Sanierungsfahrplan: Ihr individueller Weg zur energetischen Sanierung

Möchten Sie die Energieeffizienz Ihrer Immobilie und den Wohnkomfort langfristig verbessern, ist eine Energieberatung die beste Grundlage zur Planung entsprechender Maßnahmen. Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) sollte im Idealfall auf Ihre persönlichen Vorstellungen sowie finanziellen Mittel zugeschnitten sein. In den folgenden Abschnitten erfahren Sie unter anderem, was den iSFP auszeichnet, wer den Sanierungsfahrplan erstellen darf und wie Sie bei Sanierungsmaßnahmen sparen können.

Eine förderfähige Investition in die Zukunft

Die Erstellung eines individuellen Sanierungsfahrplans ist mit Kosten verbunden. Wie hoch diese sind, lässt sich jedoch nicht pauschal festlegen. Sie hängen von der Größe des Gebäudes, aber auch von dem Honorar des ausführenden Energieberaters ab. Hier empfiehlt es sich, mehrere Angebote einzuholen und zu vergleichen. Der finanzielle Aufwand lohnt sich aber. Denn ein Sanierungsfahrplan soll nicht nur Aufschluss über den energetischen Ist- und Kann-Zustand eines Gebäudes geben, sondern auch die ganzheitliche Maßnahmenplanung erleichtern. Einzelne Sanierungsschritte werden schon vor Beginn der Umsetzung aufeinander abgestimmt. So lassen sich beispielsweise Anschlüsse und Schnittstellen einplanen, die für zukünftige Sanierungsmaßnahmen benötigt werden. Das vorausschauende Vorgehen ermöglicht es, spätere Änderungen und damit einhergehende Kosten zu vermeiden.

Das Bild zeigt zwei Energieberater die einen individuellen Sanierungsfahrplan ausarbeiten
© ronstik / Fotolia

Fördermittel reduzieren die Kosten

Die Kosten für den Sanierungsfahrplan lassen sich senken. Um Hausbesitzern einen Anreiz zur energetischen Sanierung zu geben, bietet der Staat seit Februar 2020 die "Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude” (EBW) an. Die Fördermittel können über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragt werden und reduzieren die Beratungskosten um 80 Prozent. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern ist die Förderhöhe auf 1.300 Euro, bei Mehrfamilienhäusern auf 1.700 Euro begrenzt. Zu beachten ist jedoch, dass nur zugelassene Energieberater der BAFA einen Sanierungsfahrplan erstellen und die Förderung zur Energieberatung beantragen können. Denn Letztere wird nicht direkt an den Hausbesitzer ausgezahlt, sondern von dem Energieberater beantragt und mit dem Honorar verrechnet. Einen qualifizierten Sachverständigen finden Sie über die Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes.  

In sieben Schritten zum Sanierungsfahrplan 

Das Konzept für den individuellen Sanierungsfahrplan wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) sowie dem Passivhaus Institut (PHI) erarbeitet. Ziel war es, ein standardisiertes, praxisbezogenes und leicht verständliches Beratungsinstrument für die ganzheitliche energetische Betrachtung eines Gebäudes zu schaffen. Dieses soll Hauseigentümern dabei helfen, auf Ihre Bedürfnisse und finanziellen Mittel abgestimmte Sanierungsmaßnahmen Schritt für Schritt zu planen.

Die Erstellung des iSFP erfolgt nach einem festen Muster und umfasst sieben Schritte: 

  1. Erstes Beratungsgespräch: Der Energieberater macht sich vor Ort ein Bild von dem energetischen Zustand des Hauses. Gleichzeitig sollte er auf die individuellen Bedürfnisse sowie die finanziellen Voraussetzungen der Hauseigentümer eingehen.
  2. Energetische Bewertung des Ist-Zustandes: Anhand standardisierter Kennwerte wird der primärenergetische Gesamtzustand des Gebäudes ermittelt.
  3. Entwicklung von Sanierungsvorschlägen: Basierend auf den Ergebnissen des ersten Beratungsgespräches erarbeitet der Energieberater einen oder mehrere Sanierungsvorschläge.
  4. Abstimmung des iSFP mit dem Eigentümer: Wurden mehrere Sanierungsvarianten erstellt, muss sich der Hausbesitzer an dieser Stelle für ein Sanierungsziel entscheiden. Dieses lässt sich nachträglich nicht mehr anpassen.
  5. Erstellung des individuellen Sanierungsfahrplans: Der Energieberater arbeitet die Unterlagen für den Sanierungsfahrplan aus.
  6. Erläuterung der Unterlagen: In einem Abschlussgespräch werden die einzelnen Maßnahmen und das mögliche Vorgehen besprochen. Auch offene Fragen des Hausbesitzers sollten an dieser Stelle mit dem Energieberater geklärt werden.
  7. Übergabe der Dokumente: Nachdem gegebenenfalls letzte Änderungen und Ergänzungen vorgenommen wurden, erhalten die Hauseigentümer zwei Dokumente: “Mein Sanierungsfahrplan” und “Umsetzungshilfe für meine Maßnahmen”.  

Mein Sanierungsfahrplan – was steht drin?

Das Dokument besteht aus verschiedenen Elementen, von denen der Sanierungsfahrplan selbst das wohl wichtigste für Hausbesitzer ist. Die Übersicht zeigt den aktuellen energetischen Zustand des unsanierten Gebäudes sowie den Zustand nach den vorgeschlagenen Maßnahmen. Eine farbige Darstellung, die sich an der Farbskala des Primärenergiebedarfs orientiert, soll die Auswirkung der einzelnen Sanierungsschritte verständlicher machen. Die Darstellung des Ist-Zustandes erfolgt anhand folgender Parameter:

  • Energiekosten heute (Euro/Jahr)
  • Energiekosten zukünftig (Euro/Jahr)
  • CO2-Emissionen (Kg/m2a)
  • Endenergiebedarf (kWh/m2a)
  • Primärenergiebedarf (kWh/m2a)

Die Darstellung des iSFP zeigt zudem die einzelnen Maßnahmenpakete mit den grob geschätzten Investitionskosten und anteiligen Instandhaltungskosten sowie der möglichen Förderung. Wichtig: Letztere werden nur bei dem ersten Maßnahmenpaket angegeben. Bei Maßnahmen, die erst später ausgeführt werden sollen, erfolgt im Sanierungsfahrplan lediglich die Angabe “ggf. möglich”.  

Umsetzungshilfe für meine Maßnahmen

Das zweite Dokument des individuellen Sanierungsfahrplans ist deutlich umfangreicher. Denn hier werden die einzelnen Sanierungsmaßnahmen genauer beschrieben und energetisch bewertet. Zudem werden die einzelnen Maßnahmen zeitlich eingeordnet. Wie sich diese finanziell auswirken, zeigt eine Gegenüberstellung der geschätzten Investitions- und Energiekosten bei einer reinen Instandhaltung des Wohngebäudes und bei einer Sanierung. Für die Beauftragung von Fachunternehmen können die in der Umsetzungshilfe erfassten technischen Daten eine hilfreiche Grundlage darstellen.

iSFP – kein Muss, aber trotzdem sinnvoll

Wer wissen möchte, welche energetischen Sanierungsmaßnahmen für das eigene Haus sinnvoll sind, was diese kosten und welche Fördermittel dafür zur Verfügung stehen, kann von einem individuellen Sanierungsfahrplan profitieren. Der standardisierte Energieberatungsbericht wird jedoch nicht automatisch erstellt. Entscheiden sich Eigentümer für eine Energieberatung, sollten sie den Sachverständigen zuvor um die Darstellung aller Maßnahmen in Form eines iSFP bitten. Dieser ist nicht mit einem Gebäudeenergieausweis zu verwechseln. Letzterer wird zwar ebenfalls im Rahmen einer Energieberatung ausgestellt und ist förderfähig, als Grundlage für Sanierungsentscheidungen aber deutlich weniger geeignet.

Auch Einzelmaßnahmen sind möglich

In Abhängigkeit von dem energetischen Zustand des Gebäudes können die in dem iSFP aufgeführten Maßnahmenempfehlungen sehr umfangreich sein. Aber muss der Sanierungsfahrplan umgesetzt werden – exakt und komplett? Nicht unbedingt. Denn der Staat fördert auch die Umsetzung von Einzelmaßnahmen. Voraussetzung ist, dass diese innerhalb von 15 Jahren durchgeführt werden. In diesem Zeitrahmen können Hausbesitzer für Maßnahmen aus dem Sanierungsfahrplan eine Förderung über das BEG EM beim BAFA beantragen. Seit dem dem 01.07.2021 können zudem folgende Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für Einzelmaßnahmen oder eine Gesamtsanierung zum KfW-Effizienzhaus genutzt werden: 

  • Programm 461: Investitionszuschuss für Bau, Kauf oder Komplettsanierung zum KfW-Effizienzhaus
  • Programm 261, 262: Förderkredit mit Tilgungszuschuss für Bau, Kauf oder Komplettsanierung zum KfW-Effizienzhaus oder für einzelne energetische Sanierungsmaßnahmen

Übergangsregelung für ältere Beratungsberichte

Energieberatungsberichte, die zwischen dem 01.07.2017 und dem 31.12.2020 im Rahmen der Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude gefördert, aber nicht als iSFP erstellt wurden, können trotzdem für den Bonus zugelassen werden. Der ausführende Energieberater muss jedoch bestätigen, dass die beantragten Maßnahmen in mehreren Schritten erfolgen, in dem Bericht vorgesehen sind und nicht wesentlich angepasst werden. Eine Änderung der zeitlichen Reihenfolge oder Anpassungen, die zu einer höheren Effizienzsteigerung führen, sind zulässig.   

Förderung um fünf Prozent steigern

Hausbesitzer, die eine im Sanierungsfahrplan empfohlene Maßnahme innerhalb von 15 Jahren umsetzen, können die förderfähigen Kosten zusätzlich reduzieren. Der sogenannte iSFP-Bonus erhöht die Förderung des BAFA und der KfW um weitere fünf Prozent.

Beispiel: Entscheiden sich Eigentümer auf Basis eines individuellen Sanierungsfahrplans ihre in die Jahre gekommene Ölheizung gegen eine Wärmepumpe zu tauschen, können sie 50 Prozent der förderfähigen Kosten sparen:

FördersatzFördergrundlage
35 ProzentEinbau einer Wärmepumpe
10 ProzentTausch einer Ölheizung
5 Prozent Umsetzung einer Maßnahme aus dem iSFP

Hinweis: Entscheiden sich Hausbesitzer doch nicht für den im Sanierungsfahrplan empfohlenen Wärmeerzeuger, müssen sie nicht unbedingt auf den Bonus verzichten. Erhalten sie für die Alternative einen gleich hohen oder höheren Fördersatz gemäß BEG EM, wird auch der iSFP-Bonus bewilligt. 

Bonus für Käufer und Besitzer von gemischt genutzten Gebäuden?  

Eigentümer von gemischt genutzten Gebäuden können ebenfalls von dem iSFP-Bonus profitieren. Voraussetzung ist, dass der für Wohnzwecke genutzte Gebäudeteil überwiegt. Auch Käufer von Immobilien dürfen sich freuen, wenn der Vorbesitzer einen Sanierungsfahrplan in Auftrag gegeben hat. Da dieser an das Gebäude und nicht an den Eigentümer gebunden ist, können sie den Bonus für geplante Sanierungsmaßnahmen beantragen.

Der Umfang ist klar definiert

Wichtig zu wissen: Ein Sanierungsfahrplan soll ausschließlich einen Überblick über mögliche Kosten, Dauer und Art von Maßnahmen geben. Er enthält keine Detail- und Ausführungspläne. Werden bei der Beratung Schwachstellen am Gebäude aufgedeckt, spricht der Energieberater ausschließlich Empfehlungen aus, wie etwa die Erstellung eines Konzepts zur Vermeidung von Wärmebrücken. Mit der Umsetzung muss jedoch ein entsprechender Fachplaner beauftragt werden. Im individuellen Sanierungsfahrplan sind die Kosten dafür nicht inbegriffen. Das gilt auch für Leistungen wie Instandhaltungsplanung und Ursachenermittlung möglicher Schwachstellen.

Das Bild zeigt Redakteurin Sabrina Hansen
Fazit von Sabrina Hansen
Ein iSFP gibt Eigentümern einen gut verständlichen Überblick über den energetischen Ist- und Kann-Zustand ihrer Immobilie und erleichtert im besten Falle die Entscheidung für und die Planung von Sanierungsmaßnahmen. Zudem lassen sich die Kosten für einen Sanierungsfahrplan durch eine Förderung senken. Bei der Umsetzung darin enthaltener Maßnahmen senkt der iSFP-Bonus die Sanierungskosten um zusätzliche fünf Prozent.
Beratung durch Ihren Heizungsinstallateur vor Ort

Sie benötigen eine individuelle Beratung oder ein Angebot für Ihre neue Heizung?

news-icon
Neueste Artikel
news-icon
Artikelbewertung