Wohnraumlüftung: Mehr Sicherheit und Komfort

Im Neubau und in der Sanierung sind die Anforderungen an die energetische Qualität von Wohnhäusern in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Die Gebäude werden immer dichter. Innere Lasten wie Schadstoffe, Gerüche oder Feuchtigkeit können aber oft nicht mehr von selbst reguliert werden. Die Folge: Immer öfter werden Anlagen zur Wohnraumlüftung nötig, um die eigene Wohnung ausreichend zu lüften. Denn nur so kann schlechter Luft und Schimmel vorgebeugt werden. Wann eine Wohnraumlüftung benötigt wird, wie sie funktioniert, welche Arten es gibt und wie das Lüften der Wohnung sogar dabei helfen kann, die Heizkosten zu senken, erklären wir in den folgenden Abschnitten.

Die Themen im Überblick:

  1. Gründe für die Wohnraumlüftung
  2. Funktionsweise der Wohnraumlüftung
  3. Lüftungsmöglichkeiten
  4. Fazit

Lüftungsanlage im Keller für die Wohnraumlüftung

Warum ist eine Wohnraumlüftung in energieeffizienten Gebäuden wichtig?

Denkt man an ältere Häuser, waren diese eher selten mit Anlagen zur Wohnraumlüftung ausgestattet. Mit Ausnahme von innen liegenden Bädern oder Küchen, war das auch nicht notwendig. Denn über Fenster, Türen oder sonstige Undichtigkeiten in der Gebäudehülle, strömte immer ausreichend frische Außenluft ins Innere.

Da das Einströmen der Außenluft, die an besonders kalten Wintertagen auch einmal weniger als -10 Grad Celsius haben kann, aber zu einem hohen Energieverbrauch führt, soll diese unkontrollierte Luftzirkulation heute vermieden werden. Bei Neubauten und Sanierungen funktioniert das zum Beispiel durch dichte Fenster und eine luftdichte Folie. Diese einkleidet die gesamte Wärme umschließende Hüllfläche eines Gebäudes.

Das Problem dabei ist jedoch, dass nun kaum noch Außenluft auf natürlichem Wege durch das Gebäude strömt. Schadstoffe aus Möbeln, Gerüche aus Küchen und Bädern sowie ein großer Teil der Feuchtigkeit, die tagtäglich an die Luft abgegeben wird, können somit nicht mehr abgebaut werden und bleiben im Raum. Ohne eine Wohnraumlüftung, die kontinuierlich für eine ausreichende Durchspülung mit frischer Außenluft sorgt, könnte die Konzentration so stark steigen, dass die Lufthygiene erheblich beeinträchtigt wird. Auch die Gefahr von feuchtebedingten Schäden wie Schimmel nimmt immer weiter zu.

Maßnahmen zur Wohnraumlüftung sind gesetzlich vorgeschrieben

Wichtig zu wissen ist, dass Maßnahmen zum Lüften der Wohnung – wie eine sogenannte Wohnraumlüftung – auch gesetzlich vorgeschrieben sind. Genauer legt die DIN 1946 Teil 6 fest, dass bei jedem neu gebauten Wohngebäude ein Lüftungskonzept zu erstellen ist. Bei Sanierungen ist ein Konzept zur Wohnraumlüftung zu erstellen, wenn:

  • in Mehrfamilienhäusern mehr als ein Drittel der Fenster getauscht werden
  • in Einfamilienhäusern mehr als ein Drittel der Fenster getauscht oder mehr als ein Drittel der Dachfläche abgedichtet wird.

Das Lüftungskonzept soll sicherstellen, dass moderne und energieeffiziente Gebäude immer mit ausreichend frischer Luft versorgt werden. Ist das nicht der Fall, sind Maßnahmen zur zentralen oder dezentralen Wohnraumlüftung notwendig.

Wie funktioniert eine Wohnraumlüftung?

Darstellung des zentralen Lüftungssystems eines Hauses für die Wohnraumlüftung

Wohnraumlüftung mit Zentralgerät und Luftverteilung im Gebäude (A: Abluftnut, B: Zuluft, C: Fortluft, D: Außenluft)

Eine Wohnraumlüftung hat die Aufgabe, alle Räume eines Gebäudes oder einer Wohnung mit ausreichend Außenluft zu versorgen. Während die frische Luft dabei in Aufenthaltsräumen wie Wohnzimmern oder Kinderzimmern – den Zuluft-Räumen – eingebracht wird, saugt die Wohnraumlüftung verbrauchte und belastete Luft aus Küchen und Bädern – den Ablufträumen – ab. Auf diese Weise kann verhindert werden, dass zum Beispiel unangenehme Gerüche die Luftqualität in Aufenthaltsräumen stören.

Eine Besonderheit der Funktionsweise der Wohnraumlüftung ist die Möglichkeit, die Wärme der verbrauchten Abluft zum Vorwärmen der kalten Außenluft zu verwenden. Ganz ohne die Heizung kann die Außenluft, die im Winter auch einmal -14 Grad Celsius haben kann, auf über +10 Grad Celsius vorgewärmt werden. Möglich wird das, indem Zu- und Abluft bei zentralen Anlagen zur Wohnraumlüftung unmittelbar aneinander vorbeigeführt werden. Alternativ kann mit der warmen Abluft auch ein Speicherstein erwärmt werden. Wird zeitversetzt die kalte Außenluft über diesen geführt, nimmt sie die Energie auf und wird warm. Diese Variante der Wärmerückgewinnung findet man häufig bei dezentralen Anlagen zum Lüften der Wohnung.

Welche Möglichkeiten gibt es, die eigene Wohnung zu lüften?

Geht es darum, die eigene Wohnung zu lüften, unterscheidet man generell zwischen der freien und der ventilatorgestützten Lüftung. Bei der freien Wohnraumlüftung zirkuliert die Luft in der Wohnung aus natürlichem Antrieb. Möglich ist das zum Beispiel dann, wenn Zuluft- und Abluftöffnungen – in die Fassade eingebaute Gitter – auf zwei gegenüberliegenden Gebäudeseiten angeordnet sind. Angetrieben von den unterschiedlichen Windverhältnissen, strömt die Luft dabei unkontrolliert von der luftzu- zur luftabgewandten Seite. Die freie Lüftung kann nicht mit einer Wärmerückgewinnung ausgestattet werden.

Deutlich besser für eine hohe Lufthygiene ist die ventilatorgestützte Lüftung der Wohnung. Denn dabei sorgt mindestens ein Ventilator für das ausreichende Lüften der Wohnung. Je nach Luftführung unterscheidet man dabei noch einmal zwischen der dezentralen und der zentralen Lüftung.

Dezentrale Wohnraumlüftung mit platzsparenden Geräten für die Sanierung

Kennzeichen für eine dezentrale Wohnraumlüftung ist, dass einzelne Räume oder Wohnungen in einem Haus voneinander unabhängig belüftet werden können. Dabei werden einzelne Lüftungsgeräte direkt in der Außenwand einer Wohnung installiert. Ausgestattet mit einer Einrichtung zur Wärmerückgewinnung schalten die Geräte regelmäßig zwischen Zu- und Abluftbetrieb um. Das heißt, sie befördern abwechselnd frische Luft nach innen und kalte Luft nach außen. Durch die kleinen Geräte, die zum Beispiel bei einer Sanierung unkompliziert nachgerüstet werden können, erreichen dezentrale Anlagen zur Wohnraumlüftung oft nur geringe Leistungen. Auch die Wärmerückgewinnung ist durch den Wechsel-Betrieb nur eingeschränkt möglich.

Vorteile einer dezentralen Wohnraumlüftung: Nachteile einer dezentralen Wohnraumlüftung:
niedriger Anschaffungspreis geringere Luftleistung durch kleine Gerätegrößen
Belüftung einzelner Räume/ Wohnungen hoher Anschaffungspreis, wenn viele Geräte benötigt werden
platzsparende Geräte, die ohne Kanalnetz in der Außen-
wand installiert werden
eingeschränkte Effizienz der Wärmerückgewinnung

Zentrale Lüftung mit verzweigten Kanälen und effizienter Wärmerückgewinnung

Anlage zur Wohnraumlüftung im Keller eines Hauses

Bei der zentralen Wohnraumlüftung wird sowohl die Zuluft, als auch die Abluft eines Hauses oder einer Wohnung über ein zentrales Gerät geführt. Dieses befindet sich meist im Keller, dem Dachboden oder im Bereich einer abgehängten Decke. Es ist außerdem über ein verzweigtes Kanalnetz mit den Luftdurchlässen im gesamten Gebäude verbunden. Die frische Außenluft wird über einen Dach- oder Fassadenanschluss angesaugt, gefiltert, über das Lüftungsgerät geführt. Je nach Gerät kann sie hier beheizt, gekühlt, befeuchtet oder entfeuchtet werden – und anschließend zum Zuluftraum transportiert. Die verbrauchte Abluft wird hingegen in Bädern und Toiletten-Räumen abgesaugt, über ein Kanalnetz zur Wohnraumlüftung transportiert und von diesem nach außen befördert.

Während die kalte Außenluft und die warme Abluft im Lüftungsgerät aneinander vorbei geführt werden, kann die Wärme der Abluft besonders effizient rückgewonnen und auf die Außenluft übertragen werden.Bei zentralen Anlagen zur Wohnraumlüftung wird sowohl die Zuluft, als auch die Abluft eines Hauses oder einer Wohnung über ein zentrales Gerät geführt. Dieses befindet sich meist im Keller, dem Dachboden oder im Bereich einer abgehängten Decke und ist über ein verzweigtes Kanalnetz mit den Luftdurchlässen im gesamten Gebäude verbunden.

Im Vergleich zu dezentralen Geräten zur Wohnraumlüftung, die oft unkompliziert im Altbau installiert werden können, ist es aufwendiger, die zentralen Anlagen inklusive Kanalnetz in die bestehende Architektur zu integrieren.

Vorteile einer zentralen Wohnraumlüftung: Nachteile einer zentralen Wohnraumlüftung:
optimale Lüftung der Wohnung, auch bei hohen
Lasten
hoher Platzbedarf durch Kanalnetz
hohe Effizienz der Wärmerückgewinnung höhere Kosten für Anschaffung und Installation
Heizen, Kühlen, Befeuchten oder Entfeuchten der
Luft ist möglich

Alexander Rosenkranz

Fazit von Alexander Rosenkranz

Durch immer höhere Anforderungen an die Energieeffizienz wachsen die technischen Herausforderungen, die im Betrieb moderner Häuser entstehen. Eine Anlage zur Wohnraumlüftung ist dabei eine optimale Ergänzung zur effizienten Heiz- und Gebäudetechnik. Sie garantiert beste Luftverhältnisse, schützt vor Schimmel und senkt außerdem die Heizkosten.

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