Rohrwärme und Heizkostenabrechnung

Dieser Artikel behandelt das Thema R wie Rohrwärme.

Strömt das vom Kessel erwärmte Wasser durch die Rohrleitungen im Haus, geben diese sogenannte Rohrwärme an die Umgebung ab. Bei gut gedämmten und unter Putz verlegten Leitungen ist der Betrag in der Regel niedrig. Führen die Rohre allerdings frei durch den Raum, kann der Wärmeverlust Heizkörper überflüssig machen. In Mehrfamilienhäusern führt genau dieses Phänomen immer wieder zu überhöhten Heizkosten. Wir erklären, warum das so ist und wie sich die Rohrwärme bei der Heizkostenabrechnung berücksichtigen lässt. 

Heizkosten steigen durch Verluste auf dem Weg zur Wohnung 

Verlieren die Verteilleitungen bereits sehr viel Wärme, muss der Wärmeerzeuger diese zusätzlich bereitstellen. In Mehrfamilienhäusern führt das dazu, dass der verbrauchsabhängige Grundbetrag steigt. Die Heizkostenverordnung schreibt vor, diese Kosten flächenabhängig auf alle Wohnungen zu verteilen. Das hat zur Folge, dass die Rohrwärme zu einem Anstieg der Heizkosten aller Mieter und Wohnungsbesitzer eines Hauses führt.

Rohrwärme über frei verlegte Heizrohre
© DJ Srki / Shutterstock.com

Heizkostenverteiler der Heizkörper erfassen keine Rohrwärme

Führen Heizungsrohre unisoliert und sichtbar durch Wohnungen im Mehrfamilienhaus, profitieren Bewohner vom eigentlichen Wärmeverlust. Teilweise ist der Effekt sogar so stark, dass sparsame Heizer die Heizkörper gar nicht aufdrehen müssen. Das führt allerdings zu einem weiteren Problem. Denn die Heizkostenverteiler registrieren nur Wärme, die über die Heizflächen an den Raum übergeht. Die Rohrwärmeabgabe bleibt unberücksichtigt und es kommt zu einer Verteilungsungenauigkeit bei den verbrauchsabhängigen Heizkosten. Oben liegende Wohnungen und Vielheizer zahlen dadurch häufig mehr als nötig, denn deren Heizkostenverteiler erfassen den gesamten Wärmeverbrauch.

Wärmeverlust durch Rohrwärme ermitteln: So funktioniert es 

Um die Kosten dennoch fair zu verteilen, lässt sich die Rohrwärme in der Abrechnung berücksichtigen. Zum einen ist es ratsam, den Grundkostenanteil der Heizkosten auf den Höchstsatz von 50 Prozent anzuheben. Darüber hinaus gibt es verschiedene Verfahren zum Erfassen der Rohrwärmeabgabe. Die folgende Übersicht zeigt, welche das sind:

  • Wärmeverluste messen: Frei liegende Rohre lassen sich theoretisch mit eigenen Heizkostenverteilern ausrüsten. Dieses Verfahren ist jedoch zeit- und kostenintensiv, weshalb es in der Praxis seltener zum Einsatz kommt.
  • Detaillierte Berechnung: Sind Informationen zur Lage aller Rohrleitungen bekannt, können Experten die Rohrwärme berechnen. Möglich ist das mit dem Heizwasserdurchfluss, dem Mittel der Heizungswassertemperaturen und den Betriebszeiten der Anlage. Nachteil: Die nötigen Informationen sind nicht immer bekannt und das Verfahren ist sehr aufwendig.
  • Rohrwärmekorrektur nach VDI 2077: Sind gewisse Grundvoraussetzungen erfüllt, können Vermieter und Messdienstleister die Rohrwärme über eine Berechnung nach VDI 2077 berücksichtigen. Dazu ziehen sie den Warmwasserwärmeverbrauch und den über die Heizkostenverteiler erfassten Anteil des Wärmeverbrauchs vom Gebäudeenergieverbrauch (Gas, Heizöl oder Holz) ab. Sie ermitteln die Rohrwärme nach VDI 2077 in Verbrauchseinheiten, die sie dann flächenabhängig auf alle Wohnungen aufteilen.

Im Vergleich liefert die Rohrwärme-Berechnung nach VDI 2077 die besten Ergebnisse mit einem überschaubaren Aufwand. Wichtig ist, dass das Verfahren nur infrage kommt, wenn Grundvoraussetzungen erfüllt sind. So muss beispielsweise eine große Standardabweichung vom durchschnittlich erfassten Verbrauch vorliegen.

Unser Tipp: Haben Mieter frei liegende Leitungen in der Wohnung, sollten sie die Heizkostenabrechnung kontrollieren. Wurde die Rohrwärmeabgabe dort nicht berücksichtigt, helfen Experten der Verbraucherzentrale oder eines regionalen Mieterschutzvereins beim weiteren Vorgehen. Möchten Vermieter oder Hausverwalter die Rohrwärme richtig berechnen, empfehlen wir den Kontakt zu einem Hausbesitzerverein oder einem Abrechnungsdienstleister.

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