Wie lange darf ich meinen Kaminofen betreiben?

Mit dem Ziel, die Umwelt zu schützen, hat der Gesetzgeber die Anforderungen an Feuerungsanlagen für feste Brennstoffe erhöht. Viele Hausbesitzer sind nun unsicher und fragen: „Wie lange darf ich meinen Kaminofen noch betreiben?“. Im folgenden Beitrag beantworten wir diese Frage. Wir informieren über die Anforderungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, Fristen, Ausnahmen und Optionen für alte Kamine. 

Die Erste BImschV und ihre Anforderungen  

Die Erste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchV) heißt auch Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen. Sie regelt den Betrieb von Heizungen im häuslichen Bereich. Dabei geht es unter anderem um Schadstoffgrenzwerte und zugelassene Brennstoffe.

Höhere Anforderungen an CO- und Feinstaubwerte  

Mit einer Novelle der Verordnung im Jahr 2010 legte der Gesetzgeber höhere Anforderungen an Feuerungsanlagen für feste Brennstoffe fest. Diese betreffen sowohl Zentral- als auch Einzelraumheizungen. Die geringeren Grenzwerte wurden dabei in zwei Stufen aktiv. Die Letzte zum 01.01.2015. Sie legt fest, dass ein neuer Kamin folgende Werte einhalten muss:

  • Kohlenmonoxid: 1,25 Gramm je Kubikmeter Abgas
  • Feinstaub: 0,04 Gramm je Kubikmeter Abgas
  • Wirkungsgrad: 73 Prozent

Betroffen sind aber auch alte Kamine und Heizgeräte, sodass sich viele Hausbesitzer fragen: „Wie lange darf ich meinen Kaminofen noch betreiben?“.

Wie lange darf ich meinen Kaminofen noch betreiben
© Life morning / Shutterstock.com

Einhaltung der Grenzwerte und Baujahr sind entscheidend    

Wie lange ein Kaminofen noch betrieben werden darf, gibt Paragraf 26 der BImSchV vor. Denn dieser regelt Übergangsfristen für Einzelfeuerungsanlagen, die mit festen Brennstoffen arbeiten. Wurden diese noch vor dem 22. März 2010 errichtet und in Betrieb genommen, müssen sie folgende Grenzwerte einhalten:

  • Kohlenmonoxid: 4 Gramm je Kubikmeter Abgas
  • Feinstaub: 0,15 Gramm je Kubikmeter Abgas

Nachweisen lässt sich das durch die Bescheinigung der Hersteller oder eine Einzelmessung. Letztere können Hausbesitzer für 150 bis 300 Euro bei einem Schornsteinfeger aus ihrer Region beauftragen.

Anforderungen greifen schrittweise je nach Alter der Heizung  

Wer ein altes Heizgerät besitzt, fragt sich nun „Wie lange darf ich meinen Kaminofen noch betreiben?“. Auch die Antwort auf diese Frage gibt die Erste BImSchV im Paragraf 26. Sie hängt vom Alter auf dem Typenschild ab. Demnach liegt der Zeitpunkt für die Nachrüstung beziehungsweise Außerbetriebnahme für Kaminöfen mit den folgenden Daten:

  • bis einschließlich 31. Dezember 1974 zum 31. Dezember 2014
  • ab 01. Januar 1975 zum 31. Dezember 2017
  • ab 01. Januar 1985 zum 31. Dezember 2020
  • ab 01. Januar 1995 bis 21. März 2010 zum 31. Dezember 2024

Wer also einen Kamin- oder Kachelofen aus dem Jahr 1990 besitzt, darf diesen seit 2021 nicht mehr einfach so betreiben. Heizungen, die seit 1995 eingebaut wurden, sind hingegen erst 2024 betroffen. Handlungsbedarf besteht jedoch nicht grundsätzlich. Lässt sich nachweisen, dass der Kaminofen die Grenzwerte nicht überschreitet, kann er weiter betrieben werden.   

Hinweis: Lässt sich das Alter nicht feststellen, gelten die erhöhten Anforderungen bereits seit dem 31. Dezember 2014.

Was passiert, wenn der Kamin die Grenzwerte nicht erreicht?

Hinweis

Kommen Hausbesitzer ihren Pflichten nicht nach, können die Behörden Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro verhängen.

Halten alte Kamine die Grenzwerte nicht ein, sind sie in der Regel außer Betrieb zu setzen. Alternativ können Verbraucher auch einen Feinstaub-Filter im Schornstein nachrüsten lassen. Aktive Geräte, die einen besonders hohen Abscheidegrad erreichen, kosten dabei etwa 1.000 bis 1.500 Euro. Passive Feinstaubfilter gibt es dagegen schon für rund 300 Euro. Diese setzen meist auf die oxidative Katalyse, wobei sich einzelne Bestandteile der Abgase in weniger schädliche umwandeln. Nachteilig ist, dass Hausbesitzer die Filterkassetten hier regelmäßig tauschen müssen. In beiden Fällen ist eine erneute Kamin-Abnahme durch den Schornsteinfeger Pflicht.

Ausnahmen: Nicht alle alten Holzheizungen sind betroffen

Von den Anforderungen der BImSchV sind nicht alle Kamine betroffen. So gibt es Ausnahmen für Einzelfeuerungsanlagen, die allein für die Wärmeversorgung in einem Gebäude oder in einer Wohnung sorgen. Gleiches betrifft auch:

  • Einzelraumfeuerungsanlagen, die bereits vor 1950 errichtet wurden
  • Offene Kamine
  • Grundöfen
  • Nicht gewerblich genutzte Herde und Backöfen mit einer Nennleistung von weniger als 15 kW

Wer eines dieser Geräte verwendet und sich fragt: „Wie lange darf ich meinen Kaminofen noch betreiben?“, hat Glück. Denn all jene dürfen ihre Heizgeräte ohne Einschränkungen auch weiterhin nutzen. Eine Ausnahme trifft lediglich offene Kamine, die aufgrund der hohen Emissionswerte ohnehin nur gelegentlich befeuert werden dürfen.

Neue Vorgaben für Schornsteine

Wer den alten Kamin weder stilllegen noch mit einem Filter nachrüsten und stattdessen einen neuen Ofen einbauen möchte, muss weitere Vorgaben beachten. Denn der Bundesrat hat am 17.09.2021 einer Änderung der ersten BImSchV zugestimmt. Betroffen sind neue Feuerungsanlagen für Festbrennstoffe mit einer Feuerungswärmeleistung von weniger als einem Megawatt. Zukünftig müssen Eigentümer gewährleisten, dass der Schornstein mindestens 40 Zentimeter höher ist als der Dachfirst. Ziel der neuen Vorgabe ist, die Ansammlung von Luftschadstoffen zu verhindern. Diese reichern sich vor allem in dicht besiedelten Gebieten in Bodennähe an, wenn keine ausreichende Luftströmung vorhanden ist.   

Heizung.de Autor Alexander Rosenkranz
Fazit von Alexander Rosenkranz
Wie lange darf ich meinen Kaminofen noch betreiben? Diese Frage stellen sich viele Hausbesitzer, die einen Einzelofen besitzen. Grund dafür sind die schärferen Grenzwerte der BImSchV. Denn diese können Nachrüstarbeiten erforderlich machen. Genügen diese nicht, um die höheren Anforderungen zu erfüllen, müssen die Heizungen außer Betrieb genommen werden. Abhängig vom Alter des Ofens haben Hausbesitzer jedoch noch etwas Zeit. 
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