Solarstrom einspeisen – Voraussetzungen und Nutzen

Installieren Sie eine Photovoltaik-Anlage auf dem Hausdach, entscheiden Sie selbst, was Sie mit dem erzeugten Strom machen: Sie können den Solarstrom einspeisen und eine Vergütung erhalten oder aber selbst nutzen. Ob es sich bei der aktuellen Einspeisevergütung für Photovoltaik lohnt, den Solarstrom abzugeben, wie die technischen Voraussetzungen aussehen und welche Lösungswege es für Altanlagen gibt, die aus der EEG-Förderung fallen, haben wir in diesem Artikel für Sie zusammengefasst.     

Gesetzliche Grundlagen der Stromeinspeisung

Als sich die Photovoltaik auf deutschen Dächern ausbreitete, konnte sie allein durch ihren Preis nicht mit anderen Formen der Energieerzeugung konkurrieren. Auch wenn der Strom „sauber“ ist, war er anfangs durch hohe Anlagenkosten teuer. Die Einspeisevergütung, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt ist, sollte das richten. Denn dabei handelt es sich um eine Förderung für den grünen Solarstrom. Diese zahlen Netzbetreiber für jede in das öffentliche Netz eingespeiste Kilowattstunde – und zwar für einen Zeitraum von 20 Jahren. Um die dabei entstehende Differenz zum Strompreis an der Strombörse ausgleichen zu können, verlangen sie die sogenannte EEG-Umlage, die alle Anschlussnehmer zahlen.

Das „Gesetz über die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien in das öffentliche Netz“, kurz StromEinspG, legte übrigens bereits 1981 fest, dass Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVU) Strom aus regenerativen Quellen abnehmen und die Anlagenbetreiber vergüten müssen. Es wurde 2000 vom Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) abgelöst, das in der Fassung vom 1.8. 2020 bis heute gültig ist.

Degression: EEG-Einspeisevergütung sinkt mit zunehmender Anlagenzahl

Hohes Interesse, steigende Nachfrage und technischer Fortschritt lassen die Kosten einer Photovoltaik-Anlage sinken. Um dieser Entwicklung auch fördertechnisch gerecht zu werden, unterliegt die Einspeisevergütung der Degression. Sie sinkt in dem Maße, in dem die Preise der Technik fallen, bis sich die Photovoltaik ganz ohne Vergütung rechnet.

Ein Beispiel: Lag die Einspeisevergütung zur Einführung im Jahr 2000 bei 50,62 Cent pro Kilowattstunde, zahlen Netzbetreiber heute nur noch 7,25 Cent pro Kilowattstunde (Stand: September 2021). Die Anlagenkosten sind im gleichen Zeitraum von rund 7.000 Euro auf rund 1.200 Euro pro Kilowatt peak (kWp) gefallen.

Steckerfertige PV-Anlagen

Auch bei steckerfertigen Balkon-, Guerilla- oder Mini-Solaranlagen handelt es sich um Anlagen nach dem EEG. Sie erhalten eine Einspeisevergütung (wenn auch nur wenig) und sind genau wie ihre großen Pendants bei der Bundesnetzagentur und beim Netzbetreiber anzumelden.

Diese Anlagen erhalten eine feste Vergütung für eingespeisten Solarstrom

Die Einspeisevergütung für Strom aus der Photovoltaik gibt es heute für Anlagen mit einer Leistung von maximal 100 Kilowatt peak. Diese können sich auf Wohngebäuden, Nichtwohngebäuden oder Freiflächen befinden. Die höchste Vergütung gibt es für Solarstrom aus Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden, die sich nach § 35 Baugesetzbuch nicht im Außenbereich befinden.

Betreiber von Anlagen mit einer Leistung von mehr als 100 Kilowatt müssen Solarstrom selbst vermarkten. Dafür erhalten sie vom Netzbetreiber eine Marktprämie, die unter andrem von einer festen Einspeisevergütung und dem Strompreis an der Strombörse abhängt. Bei einer installierten Leistung von über 750 Kilowatt ermittelt der Staat die Vergütung über Ausschreibungen.

Wichtige (rechtliche) Schritte für die Einspeisung von Solarstrom

Um den Solarstrom einspeisen zu können, ist ein Netzanschluss vorausgesetzt. Dieser muss beim örtlichen Stromversorger beantragt werden – und zwar noch vor der Einrichtung der Anlage. Es empfiehlt sich, immer die höchstmögliche installierbare Nennleistung zu beantragen. Zeigt sich der Wert im Laufe der Zeit als nicht realisierbar, kann er nachträglich nach unten korrigiert werden.

Acht Wochen, um Antrag zu prüfen

Der Antrag gilt gleichzeitig als Anmeldung zur Einspeisung. Der örtliche Stromversorger bzw. Netzbetreiber hat maximal acht Wochen, den Antrag zu überprüfen. Innerhalb dieser Zeit muss die Netzverträglichkeitsprüfung abgeschlossen sein. Auch der Zeitpunkt für den Netzanschluss sowie die zu erwartenden Kosten müssen dem Anlagenbetreiber mitgeteilt werden.

Anmeldung im Marktstammdatenregister für PV ist Pflicht

Gleichzeitig sind Betreiber verpflichtet, alle Anlagen im Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur (BNetzA) anzumelden. Dieser Schritt sollte am Tag der Inbetriebnahme der Anlage, spätestens drei Wochen danach erfolgen. Mit der Anmeldung und der damit einhergehenden Registrierung im Marktstammdatenregister erheben Anlagenbetreiber zugleich ihren Anspruch auf Auszahlung der finanziellen Förderung nach dem EEG. Nach der erfolgreichen Anmeldung bekommen sie von der Bundesnetzagentur eine schriftliche Bestätigung mit den gemeldeten Angaben und der Anlagennummer.

Meldepflicht für Stromerzeugungsanlagen auch im Bestand

Inzwischen müssen alle Anlagenbetreiber ihrer Stromerzeugungsanlagen im Marktstammdatenregister anmelden. Während das bei neuen PV-Systemen ohnehin vorgeschrieben ist, gilt die Pflicht nun auch für Anlagen im Bestand. Die Übergangsfrist für Nachtragungen endet am 30.09.2021. Wer PV-Anlagen, Blockheizkraftwerke oder andere Systeme seither noch nicht im Marktstammdatenregister anmelden konnte, muss mit einem Bußgeld rechnen.

Technische Voraussetzung für die Einspeisung

Wer Solarstrom einspeisen möchte, braucht natürlich eine entsprechende Photovoltaik-Anlage auf dem Hausdach. Unabhängig von der Größe und vom Hersteller müssen mehrere technische Komponenten vorhanden sein.

Netzeinspeisegerät (NEG)

Neben dem Netzanschluss, der beim örtlichen Stromversorger zu beantragen ist, muss die Anlage über ein sogenanntes Netzeinspeisegerät (NEG) verfügen. Die meisten Verbraucher kennen das Gerät auch unter dem Namen Photovoltaik-Wechselrichter. Ein Wechselrichter wandelt „lediglich“ Gleichstrom in Wechselstrom um, während das NEG noch andere Aufgaben erledigen muss. Es überwacht unter anderem den Netzanschluss und kann die Anlage sofort vom öffentlichen Stromnetz trennen, wenn dieses ausfällt oder abgeschaltet wird. Das NEG kontrolliert außerdem mehrere Parameter wie etwa die Spannungs- und Frequenzabweichungen sowie Fehlströme. Es erfasst und speichert zudem Betriebsdaten und kann diese zur Fehlerbehebung wiedergeben.

Eine Skizze symbolisiert, wie Solarstrom einspeisen funktioniert.

Einspeisezähler

Um den Solarstrom einspeisen zu können, muss die Anlage einen Einspeisezähler besitzen. Dieser misst die Strommenge, die die Anlage in das öffentliche Stromnetz einspeist, und dient zugleich als Abrechnungsgrundlage für die PV-Einspeisevergütung. In den meisten Fällen wird er vom Stromversorger gestellt. Anlagenbesitzer haben jedoch das Recht, einen eigenen Einspeisezähler zu verwenden. Wer Platz im Zählerschrank sparen möchte, kann sich auch für einen Zweirichtungszähler entscheiden. Dieser kombiniert Bezugs- und Einspeisezähler in einem Gerät und ist zum Mieten beim Energieversorger erhältlich. 

Einspeisemanagement

Das EEG schreibt vor, dass jede Photovoltaik-Anlage mit einem Einspeisemanagement ausgerüstet sein muss, damit Netzbetreiber jederzeit ihre Leistung reduzieren können. Das soll eine mögliche Überlastung des Stromnetzes verhindern und für Stabilität sorgen. Anlagen mit einer Spitzenleistung von mehr als 30 Kilowatt müssen mit Extratechnik nachgerüstet werden. Besitzer kleinerer Anlagen können alternativ die Leistung von vorneherein auf 70 Prozent begrenzen.

Die technische Umsetzung muss von einem zugelassenen Elektroinstallateur vorgenommen werden. Von der Installation in Eigenregie raten Experten ausdrücklich ab.

Lohnt es sich noch, Solarstrom einspeisen zu lassen?

Die Einspeisevergütung sorgte lange Zeit dafür, dass Anlagenbetreiber die Photovoltaik zur Volleinspeisung auslegten. Sie haben jede selbst erzeugte Kilowattstunde Solarstrom eingespeist und eine feste Förderung erhalten. Letztere ist heute deutlich niedriger als zu ihrer Einführung und die Stromkosten sind seither stark gestiegen. Zusammen mit den sinkenden Preisen für Photovoltaik-Anlagen lohnt es sich daher immer mehr, auf einen hohen Eigenverbrauch zu setzen. Hausbesitzer versorgen sich selbst mit Strom vom Dach. Sie nutzen diesen im Haushalt, im Garten oder sogar für das Elektroauto und müssen viel weniger Energie einkaufen. Die Vorteile:

  • hohe energetische Unabhängigkeit durch Eigenversorgung
  • sinkende Stromkosten durch geminderten Stromeinkauf
  • klimaneutrale Energieversorgung mit grünem Solarstrom

Die Herausforderung ist es nun, das schwankende Angebot regenerativer Energien mit der zeitlich getrennt auftretenden Nachfrage zusammenzubringen. Realisieren lässt sich das mit einem Stromspeicher, der Energie am Tage aufnimmt, um das Haus auch in der Nacht mit eigenem Strom zu versorgen. Setzen Sie zudem auf smarte Haushaltsgeräte oder ein sogenanntes Home Energy Management System, steigern Sie ihren Eigenverbrauch zusätzlich.

Informieren Sie sich in unserem Beitrag über die Photovoltaik zum Eigenverbrauch

Einspeisevergütung 2021: Verschaffen Sie sich einen Überblick

Wie hoch ist die Einspeisevergütung 2021 für Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von bis zu zehn oder 40 Kilowatt? Die folgende Tabelle gibt einen Überblick.

Zeitpunkt der InbetriebnahmeDachanlage bis 10 kWp (Ct/kWh)Dachanlage 10 bis 40 kWp (Ct/kWh)
Ab 01.10.20217,146,94
Ab 01.09.20217,257,04
Ab 01.08.20217,367,15
Ab 01.07.20217,477,25
Ab 01.06.20217,587,36
Ab 01.05.20217,697,47
Ab 01.04.20217,817,59
Ab 01.03.20217,927,70
Ab 01.02.20218,047,81
Ab 01.01.20218,167,93
Ab 01.12.20208,328,09
Ab 01.11.20208,488,24
Ab 01.10.20208,648,40

Die obige Tabelle verdeutlicht, wie stark sich die Höhe der Einspeisevergütung über die vergangenen Monate verändert hat. Während Betreiber von Anlagen bis zehn kWp im Oktober 2021 7,14 Cent pro Kilowattstunde erhalten, waren es im Vorjahresmonat mit 8,64 Cent noch 1,50 Cent pro Kilowattstunde mehr. Im Oktober 2019 gab es pro eingespeiste Kilowattstunde sogar noch 10,18 Cent.   

Anlage fällt aus der EEG-Vergütung: Diese Möglichkeiten gibt es 

Nach einem Zeitraum von 20 Jahren läuft die Einspeisevergütung aus und viele Anlagenbetreiber fragen sich: Meine PV-Anlage fällt bald aus der EEG-Vergütung. Welche Möglichkeiten habe ich?

Anschlussförderung schafft Zeit für weitere Maßnahmen

Mit dem EEG 2021 haben Betreiber ausgeförderter Anlagen mit einer Leistung von maximal 100 Kilowatt erstmalig Anspruch auf eine Anschlussförderung. Diese gibt es bis Ende 2027 auf Basis des Jahresmarktwertes (Mittelwert des Strompreises an der Strombörse in einem Jahr). Der Jahresmarktwert lag 2020 bei 2,458 Cent pro Kilowattstunden und wird für 2021 einmalig um 0,4 Cent pro Kilowattstunde reduziert. Ab 2022 sinkt die Einspeisevergütung dann maximal um die Vermarktungskosten der Übertragungsnetzbetreiber.

20 Jahre Einspeisevergütung: Lohnt sich der Weiterbetrieb? 

Photovoltaik-Anlagen haben eine Lebensdauer von 30 Jahren oder mehr, bevor Hausbesitzer Solarmodule entsorgen müssen. Rein ökologisch ist es also nicht günstig, ausgeförderte Anlagen durch neue zu ersetzen. Wer die Einspeisevergütung verliert und seine Anlage weiter betreiben möchte, hat aktuell drei grundsätzliche Möglichkeiten:

  • Direktvermarktung: Hier kümmern sich Anbieter darum, den selbst erzeugten Strom am Markt zu verkaufen. Die Lösung ist für Anlagen mit einer Leistung von über 100 Kilowatt verpflichtend, lohnt sich bei kleinen Systemen jedoch meist nicht. Grund dafür sind die hohen Kosten für Messtechnik und Verwaltung.
  • Strom-Cloud-Lösung: Energieunternehmen oder Speicheranbieter nehmen Ihre Stromüberschüsse und speisen diese in die virtuelle Strom-Cloud ein. Zu einem späteren Zeitpunkt bekommen Sie den Strom dann günstiger zurück – teilweise sogar unabhängig von der Verbrauchsstelle. So können Sie beispielsweise an öffentlichen Ladesäulen günstiger tanken. Ob sich diese Variante lohnt, hängt vom individuellen Angebot ab.
  • Eigenverbrauch: Läuft die Einspeisevergütung aus und die Photovoltaik funktioniert noch einwandfrei, ist die Umstellung auf Eigenverbrauch oft lukrativ. Damit viel Strom im Haus bleibt, sind jedoch weitere Komponenten erforderlich. Neben einem Stromspeicher mit Energiemanagement können Sie überschüssigen Strom mit einer Heizpatrone auch in das Heizsystem einspeisen. Sie können eine Wärmepumpe damit versorgen oder ein Elektroauto laden.

Welche Lösung in Ihrem Fall am günstigsten ist, lässt sich nicht pauschal beurteilen. Daher empfehlen wir einen Anlagen-Check, bei dem Experten die Technik genau unter die Lupe nehmen. Sie prüfen die Funktion, stellen nötige Reparaturen fest und zeigen, welche Umbaukosten bei den verschiedenen Lösungen entstehen. Zusammen mit einer Berechnung der künftigen Einsparungen erhalten Sie so eine fundierte Entscheidungsgrundlage.

Bild unseres Autoren Minh Duc Nguyen
Fazit von Minh Duc Nguyen
Wer seinen Solarstrom einspeisen lässt, bekommt dafür vom Staat eine Vergütung – und das 20 Jahre lang. Da die Höhe der Einspeisevergütung für Photovoltaik immer weiter abnimmt, wird der Eigenverbrauch jedoch zunehmend attraktiver. Den Solarstrom vom eigenen Dach zu verbrauchen ist auch nach Ablauf der EEG-Vergütung eine der Optionen, die sich lohnen.  
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