Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl

Dieser Artikel behandelt das Thema W wie Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl.

Die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl (auch Wasserdampfdiffusionswiderstand oder µ-Wert) gibt an, wie gut Feuchtigkeit durch einen Stoff hindurch gelangt. Der dimensionslose Kennwert ist vom Material abhängig und dient unter anderem der feuchtetechnischen Bewertung verschiedener Bauteile.

Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl von Dampfsperren ist hoch
Dampfsperre (blaue Folie) mit hoher Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl schützt die Konstruktion vor Feuchtigkeit aus dem Raum // © alterfalter – stock.adobe.com 

Einfach erklärt: Die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl

Sind die Wasserdampfdrücke auf zwei Seiten eines Bauteils unterschiedlich groß, strömt Wasserdampf aus der Luft durch dieses hindurch, um die Differenz auszugleichen. Experten sprechen dabei von der Wasserdampfdiffusion. Der Wasserdampfdiffusionswiderstand beschreibt hingegen das Vermögen eines Materials, dieser Bewegung entgegenzuwirken. Ganz konkret steht die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl (der µ-Wert oder Mü-Wert) für den Faktor, um den ein Stoff dichter gegenüber Wasserdampf ist, als eine gleich starke ruhende Schicht Luft. Dabei gilt: Je größer der µ-Wert ist, umso weniger Wasserdampf strömt durch ein Material. Der Dampfdiffusionswiderstand ist dabei größer und das Bauteil einfach gesagt „dampfdichter“. Wie stark eine Luftschicht mit den gleichen Eigenschaften eines spezifischen Materials wäre, beschreibt das Produkt aus Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl und Materialstärke. Experten sprechen dabei auch vom sogenannten sd-Wert.

Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl verschiedener Baustoffe 

Die DIN EN ISO 12572 gibt an, wie hoch der µ-Wert typischer Baustoffe ist. Vor allem poröse Materialien sind dabei in der Regel durchlässiger für Wasserdampf, wie die folgende Tabelle zeigt.

Material Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl (trocken)
Luft1
Mineralwolledämmung1
Porenbeton10
Vollziegel16
Konstruktionsholz50
Beton100
Sperrholz (schwer)250
Glas10.000
Dampfsperre (dichte PE-Folie)100.000

Neben den in der Tabelle angegebenen Werten gibt die Norm die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahlen der Baustoffe auch im feuchten Zustand an. Letztere gelten dabei für eine relative Luftfeuchte von 50 bis 93 Prozent. Da sich die Poren der Baustoffe dabei mit Wasser füllen, diffundiert mehr Wasserdampf hindurch. Der Dampfdiffusionswiderstand nimmt also ab. 

Praktische Bedeutung der µ-Werte

In der Praxis nutzen Experten die Kenntnisse über den Wasserdampfdiffusionswiderstand zur feuchtetechnischen Beurteilung verschiedenster Bauteile. Ein Beispiel: Ist der Wasserdampfdruck in einem Bad sehr hoch, strömt Wasserdampf nach außen, um die Differenz auszugleichen. Bei einer Dachdämmung könnte dabei viel Feuchtigkeit in die Dämmebene eintreten. Kommt es hier zur Kondensation, fällt Wasser aus. Die Dämmung würde ihre Wirkung verlieren und Schimmel in der Wohnung könnte entstehen. Um das zu verhindern, kommen Materialien mit hohem Wasserdampfdiffusionswiderstand zum Einsatz. Diese sperren die Konstruktion von innen ab und verhindern, dass Feuchtigkeit in das Bauteil eindringt.

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