Wärmecontracting - Kosten sowie Vor- und Nachteile

Auto, Wohnung, ja sogar Zeit gibt es mittlerweile zu mieten. Warum also nicht auch eine Heizung mieten, anstatt sie zu kaufen? Der dazugehörige Begriff lautet Wärmecontracting. Was darunter zu verstehen ist, welche Nutzen ein solcher Contract hat und für wen sich die Wärmemiete lohnt, darum geht es in den folgenden Abschnitten.

Wärmecontracting verständlich erklärt

Ein Contract ist vereinfacht übersetzt ein Vertrag. Ein Wärmecontracting ist somit eine schriftliche Vereinbarung zwischen zwei bis drei Parteien. Bei einem Vertrag mit zwei Parteien treten Vertragsnehmer direkt mit dem Vertragsgeber in Verbindung. Beim Vertragsnehmer können es sich um öffentliche Einrichtungen, Krankenhäuser, Gewerbebetriebe oder Hausbesitzer handeln. Als Vertragsgeber kommen Energieversorger, Stadtwerke oder Heizungshersteller infrage. In der Praxis kommen einige Wärmecontracting zustande, bei denen theoretisch drei Parteien beteiligt sind: der Vertragsnehmer (Hausbesitzer), der Vertragsgeber (Energieversorger) und der Contractor (Dienstleister wie Heizungsbetriebe oder Handwerker).

Unterschiedliche Formen des Wärmecontracting

Ein Wärmevertrag kann unterschiedlich gestaltet sein bzw. verschiedene Vorgaben beinhalten. Zur besseren Orientierung hat der Verband für Wärmelieferung e.V. vier Contracting-Varianten ausgearbeitet, die sich in ihren reinen Ausprägungen und Leistungskomponenten unterscheiden. Dazu gehören Energieliefer-Contracting, Einspar-Contracting, Finanzierungs-Contracting sowie Technisches Anlagenmanagement. Einer der wesentlichen Punkte betrifft die Verantwortung für die Heizungsanlage. Die in der Praxis meist gewählte Variante ist das Energieliefer-Contracting.

Dabei ist allen Modellen gemein, den Energieverbrauch zu senken und Energiekosten einzusparen. Der Fokus ist bei den Varianten immer ein klein wenig anders. Um dies zu verdeutlichen, stellen wir Das Energieeinspar- und das Energieliefer-Contracting einmal gegenüber. Beim Letztgenannten steht der Einbau oder die Modernisierung der Energieerzeugungsanlage (wie eine Heizungsanlage) sowie die Versorgung mit Nutzenergie im Fokus. Für das Energiespar-Contracting wird die Reduzierung des Energieverbrauchs aus einer anderen Richtung gedacht. Im Fokus steht hier die optimierte Verteilung und Nutzung der Energie. Neben der Schulung kann dies mit technischen Maßnahmen unterstützt werden, die wiederum der Contractor zur Verfügung stellt. 

Das Bild zeigt einen 50-Euro-Schein an der Heizung - als Symbol für die niedrigen monatlichen Raten für einen Wärmecontracting-Vertrag. 
© Mark Bohmeier - stock.adobe.com

Nutzen und Kosten bei Wärmecontracting

Der Kauf einer neuen und effizienten Heizung ist immer mit finanziellem Aufwand verbunden. Wie hoch die Anschaffungskosten sind, hängt unter anderem von der Art der Heiztechnik und der Heizlast ab. Entscheiden sich Hausbesitzer bzw. Kunden für die Mietvariante, stehen ihnen die Mittel für andere Investitionen zur Verfügung. Je nach Contracting-Variante müssen sie sich nicht (mehr) um die Wartung der Anlage kümmern und beheizen auf eine äußerst komfortable Art und Weise. Auch die Planung und die Installation der Anlage werden vom Vertragspartner übernommen. Durch die Verwendung der neuen Technik wird das Risiko eines Ausfalls auf ein Minimum reduziert. Außerdem entlasten Vertragsnehmer dank sauberer Verbrennung die Umwelt.

Kosten hängen von vielen Faktoren ab

Die zahlreichen Vorteile eines Wärmecontracting schlagen sich im Preis wieder. Eine genaue Angabe lässt sich kaum wiedergeben, da viele Faktoren eine Rolle spielen. Dazu gehören die Heizungsart, das Modell, die Heizlast, die Contracting-Variante und nicht zuletzt die Vertragslaufzeit. Die bequemsten aber auch teuersten Varianten sind in der Regel die Rund-um-sorglos-Pakete.  

Lohnt sich Wärmecontracting?

Ob es sich lohnt, die Heizwärme zu mieten, anstatt sie selbst zu erzeugen, lässt sich nur individuell beantworten. Neben dem äußerst hohen Bedienkomfort und der besseren Kostenkalkulierbarkeit sprechen noch weitere Gründe für die Mietvariante. Gleichzeitig dürfen Vertragsnehmer nicht vergessen, dass sie selbst keinen Anspruch auf zum Teil hohe Fördergelder vom Staat haben, sondern nur der Vertragsgeber (Manche Anbieter leiten die staatlichen Vorteile aber an die Vertragsnehmer weiter, wodurch sie indirekt davon profitieren). Außerdem sollten sie die Rahmenbedingungen möglichst genau prüfen und wichtige Fragen stellen.

Preiserhöhungen während der Vertragslaufzeit sind untypisch

Zu den wichtigsten Punkten im Wärmevertrag gehört die Preisgestaltung. Regelungen, die eine Preiserhöhung während der Vertragslaufzeit ermöglich, können die anfänglich niedrigen Preise zunichtemachen und sollten unbedingt angesprochen werden. Handelt es sich beim Vertragsgeber um einen Energieversorger, lohnt sich ein genauer Blick auf die Lieferbedingungen. Zwar bestehen auf dem Strom- und Gasmarkt die freie Anbieterwahl sowie die gesetzliche Vertragslaufzeit von maximal zwei Jahren. Der Abschluss eines Energieliefer-Contracting beispielsweise fällt aber unter den Bereich Fernwärme. Hier gelten wiederum andere Regeln. Experten raten ferner dazu, die Frage zu stellen, was nach Ablauf der Vertragslaufzeit mit der Heizung geschieht. Besteht eine Kaufoption? Wer ist für die Entsorgung zuständig? Ist ein Anschlussvertrag automatisch vorgesehen? In der Praxis wird die alte Anlage nach Ablauf der Vertragslaufzeit meist vom Kunden gegen Zahlung einer geringen Summe für den Restwert übernommen. 

Grundsätzlich gilt: je transparenter ein Wärmecontracting gestaltet ist, desto besser ist es für Vertragsnehmer.

Für wen eignet sich ein Wärmevertrag?

Für wen ein Wärmecontracting am besten geeignet ist, lässt sich nicht pauschal sagen. In der Praxis haben sich viele Vermieter für diese Variante der Wärmeversorgung entschieden. Denn mit einem Wärmevertrag können sie die gesamte Wartung der Heizungsanlage an den Contractor ausgliedern. Letzterer übernimmt in der Regel auch die Abrechnung mit dem Mieter, sodass der Vermieter sich nur noch auf das Wesentliche konzentrieren muss. Oft lohnt sich ein Wärmecontracting für Hausbesitzer. Denn auch sie profitieren von der Liquiditätssicherung und der Betriebssicherheit während der gesamten Vertragslaufzeit. Wichtig zu wissen ist, dass einzelne Mieter kein Wärmecontracting abschließen können. Das Angebot richtet sich ausschließlich an Hausbesitzer, Wohnungseigentümer sowie Mietwohnungsgesellschaften etc.

Die Vor- und Nachteile zusammengefasst

Die zahlreichen Stärken und Schwächen eines Wärmevertrags wurden bereits erwähnt. Die hier wichtigsten zusammengefasst:

Vorteile von Wärmecontracting:

  • Liquiditätssicherung durch wegfallende hohe Investition
  • Kostensenkung durch moderne Heiztechnik
  • Nachhaltiger Beitrag zum Klima- und Umweltschutz
  • Verbesserung des Bedienkomforts
  • Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit (für Vermieter)
  • Hohe Betriebssicherheit und -zuverlässigkeit

Nachteile von Wärmecontracting:

  • Besondere Sorgfalt bei der Auswahl der Anbieter erforderlich
  • Lange Vertragslaufzeiten bei Energieliefer-Contracting möglich
Bild unseres Autoren Minh Duc Nguyen
Fazit von Minh Duc Nguyen
Wärmecontracting als Alternative zur klassischen Wärmeversorgung hat viele Vor- und Nachteile. Während hoher Komfort und geringer Aufwand für diese Art sprechen, sind die Gesamtkosten auf lange Sicht gesehen ein entscheidender Nachteil.
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