Niedertemperaturkessel und Konstanttemperaturkessel - heute noch erlaubt?

Niedertemperaturkessel wurden in Deutschland seit Mitte der 80er Jahre installiert. Sie können mit Öl oder Gas betrieben werden und lösten damals die besonders ineffizienten Konstanttemperaturkessel ab. Diese waren verantwortlich für zu hohe Heizkosten und belasteten die Umwelt stärker als nötig. Was Niedertemperaturkessel sind, wie man sie von Konstanttemperatur- und Brennwertgeräten unterscheiden kann und ob die Technik heute noch betrieben werden darf, erklären wir in den folgenden Abschnitten.

Unterschiede des Niedertemperaturkessels

Geht es um Gas- oder Ölheizungen, unterscheidet man heute vor allem drei Typen. Diese sind:

  • Konstanttemperaturkessel oder Standardkessel
  • Niedertemperaturkessel oder NT-Kessel
  • Brennwertkessel
Alter Niedertemperaturkessel in Nahaufnahme

Woran erkennt man einen Konstanttemperaturkessel?

Konstanttemperaturkessel zählen zu den ältesten in Deutschland verwendeten Gas- und Ölheizungen. Sie wurden bis zur Mitte der 80er Jahre installiert und sind vor allem durch dauerhaft hohe Systemtemperaturen gekennzeichnet. Diese liegen bei 70 bis 90 Grad Celsius und ändern sich auch dann nicht, wenn die Wärmeanforderung im Gebäude – zum Beispiel durch hohe solare Gewinne – sinkt. Die Folge: Der Kessel arbeitet ineffizient und hat durch die hohen Temperaturen und den großen Wasserinhalt auch immense Bereitschaftswärmeverluste. Die Heizgeräte nutzten etwa 68 Prozent der Energie eines Brennstoffs und eignen sich heute nicht mehr.

Erkennbar ist ein Konstantheizkessel für Öl oder Gas zum Beispiel daran, dass seine Temperatur im Betrieb dauerhaft hoch ist. Er hat außerdem weder einen Außentemperatursensor noch eine Einstellmöglichkeit für die Nachtabsenkung.

Woran erkennt man einen Niedertemperaturkessel?

Niedertemperaturkessel gelten als Nachfolger der Standardkessel und wurden seit den 80 Jahren eingesetzt. Von ihren Vorgängern unterscheiden sie sich vor allem dadurch, dass sie auch mit Temperaturen von bis zu 35 Grad Celsius arbeiten können. Möglich wird das, durch den Einsatz spezieller Materialien, die auch mit anfallendem Kondenswasser keine Probleme haben. Niedertemperaturkessel passen ihre Leistung außerdem an den schwankenden Wärmebedarf im Haus an und arbeiten so deutlich effizienter. Richtig eingestellt können die Geräte bis zu 87 Prozent der Energie eines Brennstoffs zum Heizen nutzbar machen.

Im Vergleich zur modernen Brennwerttechnik haben Niedertemperaturkessel hohe Abgastemperaturen. Erkennbar sind sie in der Regel daran, dass sie über ein metallisches Abgasrohr an den Schornstein angeschlossen sind. Sie haben einen Außentemperaturfühler wie auch eine Zeitschaltuhr, jedoch keinen Anschluss an das Abwassernetz.

Woran erkennt man einen Brennwertkessel?

Brennwertheizgeräte sind Niedertemperaturkesseln besonders ähnlich. Denn auch sie kommen mit niedrigen Systemtemperaturen aus und können ihre Leistung an den Bedarf im Haus anpassen. Anders als Niedertemperaturkessel gewinnen sie aber auch die im Abgas gespeicherte Wärme. Möglich wird das, wenn die Rücklauftemperatur des Heizsystems unter 55 Grad Celsius liegt. Das heißt: Soll ein Brennwertkessel besonders effizient genutzt werden, muss auch das übrige Heizsystem dazu passen. Werden alle Voraussetzungen erfüllt, kann ein Brennwertkessel bis zu 98 Prozent der im Brennstoff gespeicherten Energie zu Heizzwecken nutzen.

Da die Geräte mit besonders niedrigen Abgastemperaturen arbeiten, ist ein Kunststoff-Abgassystem ein deutliches Kennzeichen. Neben schwankenden Betriebstemperaturen und der Möglichkeit eine Absenkzeit einzustellen, erkennt man sie aber auch an einem Anschluss an das Abwassersystem. Denn über diesen wird aus dem Abgas gewonnenes Kondensat abgeführt.

Welche Heiztechnik ist heute noch erlaubt?

Geht es um die Frage, welche Heizgeräte heute noch erlaubt sind, muss man erst einmal zwischen neu zu installierenden und in Betrieb befindlichen Geräten unterscheiden. Denn mit der aktuell gültigen Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) fordert der Gesetzgeber den Austausch von Kesseln, die älter als 30 Jahre sind. Da Niedertemperaturkessel und Brennwertheizungen davon ausgenommen sind, betrifft das ausschließlich Konstanttemperaturkessel bzw. Standardkessel.

Ausgenommen von der Verordnung sind außerdem:

  • Geräte mit einer Leistung von weniger als vier oder mehr als 400 Kilowatt Leistung
  • Heizgeräte, die ausschließlich zur Warmwasserbereitung eingesetzt werden
  • Küchenherde oder Geräte, zur Beheizung ihrer Aufstellräume
  • Hausbesitzer, die ihr Haus bereits vor Februar 2002 selbst bewohnt haben.

Während die Nachrüstpflichten der EnEV nur bestehende Heizungen betreffen, wirkt sich die im September 2015 erlassene Ökodesign-Richtlinie auch auf neue Konstant- und Niedertemperaturkessel aus. Während NT-Heizungen zwar noch verkauft und installiert werden dürfen, ist die Herstellung von Geräten verboten, sofern sie nicht besonders hohe Anforderungen an Effizienz, Lärm- und Schadstoffemissionen einhalten.

Planen Hausbesitzer die Installation einer neuen Gas-Heizung, empfehlen sich vor allem Brennwertgeräte. Denn diese sind nicht wesentlich teurer als Niedertemperaturkessel und arbeiten in der Regel sparsamer. Ein besonderer Vorteil: Im Vergleich zu Niedertemperaturkesseln werden neue Brennwertgeräte von der Kreditbank für Wiederaufbau (KfW) gefördert.

Heizung.de Autor Alexander Rosenkranz

Fazit von Alexander Rosenkranz

Geht es um die Arten eine Gas- oder Ölheizung, unterscheidet man vor allem Niedertemperaturkessel, Konstanttemperatur- und Brennwertgeräte. Während Niedertemperaturkessel zwar noch betrieben und verkauft werden dürfen, empfiehlt sich meist eine Brennwertheizung. Die ist deutlich effizienter, sorgt für niedrige Heizkosten und wird darüber hinaus sogar gefördert.

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