den vielen Rechenaufgaben (strombezogene Kosten, EEG-Einspeisevergütung, Strompreissteigerung etc.) sollten alles bedacht sein. Eine ausführliche Fachberatung ist daher das A und O, bevor der Vertrag unterschrieben wird. Dabei sollten alle offenen Fragen geklärt und die Wirtschaftlichkeit am besten anhand eines Beispiels durchgerechnet werden.

Rechnet sich die Nutzung der Solarcloud?

Wie im vorherigen Absatz angedeutet, lässt sich diese Frage kaum mit einem Wort beantworten. Schließlich hängt die Rentabilität auch davon ab, wie Anlagenbesitzer die Stromcloud nutzen möchten. Wollen sie mit der Anlage und der Cloud Geld verdienen? Oder ist die zunehmende Unabhängigkeit von Stromanbietern ihr Ziel? Möchten sie bei der Herstellerwahl flexibel bleiben, oder ist ein Rundum-sorglos-Paket vielleicht doch das passende Angebot?

Amortisationszeit meist länger als zehn Jahre

Da es die Nutzung von Stromclouds erst seit ein paar Jahren gibt, sind Erfahrungsberichte und Langzeittests ziemlich rar. Die Anbieter selbst geben eine Amortisation von etwa zwölf Jahren an. Ob das immer zutrifft, lässt sich schwer sagen. Was jedoch feststeht, ist, dass der Überschussstrom auf diese Weise sehr sinnvoll verwendet wird. Außerdem tragen Anlagenbesitzer aktiv zum Umweltschutz bei, indem sie sauberen Strom erzeugen - und selbst nutzen.   

Bild unseres Autoren Minh Duc Nguyen

Fazit von Minh Duc Nguyen

Mithilfe von Stromclouds lässt sich der Überschussstrom aus Photovoltaikanlagen viel effizienter verwenden. Um diesen Service nutzen zu können, brauchen Interessenten zum einen eine Solaranlage und zum anderen ein Stromkonto. Einige Anbieter haben hierfür Komplettpakete, für die monatlich eine Gebühr zu entrichten ist. Wann und ob sich die Nutzung von Stromclouds rechnet, ist schwer zu sagen. Eine Amortisationsdauer von mindestens zehn Jahren ist aber realistisch.    

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