Solaranlage mieten – Das sollten Sie wissen

Den eigenen grünen Strom erzeugen ohne hohes Eigenkapital. Möglich ist das, wenn Hausbesitzer und Hauseigentümer eine Solaranlage mieten, anstatt sie zu kaufen. Wie solch eine Mietsache funktioniert, welche Vor- und Nachteile das Pachten gegenüber dem klassischen Kauf hat, erfahren Sie in diesem Artikel. Lesen Sie außerdem, worauf Sie bei einem Vertragsabschluss unbedingt achten sollten. 

Wie funktioniert das Mieten einer Photovoltaikanlage?

Was bedeutet kWp?

Ein Kilowatt peak beschreibt die maximale Leistung einer Solaranlage unter bestimmten Bedingungen

Vereinfacht ausgedrückt funktioniert eine Solaranlagemiete ähnlich wie das Leasing eines Autos. Statt die komplette Anlage zu kaufen, stellen Hausbesitzer oder Hauseigentümer lediglich ihr Dach zur Verfügung. Darauf kommt eine davor vereinbarte, auf den Strombedarf des Mieters angepasste Solaranlage. Den selbst erzeugten Strom können die Hausbesitzer und Hauseigentümer vor Ort nutzen. Alternativ können sie den Solarstrom einspeisen, in das öffentliche Stromnetz. Für die Einspeisung erhalten sie die sogenannte Einspeisevergütung. Aktuell beträgt sie:

  • 6,24 Cent pro kWh bei einer Leistung von weniger als zehn kWp (Stand: Juli 2022)
  • 6,06 Cent pro kWh bei einer Leistung von zehn bis 40 kWp (Stand: Juli 2022). 
Da die Höhe der Vergütung seit Jahren stetig abnimmt und dies auch zukünftig der Fall sein wird, raten Experten zur Eigennutzung des Solarstroms.

Hinweis: Mit dem am 08. Juli 2022 verabschiedeten Osterpaket wurde eine Vielzahl von Änderungen auf den Weg gebracht. Unter anderem betreffen diese auch die Sätze der Einspeisevergütung. Die Änderungen wurden in diesem Beitrag noch nicht berücksichtigt. 

Mieter müssen einen fixen Betrag entrichten

Für den selbst erzeugten, sauberen Strom müssen Hausbesitzer und Hauseigentümer, sofern sie eine Solaranlage mieten bzw. pachten, monatlich einen zuvor festgelegten Betrag an den "Vermieter" bzw. "Verpächter" entrichten – und das für mehrere Jahre. Wie hoch der Betrag ist, hängt wiederum von vielen Faktoren ab, am meisten aber von der Anlagengröße. Die monatlichen Gebühren für eine Anlage mit zwei bis drei kWp fangen bei circa 50 Euro an. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus sind Leistungen zwischen vier und sechs kWp notwendig. Die monatlichen Gebühren liegen hierfür bei 90 bis 130 Euro.

Ein Haus mit Solardach steht für das Thema Solaranlage mieten
© KB3 / Fotolia

Unterschiedliche Anbieter auf dem Markt

Der Markt für das Mieten von Energielösungen hat sich in Deutschland erst in den vergangenen Jahren langsam etabliert. Neben klassischen Energieversorgern und spezialisierten Dienstleistern sind es vor allem Stadtwerke, die dieses Finanzierungsmodell anbieten. Aber auch Hersteller von Solaranlagen haben ihr Portfolio dahingehend erweitert.

Was beinhaltet ein Mieten-Modell in der Regel?

Neben der eigentlichen Photovoltaikanlage können je nach Angebot und Anbieter auch weitere Komponenten gemietet werden, unter anderem ein Stromspeicher oder eine Ladestation für das eigene E-Auto. Darüber hinaus gewährleisten die Anbieter auch Reparaturen oder regelmäßige Wartung. Ebenfalls kann eine Versicherungspauschale enthalten sein. Informieren Sie sich vorab, welche Leistungen beim jeweiligen Produkt gewissermaßen mitgeliefert werden.

Was spricht für das Mieten einer Photovoltaikanlage?

Eine Solaranlage mit ausreichend Leistung für ein durchschnittliches Einfamilienhaus kostet etwa 8.000 bis 12.000 Euro. Kommt ein Stromspeicher hinzu, steigt entsprechend die Investition. Dies kann trotz aktueller Förderung für Photovoltaik das Budget eines Haushalts übersteigen. Die anfänglich hohen Kosten sind demnach häufig der Hauptgrund, warum einige Hausbesitzer ihre Solaranlage mieten, anstatt sie zu kaufen. Jedoch herrscht oft eine große Unsicherheit, ob die Anlage wirklich wirtschaftlich ist. Grundvoraussetzung ist dabei in jedem Falle eine gute Planung. Dies gilt sowohl für den Kauf als auch für die Mieten-Variante. Entscheidender Faktor ist dabei mittlerweile eine eher hohe Eigenverbrauchsrate. Das lässt sich über einen Stromspeicher oder eine E-Auto-Ladestation sehr gut realisieren. Ebenfalls möglich und sinnvoll ist die Kombination einer Photovoltaikanlage mit einer Wärmepumpe. Dabei können Hausbesitzer den Wärmeerzeuger durch selbst produzierten Strom vom Dach betreiben. Dies erhöht nicht nur den Eigenverbrauch, sondern letztlich auch die Autarkie von Energieversorgern. 

Auf die Frage der Wirtschaftlichkeit gibt es somit keine pauschale Antwort, sondern nur Optionen, um diese möglichst zu verbessern. Durch die Beratung und gemeinsame Planung mit einem Installateur vor Ort finden Sie aber die optimale Lösung für sich.

Vor- und Nachteile individuell abwägen

Vorteile:

  • Kein eigener Aufwand für Planung, Montage und Installation der Anlage
  • Übernahme der Wartung der Solaranlage und kleinerer Reparaturen durch den Vermieter
  • Kundenservice und ggf. vollständiger Versicherungsschutz
  • Zunehmende Energieautarkie und Entlastung der Umwelt durch eigene Stromproduktion

Nachteile:

  • Kosten über die gesamte Zeit gesehen gleich bis höher als die beim klassischen Kauf
  • Vertragsbindung über längeren Zeitraum
  • Wegfallender Anspruch auf staatliche Fördermittel

Diese Vor- und Nachteile sollten Sie gegeneinander abwägen. Sie dienen lediglich zur groben Orientierung. Entscheidend sind nicht nur Ihre individuellen Umstände, sondern auch die Rahmenbedingungen des jeweiligen Angebots. Vergleichen Sie am besten verschiedene Produkte, um das passende zu finden. 

Tipps für das Mietenmodell

Allein anhand der oben genannten Vor- und Nachteile lässt sich erahnen, dass die Wirtschaftlichkeit der Anlage nicht immer garantiert ist. Ähnlich wie beim klassischen Kauf gibt es auch beim Solaranlagemieten einige Punkte, auf die Interessenten im Vorfeld unbedingt achten sollten.

Tipp 1: Den passenden Anbieter finden

Wie bereits erwähnt, ist die Auswahl der Anbieter aktuell nicht sehr groß. Nach Möglichkeit sollten Interessenten dennoch versuchen, mehrere Angebote einzuholen. Es empfiehlt sich, einen Anbieter in der Umgebung auszuwählen, der im Falle eines Defekts schneller reagieren kann.

Tipp 2: Passende Anlagengröße

Die richtige Auslegung der Anlagengröße ist das A und O beim Mieten. Ist die zu klein, kann die Anlage die erwartete Strommenge nicht liefern. Ist sie hingegen zu groß, steigt auch die monatliche Gebühr. Den Überschussstrom ins Stromnetz einspeisen und dafür die Vergütung bekommen, rechnet sich aufgrund sinkender Höhe nicht mehr. Denkbar wären hier die bereits angesprochenen Optionen von Stromspeicher, Ladestation oder mit Strom betriebenem Wärmeerzeuger. 

Tipp 3: Geeignete Standortbedingung

Unabhängig davon, ob Hausbesitzer eine Solaranlage mieten oder sie kaufen: Damit die Anlage wirtschaftlich arbeitet, muss die Himmelsrichtung stimmen. In der Praxis erzielen Anlagen die höchsten Erträge, welche nach Süden ausgerichtet sind. Neben der Himmelsrichtung kommt es natürlich auch auf die Neigung und die Lage der Anlage an. Wichtig ist, dass eine Schattierung durch Bäume oder anliegende hohe Gebäude nicht vorliegt.

Tipp 4: Den Mietvertrag sorgfältig durchlesen

Wie bereits erwähnt, sind Hausbesitzer, sobald sie eine Solaranlage mieten bzw. pachten, über einen langen Zeitraum an den Vertragspartner gebunden. Daher ist es nur ratsam, alle Punkte sorgfältig durchzugehen. Am besten vor Vertragsunterzeichnung 

  • Rechnet sich die Anlage? Die Ursache, warum eine Anlage nicht wirtschaftlich arbeitet, liegt häufig in der falschen Berechnung des angenommenen Eigenverbrauchs und der zugrunde liegenden Strompreisentwicklung. Hierauf sollten Interessenten ein besonderes Augenmerk legen.
  • Welche Leistungen beinhaltet der Vertrag? Neben dem klassischen "Starterpaket" bieten viele Dienstleister sogenannte Rundum-sorglos-Verträge an. Diese sehen die Übernahme aller anfallenden Kosten vor und sind dementsprechend etwas teurer. 
  • Was passiert nach Ablauf des Mietvertrags? Häufig sind die monatlich fixen Beiträge so ausgewählt, dass Hausbesitzer nach Ablauf des Mietvertrags nur noch einen obligatorischen Euro für die Anlage zahlen müssen. Das ist aber nicht zwangsläufig und sollte daher im Vorfeld geklärt werden.
  • Was passiert, wenn...? Neben den grundlegenden Fragen sollten auch solche gestellt werden, die nur auf Eventualitäten abzielen. Dazu gehört zum Beispiel die Frage nach den Folgen eines unerwarteten finanziellen Engpasses oder einer nach einer ungeplanten Sanierung.

Tipp: Prüfen Sie in den Konditionen, ob das jeweilige Modell auch zu Ihnen passt. Unklarheiten sollten Sie bestenfalls vor Vertragsunterzeichnung klären. 

Bild unseres Autoren Minh Duc Nguyen
Fazit von Minh Duc Nguyen
Seit einiger Zeit haben Hausbesitzer die Möglichkeit, eine Solaranlage zu mieten, anstatt sie auf klassische Art zu kaufen. Dadurch bleiben sie finanziell weiterhin flexibel und können selbst Strom erzeugen – und nutzen. Damit die gemietete Anlage wirtschaftlich arbeitet, muss sie flächentechnisch zum Haus und Strombedarf passen. Um den Vertrag auf Richtigkeit zu überprüfen, ist es ratsam, einen Rechtsanwalt oder einen Steuerberater zu konsultieren. 
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