Wärmewende – Notwendigkeit und Lösungsansätze

Ohne die Wärmewende gibt es auch keine Energiewende. Darin sind sich Experten aus Politik, Wissenschaft und Industrie einig. Die Wärmewende ist sozusagen die Grundlage für eine Energiewende. Aber wie sieht eine Wärmewende aus? Was sind die konkreten Ziele? Welche Lösungsansätze gibt es? Im Folgenden finden Sie das Wichtigste zum Thema kurz zusammengefasst. 

Warum ist eine Wärmewende notwendig?

Die Deutschen nutzen über 50 Prozent der Energie für die Erzeugung von Wärme. Dabei beträgt der Anteil der Energie für die Raumwärme 27 Prozent. Für Warmwasser sind es fünf Prozent. Für sonstige Prozesswärme sowie Prozesskälte sind es 24 Prozent (Stand: 2019. Quelle: BDEW). Im Hinblick auf den Gesamtenergiebedarf stellt die Wärmeerzeugung somit den mit Abstand größten Posten dar.

Wohngebäude sind zum Großteil energetisch sanierungsbedürftig

Der Anteil ist an für sich nicht problematisch. Bedenklich ist die Bereitstellung der Gesamtenergie. Aktuellen Zahlen zufolge entsprechen vier von fünf Heizkesseln nicht dem aktuellen Stand der Technik. In Zahlen ausgedrückt beträgt das durchschnittliche Heizungsalter hierzulande 16,6. Ein Großteil der insgesamt 21 Mio. Wärmeerzeuger sind Gas- und Ölkessel, die noch nicht mit der effektiven Brennwerttechnik arbeiten. Hinzukommt, dass von den 18,9 Mio. Wohngebäuden im Bestand mehr als die Hälfte vor 1979 errichtet worden sind. Sie sind zum Großteil energetisch sanierungsbedürftig, das betrifft insbesondere Einfamilienhäuser. 

Ein Windpark steht sinnbildlich für die Wärmewende in Deutschland
© Christian Schwier | Fotolia

Was sind die konkreten Ziele der Wärmewende?

Das Thema Wärmewende wurde lange Zeit vernachlässigt. Erst vor relativ kurzer Zeit hat sich die Bundesregierung dessen wieder intensiv angenommen. Das Vorhaben ist jedoch mit gewaltigen Aufgaben im Hinblick auf Förderungen und Regulierungen verbunden. Die Ziele sind dennoch ambitioniert:

  • Bis zum Jahr 2050 sollen die Treibhausgasemissionen um 80 Prozent sinken.
  • Der Anteil der erneuerbaren Energieträger zur Deckung des Bruttoendenergieverbrauchs soll auf 60 Prozent steigen.
  • Der Primärenergieverbrauch soll bis 2050 um 50 Prozent gegenüber 2008 reduziert werden.  

 Denkbarer Lösungsansatz in 4 Schritten

Wie diese Ziele erreicht werden, dazu gibt es viele Diskussionen und Lösungsansätze. Im Folgenden finden Sie vier mögliche Schritte zur Erreichung der Wärmewende.  

1.     Gebäude sanieren und energieeffizient bauen

Wie bereits erwähnt, sind mehr als die Hälfte der Wohngebäude im Bestand sanierungsbedürftig. Damit die angestrebten Ziele der Wärmewende erreicht werden können, muss die jährliche Sanierungsrate von einem auf mindestens zwei Prozent steigen. Darüber hinaus fordern viele Experten eine große Sanierungstiefe. Denn die Trendentwicklung bei der energetischen Gebäudesanierung sei aktuell völlig unzureichend. Der Lösungsansatz sieht nicht nur Maßnahmen im Gebäudebestand vor, sondern auch bei Neubauten. Konkret müssen neue Gebäude energieeffizienter gebaut werden.  

2.     Erneuerbare Energie nutzen

Die Dekarbonisierung gilt für die meisten Experten als die wichtigste Maßnahme zur Wärmewende. Neben steigender Energieeffizienz im Gebäude soll zur Wärmeerzeugung mehr erneuerbare Energien eingesetzt werden. Bislang dominieren Gas- und Ölheizungen den deutschen Wärmemarkt. Der Anteil an „Umweltheizungen“ beträgt 2017 lediglich 16,2 Prozent. Damit die Wärmewende gelingt, muss der Anteil deutlich höher werden. Die Steigerung ist aber nicht problemlos möglich. Denn davor müssen Bestandsgebäude besser saniert und neue Gebäude energieeffizienter gebaut werden. Sind diese zwei Voraussetzungen nicht gegeben, rechnet sich der Einsatz erneuerbarer Energien wirtschaftlich nicht.

3.     Vermehrt Wärmepumpen einsetzen

Wärmepumpen zählen zu den umweltfreundlichsten Wärmeerzeugern. Sie sind zudem ein optimaler Kandidat für einen bivalenten Betrieb. Konkret lässt sich eine Wärmepumpe parallel zu einem bestehenden Gas- oder Ölkessel betreiben. Sie deckt den Großteil des Wärmebedarfs. Der bestehende Heizkessel muss nur zur Abdeckung der Spitzenlast zugeschaltet werden. Wärmepumpen können ferner dazu beitragen, die Stromnetze zu entlasten. Wie das im Detail funktioniert, lesen Sie im Beitrag Sperrzeit der Wärmepumpe.

Wichtig: Zur Erreichung der Wärmewende-Ziele muss der Anteil von Wärmepumpen in den folgenden Jahren deutlich zunehmen. In Zahlen ausgedrückt sollten es bis zum Jahr 2030 etwa fünf bis sechs Mio. Anlagen sein. Aktuell sind deutschlandweit knapp eine Million Geräte installiert (Quelle: BWP). Außerdem muss der Antriebsstrom für Wärmepumpen umweltfreundlicher werden.

4.     KWK-Technologie verstärkt einbinden

Eine weitere Maßnahme zur Reduzierung des Primärenergiebedarfs ist die zunehmende Einbindung von Kraft-Wärme-Kopplung-Anlagen wie Brennstoffzellen-Heizgeräten und Blockheizkraftwerken. Vor allem im Industriebereich entsteht viel (Ab-)Wärme, die oftmals ungenutzt an die Luft geleitet wird. Die KWK-Technologie setzt genau an dieser Stelle an und macht die Wärme nutzbar. Wie das in der Praxis aussieht, lesen Sie in unserem Beitrag Heizen mit Serverabwärme.

Die Wärmewende im eigenen Keller 

Die Wärmewende ist mehr als ein politisches Ziel zur Rettung des Planeten. Denn sie lohnt sich für jeden Einzelnen, der daran teilnimmt. So kann der Austausch einer alten Gas- oder Ölheizung allein über zehn Prozent an Heizkosten einsparen. Die moderne Brennwerttechnik arbeitet deutlich sparsamer. Die Geräte verbrauchen weniger und schonen neben der Umwelt auch das Portemonnaie ihrer Besitzer. Sinnvoll sind auch viele kleine Arbeiten, wie das Dämmen der Heizungsrohre in unbeheizten Kellern oder der hydraulische Abgleich. Mit einem größeren Budget lässt sich auch eine alte Heizung mit einer Wärmepumpe, einer Holzheizung oder Solartechnik ergänzen. Die klimafreundlichen Heizungen arbeiten regenerativ und günstig. Die Solarthermie läuft darüber hinaus sogar nahezu grenzkostenfrei. Das heißt: Es fallen keine Brennstoffkosten für die erzeugte Wärme an. Jede Kilowattstunde aus einer Solaranlage ist kostenfrei.

Einen Energieberater zurate ziehen 

Auch wenn die Wärmewende mit vielen Vorteilen verbunden ist. Viele Hausbesitzer wissen nicht, wo die größten Einsparpotenziale schlummern. Für Klarheit sorgen hier Energieberater. Sie nehmen das eigene Haus einmal genau unter die Lupe und zeigen, wo Handlungsbedarf entsteht. Hausbesitzer investieren ihr Geld somit nicht in falsche Maßnahmen und profitieren von wertvollen Synergieeffekten. Zur Auswahl steht dabei die ganzheitliche Energieberatung, die der Staat heute zu 60 Prozent zahlt (maximal 800 Euro im Ein- und Zweifamilienhaus). Ist das zu teuer, bietet auch die Verbraucherzentrale-Energieberatung Vor-Ort-Checks an. Diese beziehen sich meist auf einen Teilbereich des Gebäudes (Fassade, Heizung) und kosten dank staatlicher Förderung gerade einmal 30 Euro.

Staatliche Fördermittel für die Wärmewende in Anspruch nehmen

Ganz gleich, für welche Heizung oder welche Maßnahme Hausbesitzer wählen: In den meisten Fällen bekommen sie dafür hohe Fördermittel. So gibt es zum Beispiel Zuschüsse oder Darlehen für Optimierungsarbeiten an bestehenden Heizungsanlagen (KfW-Programm 430; KfW-Programm 152). Wer sich für eine Wärmepumpe, eine Holzheizung oder eine Solaranlage entscheidet, bekommt hingegen hohe Zuschüsse über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Wichtig zu wissen: Es gibt auch Förderung für eine Heizungsoptimierung. Darunter fallen zum Beispiel Maßnahmen wie der hydraulische Abgleich oder der Austausch alter Heizungspumpen.

Heizung.de Autor Philipp Hermann
Fazit von Philipp Hermann
Keine Energiewende ohne Wärmewende: Ohne effizienteres Heizen bleiben die Zielsetzungen der Bundesregierung in weiter Ferne. Denn Heizung und Warmwasser nehmen über 50 Prozent des Energieverbrauchs in Anspruch. Die Wärmewende rettet aber nicht nur den Planeten. Sie schont auch das eigene Portemonnaie. So lassen sich die Heizkosten schon mit vielen kleinen Maßnahmen spürbar senken. Viele werden dabei vom Staat sogar gefördert. 
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