Überströmventil – Funktionsweise und Nutzen

In einer Heizungsanlage befinden sich der sogenannte Vor- und Rücklauf. Ist der Druckunterschied zwischen diesen beiden zu hoch, kommt das Überströmventil zum Einsatz. Das kann unter anderem der Fall sein, wenn Kessel und Heizungspumpe bei voller Leistung arbeiten, aber die Heizkörper im System abgeschaltet sind. Doch wie funktioniert dies im Detail und warum ist ein Überströmventil in vielen Anlagen nicht mehr unbedingt nötigt. Die Antworten auf diese Fragen finden Sie im nachstehenden Text. 

Druckdifferenz im Heizkreislauf – Wo kommt das Überströmventil zum Einsatz?

Die Funktion und der Nutzen eines solchen Ventils lässt sich am besten erfassen im Hinblick auf den Heizkreislauf und dessen Besonderheiten. Die Mehrzahl der Haushalte ist mit einer sogenannten Warmwasserheizung ausgestattet. Das bedeutet, die von einem Heizkessel beziehungsweise allgemein von einem Wärmeerzeuger bereitgestellte Wärme gelangt in die Räume über das Trägermedium Wasser. Es fließt in einem geschlossenen System zwischen dem Wärmeerzeuger und den Heizkörpern hin und her. Dabei unterscheiden Experten den Vor- und den Rücklauf. Strömt das heiße Wasser vom Kessel zu den Heizkörpern, sprechen sie vom Vorlauf. Fließt es im abgekühlten Zustand wieder zurück, ist vom Rücklauf die Rede.

Viele Pumpen in bestehenden Anlagen arbeiten mit einem sogenannten konstanten Volumenstrom. Drehen Hausbesitzer die Heizkörper ab, fördern diese zu viel Wasser. Mit dem Druck im Vorlauf steigt auch die Druckdifferenz zum Rücklauf. Zu den Folgen zählen: störende Strömungsgeräusche oder zu geringe Volumenströme im Kesselrücklauf.

Das Bild verdeutlicht anhand verschiedener Druckmessgeräte, dass das Überströmventil sich öffnet, wenn die Druckdifferenz zu hoch ist zwischen vor- und Rücklauf. 
© visivasnc | Fotolia

Das Überströmventil gleicht eine zu hohe Druckdifferenz aus

Das Überströmventil sitz zwischen dem Vor- und dem Rücklauf. Es öffnet sich, wenn der Druckunterschied zwischen diesen beiden Kreisläufen zu stark ansteigt. Damit fungiert es in der Situation quasi als Bypass. Genauso wie bei einer Herz-OP wird mithilfe des Ventils eine Überbrückung erstellt. Im Falle der Heizungsanlage besteht diese zwischen dem Vor- und Rücklauf. Schaltet sich das Überströmventil hier ein, wird der Druck herabgesetzt. Aufgrund dieser Funktion wird das Ventil auch als Druckdifferenz-Überströmventil bezeichnet.

Wenn der Förderdruck zu hoch ist

Ist der Förderdruck zu hoch, begrenzt das Ventil diesen. Zu hoch ist der Druck, wenn nur sehr wenig und gar keine Heizungsleistung benötigt wird. In diesem Falle sind die Thermostate geschlossen und der Druck im Netz steigt. 

Welche grundlegenden Funktionen erfüllt das Überströmventil?

Doch das Überströmventil bewahrt nicht nur die Druckdifferenz zwischen vor- und Rücklauf, sondern sichert auch den Mindest-Wasserumlauf im Wärmeerzeuger selbst. Dies betrifft insbesondere wandhängende Geräte. Denn aufgrund ihrer kompakten Bauweise befindet sich nur wenig Wasser darin.

Schließlich kann mithilfe dieses Ventils auch Wärme abgeführt werden, die im Heizkreislauf aktuell nicht benötigt wird. So kann dieses kleine Bauteil eine kurzfristige Überhitzung des Wärmeerzeugers verhindern.

Im Übrigen können wenig günstige Druckverhältnisse zur vermehrten Luftblasenbildung führen. Sammelt sich Luft im Heizungssystem ist dies für die Bewohner auch akustisch wahrzunehmen. Denn nicht selten kommt es dann zu Klopfgeräuschen, wenn sie die Heizung auftreten. Doch nicht nur Geräusche sind dann ein Problem, sondern auch eine schlechtere Wärmeverteilung an den einzelnen Heizkörpern. Dann kann es zum Beispiel sein, dass eine Heizung nur oben warm wird.  

Muss jede Heizungsanlage mit einem Überströmventil ausgestattet sein? 

Der Einsatz eines Druckdifferenz-Überströmventils ist mittlerweile etwas umstritten. Einige Experten halten diese Komponente einer Heizungsanlage für antiquiert. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass das Erhalten der Druckunterschiede heutzutage nicht mehr über ein solches Ventil stattfinden muss. Denn die Umwälzpumpen können, wie bereits oben erwähnt, stufenlos geregelt werden. Hinzu kommen die besonders guten Eigenschaften moderner Kessel. Denn diese können über weite Leistungsbereiche modulierend arbeiten.

Etwas anders sieht es hingegen aus, wenn nur ein- oder zweistufige Pumpen verbaut wurden und das alte Heizsystem bei einem Tausch nicht angefasst wird. Hierbei ist der Bypass durch das Überströmventil vor allem in der Übergangszeit in der Regel notwendig. Denn in dieser Zeit wird nicht mehr die maximale Heizleistung durch die Bewohner in Anspruch genommen. Zeitweise werden dann nur ein oder zwei Heizkörper überhaupt eingeschaltet. 

Wo ist das Druckdifferenz-Übertrömventil verbaut?

Überströmventile können bereits herstellerseitig im Gerät verbaut sein oder müssten nachgerüstet werden. Unter Umständen finden Sie dieses im Anschlusszubehör oder im bauseitigen Zubehör. Das Ventil ist in der Regel dort eingebaut, wo es auch gebraucht wird, nämlich zwischen dem Vor- und dem Rücklauf. Gibt es kein Mischventil kann das Ventil auch zwischen Druck- und Saugseite parallel zur Pumpe installiert sein. 

Das Überströmventil und das Problem mit der Brennwerttechnik

Doch nicht nur durch die stufenlos regelbaren Umwälzpumpen kann ein solches Ventil obsolet sein. Auch wenn es darum geht über die sogenannte Brennwerttechnik zusätzlich Wärme aus den Abgasen zu gewinnen, kann ein Überströmventil die Effizienz und damit den Wirkungsgrad etwas reduzieren.

Aber eine eher niedrige Rücklauftemperatur ist besser für den Brennwert. Denn die Kondensation von Wasser aus den Abgasen setzt voraus, dass Abgastemperatur den Taupunkt unterschreitet. Dieser liegt beim Erdgas zum Beispiel bei 60 Grad Celsius. Wird der Rücklauf durch das Ventil nun wärmer, kann es sein, dass Effizienzverluste durch die nicht genutzte Kondensation stattfinden. Inwieweit dies jedoch für Ihre Heizungsanlage gilt, lassen Sie am besten durch einen Installateur feststellen.

heizung.de Redakteurin Jeannette Kunde

Fazit von Jeannette Kunde

Das Überströmventil gleicht zu hohe Druckdifferenzen aus zwischen dem Vor- und dem Rücklauf. Zudem wirkt es Strömungsgeräuschen entgegen und schütz vor allem kompakte Wärmeerzeuger vor der Überhitzung. Mit den neuen Modellen und einer weiterentwickelten Technik rückt die Bedeutung des Ventils nun jedoch zunehmend in den Hintergrund. Denn die Druckunterschiede lassen sich heute überwiegend durch stufenlos regelbare Pumpen sowie durch die Kessel selbst erreichen, die über große Leistungsbereiche modulierend arbeiten. In diesem Falle übernimmt das Überströmventil lediglich eine Sicherheitsfunktion und springt nur in Extremsituationen ein. Schließlich sollte das Überströmventil nicht zum Regulieren eingesetzt werden, wenn die Wärmeverteilung nicht stimmt. Denn in diesem Falle ist ein hydraulischer Abgleich wesentlich sinnvoller. 

Beratung durch Ihren Heizungsinstallateur vor Ort

Sie benötigen eine individuelle Beratung oder ein Angebot für Ihre neue Heizung?

news-icon

Neueste Artikel

Vom 17. Dezember 2018

Ventilheizkörper sind kompakte Heizflächen mit integrierter Ventilgarnitur. Sie lassen sich schnell installieren und sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Wir geben einen Überblick über Größen, Leistung und Kosten. weiterlesen

Vom 16. Dezember 2018

Wie funktioniert ein Luftentfeuchter? Wir zeigen, wie die unterschiedlichen Arten der Raumentfeuchter funktionieren und informieren über typische Einsatzgebiete sowie Kosten der Geräte.  weiterlesen

Vom 15. Dezember 2018

Der Kesselthermostat schaltet die Heizung bei zu hohen Kesselwassertemperaturen ab. Warum das nötig ist, wie es funktioniert und welche Einstellungen am Thermostat möglich sind, erklärt dieser Beitrag. weiterlesen

Vom 14. Dezember 2018

Ist Ihre Heizungspumpe defekt? Wir zeigen Symptome, die dafür sprechen. Außerdem informieren wir über typische Ursachen der Probleme und die Kosten, die bei einem Austausch anfallen. weiterlesen

News article img

Artikelbewertung