Lohnt sich Photovoltaik auf meinem Dach?

Eine Photovoltaikanlage wandelt kostenfreies Sonnenlicht in elektrische Energie um. Sie verursacht keine klimaschädlichen Emissionen und macht ihre Besitzer von steigenden Stromkosten unabhängig. Aber wann lohnt sich Photovoltaik auch auf dem eigenen Dach? Lesen Sie hier, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind und wie lange es dauert, bis sich die Kosten amortisiert haben.

Funktion und Voraussetzungen für die Solartechnik 

Lohnt sich die Photovoltaik? Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Vielmehr gibt es eine Reihe von Faktoren, die die Erträge und damit auch die Wirtschaftlichkeit einer solchen Anlage beeinflussen. Welche das sind, lässt sich am besten anhand der Funktionsweise von Photovoltaik erklären.

Bestandteile und Funktionsweise der Photovoltaik 

Photovoltaikanlagen bestehen aus Solarmodulen, die das Licht der Sonne auffangen. Sie sitzen in der Regel auf dem Dach und sollten idealerweise nach Süden zeigen. So bekommen sie das Sonnenlicht sehr lange ab und können mehr Strom erzeugen. Da es sich bei der elektrischen Energie um Gleichstrom handelt, ist zusätzlich auch ein Photovoltaik-Wechselrichter erforderlich. Dieser formt den Gleichstrom in Wechselstrom um, der sich dann im Haus verbrauchen oder in das öffentliche Netz einspeisen lässt.

Lohnt sich Photovoltaik noch zur Volleinspeisung? 

Früher lohnte sich Photovoltaik allein durch die hohe Einspeisevergütung. Diese gibt es auch heute noch für selbst erzeugten Strom, den Sie in das öffentliche Netz einspeisen. Die Höhe der Vergütung sinkt allerdings immer weiter. Sie liegt aktuell bei 9,87 Cent pro Kilowattstunde (Januar 2020 für Dachanlagen bis zehn kWp) und damit deutlich unter dem momentanen Strompreis von 30,01 Cent pro Kilowattstunde. Das heißt:

  • Speisen Sie eine Kilowattstunde Solarstrom in das öffentliche Netz ein, bekommen Sie weniger als 10 Cent Vergütung.
  • Nutzen Sie eine Kilowattstunde Solarstrom selbst, sparen Sie rund 30 Cent für den Strom, den Sie nicht aus dem öffentlichen Netz einkaufen müssen.

Bei der aktuellen Entwicklung lohnt sich Photovoltaik zur Volleinspeisung (aller Solarstrom ins öffentliche Netz) heute also nicht mehr.

Wann lohnt sich Photovoltaik auf dem Dach?
Wolkenloser Himmel über der Solarstromanlage. Unter diesen Voraussetzungen lohnt sich Photovoltaik auf dem Dach. //  © Lars Gieger – stock.adobe.com

Speicher passen Ertrag und Bedarf aufeinander ab

Damit sich die Photovoltaik lohnt, sollten Sie den Strom zum größten Teil im eigenen Haus verbrauchen. Möglich ist das mit einem Stromspeicher, der die am Tage gewonnene elektrische Energie über die Nacht bevorratet. So lassen sich viele elektrische Geräte auch dann noch mit kostenlosem Solarstrom betreiben, wenn die Sonne längst untergegangen ist. Ohne einen Stromspeicher funktioniert das nicht. Die folgende Tabelle zeigt die Eigenverbrauchsraten (Anteil des Stroms, der im eigenen Haus bleibt) im Vergleich.

Aufbau der Photovoltaikanlage Solarstrom-Eigenverbrauchsrate
ohne Stromspeicher 20 bis 25 Prozent
mit Stromspeicher 60 bis 80 Prozent

Lohnt sich Photovoltaik: Voraussetzungen im Überblick

Dachausrichtung, Neigung, Verschattung und Planung: All diese Punkte sollten optimal sein, damit sich die Photovoltaik auf Ihrem Dach lohnt. Welche Werte günstig sind, zeigt die folgende Übersicht:

Voraussetzungen  Werte und Eigenschaften
Statische Eignung Das bestehende Dach muss die Last der Solarmodule tragen können. Alternativ ist eine Sanierung erforderlich. Es entstehen höhere Kosten und die Photovoltaik lohnt sich unter Umständen weniger. Ein Dachdecker gibt schnell Auskunft.
Dachausrichtung Optimal ist die Ausrichtung nach Süden. Bei Ost- oder Westausrichtung sinkt der Ertrag abhängig von der Neigung um 15 bis 30 Prozent. Bei Ausrichtung nach Norden sind die zu erwartenden Gewinne noch geringer.
Dachneigung Optimal ist eine Dachneigung von etwa 30 Grad. Darüber und darunter können die Erträge auf der gleichen Fläche geringer ausfallen.
Verschattung Die Dachfläche sollte das ganze Jahr über frei von großflächigen Schatten durch Bäume, Berge oder Bauwerke sein.
Photovoltaikfläche Die Auslegung (ohne Wärmepumpe oder Elektroheizung) erfolgt mit etwa einem kWp pro 1.000 kWh Stromverbrauch. Pro kWp ist eine Fläche von acht bis zehn Quadratmetern erforderlich. Im typischen Vier-Personen-Haushalt sollten auf dem Dach also 32 bis 40 Quadratmeter Platz sein.
Stromspeicher ja/nein Ein Stromspeicher ist sinnvoll. Denn er steigert die Eigenverbrauchsrate. Als Folge lohnt sich Photovoltaik eher. Die Auslegung erfolgt überschlägig mit einer Kilowattstunde Speicherkapazität pro kWh-Leistung der Photovoltaikanlage.

Lohnt sich Photovoltaik, wenn all diese Voraussetzungen eingehalten sind? Selbst dann ist eine pauschale Antwort schwierig. Denn über die Wirtschaftlichkeit entscheiden die Preise und die eigenen Verbrauchswerte.

Wann lohnt sich Photovoltaik? Kosten und Einsparungen 

Damit sich die Photovoltaik lohnt, müssen Gewinne und Einsparungen die Anfangskosten in einem überschaubaren Zeitraum ausgleichen. Aber wie hoch sind die Kosten eigentlich? Welche Fördermöglichkeiten gibt es und welche Einsparungen sind zu erwarten? Wir zeigen ein Beispiel.

Beispiel: Kosten der Photovoltaikanlage im Einfamilienhaus 

In typischen Einfamilienhäusern kommt eine Solarstromanlage mit vier kWp Leistung zum Einsatz. Die Technik belegt etwa 32 bis 40 Quadratmeter Dachfläche und wird durch einen Stromspeicher mit einer Kapazität von mindestens vier Kilowattstunden ergänzt. Für eine solche Anlage entstehen heute Kosten von:

  • Solarmodule inkl. Wechselrichter und Zubehör: 4.000 bis 6.000 Euro
  • Stromspeicher mit Lithium-Ionen-Technik: 4.000 bis 6.000 Euro
  • Montage durch erfahrene Handwerksbetriebe: 1.000 bis 2.000 Euro

Die Gesamtkosten der Anlage belaufen sich also auf 9.000 bis 14.000 Euro.

Übrigens: Die Förderung für Solartechnik und Stromspeicher sind nicht in allen Bundesländern erhältlich. Aus diesem Grund lassen wir die Mittel an dieser Stelle außer Acht. Sie führen allerdings zu einer besseren Wirtschaftlichkeit – unter diesem Gesichtspunkt betrachtet lohnt sich Photovoltaik eher.

Gewinne und Einsparungen der Photovoltaikanlage 

Gewinne und Einsparungen der Beispielanlage hängen maßgeblich vom Standort und den örtlichen Gegebenheiten ab. Gehen wir von günstigen Bedingungen und einem Photovoltaikertrag von jährlich 1.000 Kilowattstunden pro kWp aus, liefert die Anlage aus unserem Beispiel jedes Jahr rund 4.000 Kilowattstunden. Sie deckt den Stromverbrauch im Haushalt damit theoretisch zu 100 Prozent. Mit einem Stromspeicher, der vier Kilowattstunden bevorraten kann, liegt die Eigenverbrauchsrate im Jahr bei rund 60 Prozent. Es ergeben sich also folgende Gewinne und Einsparungen:

  • Einspeisevergütung: 40 Prozent x 4.000 kWh x 9,87 ct/kWh = 157,92 Euro pro Jahr
  • Stromersparnis: 60 Prozent x 4.000 kWh x 30,01 ct/kWh = 722,40 Euro pro Jahr
  • Summe aus Gewinnen und Einsparungen = 880,32 Euro

Unter den beschriebenen Gegebenheiten spart die Beispielanlage jedes Jahr Kosten von rund 880 Euro ein.

Wann lohnt sich Photovoltaik bei den Einsparungen?

Ohne Veränderung der Stromkosten liegt die Amortisation der Beispiel-Photovoltaikanlage bei 10,2 bis 15,9 Jahren. In einem Zeitraum von 20 Jahren spart die Anlage also rund 3.600 bis 8.600 Euro ein. In der Praxis ist allerdings davon auszugehen, dass die Strompreise in Zukunft immer weiter steigen. Das führt zu höheren Einsparungen und einer sinkenden Amortisationszeit. Förderlich ist darüber hinaus auch die Preisentwicklung von Photovoltaikanlagen und Stromspeichern. Denn diese sinken und führen damit ebenso zu kürzeren Amortisationszeiten.

Lohnt sich Photovoltaik im individuellen Fall?

In unserem Beispiel lohnt sich Photovoltaik. Denn die Bedingungen sind günstig und die Einsparungen gleichen die Kosten in weniger als 20 Jahren aus. Tatsächlich stellen sich in diesem Zeitraum sogar hohe Gewinne heraus. Ob das in Ihrem Fall auch so ist, müssen Fachbetriebe oder Planer individuell beurteilen. Grund dafür sind die zahlreichen Einflussfaktoren, die wir Ihnen in diesem Beitrag vorgestellt haben. Tatsache ist aber, dass sich die Technik heute immer häufiger rentiert. Vor allem dann, wenn der Strom zu einem großen Teil im eigenen Haus bleibt. Für die Umwelt lohnt sich Photovoltaik in jedem Fall: Denn jede selbst erzeugte Kilowattstunde trägt zur Senkung der CO2-Emissionen bei und schont fossile Ressourcen wie Erdgas oder Kohle.  

Heizung.de Autor Alexander Rosenkranz
Fazit von Alexander Rosenkranz
Lohnt sich Photovoltaik? Die Antwort lautet in den meisten Fällen ja. Denn unter günstigen Voraussetzungen lassen sich die Kosten einer Solarstromanlage in einem überschaubaren Zeitraum wieder hereinholen. Über 20 Jahre hinweg stellen sich sogar mehr oder weniger hohe Gewinne ein. Grundsätzlich ist eine verbindliche Aussage allerdings nur individuell möglich. Denn es gibt viele Faktoren, die die Photovoltaikerträge in positive und negative Richtung beeinflussen. 
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