Luftwechsel der Wohnraumlüftung einstellen

Wer sich für eine Lüftungsanlage entscheidet, profitiert von hohem Komfort. Damit das möglich ist, müssen Experten die Wohnraumlüftung einstellen. Auf diese Weise gewährleisten sie einen Luftwechsel, bei dem es weder zu Zugerscheinungen noch zu einer Unterversorgung einzelner Räume kommt. Wie groß die jeweiligen Volumenströme sein sollten und worauf es beim Einregulieren ankommt, erklärt der folgende Beitrag. 

Wenn Sie die Wohnraumlüftung nicht einstellen - Folgen

Lüftungsanlagen saugen verbrauchte Luft aus dem Haus und bringen frische von außen ein. Wenn Hausbesitzer die Wohnraumlüftung einstellen lassen, funktioniert das ohne Komplikationen und der Wohnkomfort ist hoch. Wurde die Technik nach der Installation jedoch nicht einreguliert oder zwischenzeitlich verstellt, droht die Behaglichkeit zu kippen. Denn dann kann in einigen Räumen zu viel und in anderen zu wenig Luft einströmen. Während ein zu hoher Luftvolumenstrom Zugerscheinungen und Strömungsgeräusche hervorrufen kann, ist der Luftwechsel in Räumen mit zu kleinem Volumenstrom ungenügend. Schadstoffe, Gerüche oder die Feuchtigkeit in der Luft lassen sich dann unter Umständen nicht mehr richtig regulieren.

Dass Hausbesitzer ihre Wohnraumlüftung einstellen lassen müssen, erkennen sie unter anderem daran, dass:

  • es in einzelnen Räumen zieht
  • die Lüftung Geräusche von sich gibt
  • einige Räume schlecht belüftet sind
Komponenten zum Wohnraumlüftung Einstellen
© ronstik | Fotolia

Wohnraumlüftung: Den Luftwechsel selbst bestimmen

Möchten Experten die Wohnraumlüftung einstellen, müssen sie zunächst die passenden Volumenströme ermitteln; also einen entsprechenden Luftwechsel. Auf diese Weise können sie sicherstellen, dass immer genügend Sauerstoff ins Haus gelangt und die vorhandenen Schadstoffe ausreichend verdünnt werden. Da jedes Zimmer einen anderen Luftbedarf hat, erfolgt die Berechnung in der Regel raumweise. Neben einfachen Luftwechselzahlen oder überschlägigen Personenwerten kann ein Installateur den Luftvolumenstrom dabei auch individuell berechnen. 

Was ist unter dem Luftwechsel zu verstehen?

Dieser beschreibt, wie viel Luft aus einem Raum oder Haus stündlich durch frische ersetzt wird und hat die Maßeinheit „1/h“. Bei einer Luftwechselrate von 0,5 1/h tauscht eine zentrale oder dezentrale Wohnraumlüftung dabei die Hälfte der Luft in einem Raum in einer Stunde aus. Ein Wohnzimmer mit einer Fläche von 20 Quadratmetern und einer Raumhöhe von 2,5 Metern hätte dabei einen Luftvolumenstrom von 25 Kubikmeter pro Stunde.

Individuelle Berechnung nach vorhandenen Lasten

Stellen Hausbesitzer besonders hohe Anforderungen an die Raumluft, kann eine individuelle Berechnung der Volumenströme nötig sein. Dabei untersucht ein Experte, wie viel Luft nötig ist, um Schadstoffe, Gerüche oder die Luftfeuchtigkeit zu regulieren. Typisch ist die individuelle Berechnung auch dann, wenn Fachmänner eine Wohnraumlüftung einstellen möchten, die mit einer Heiz- oder Kühlfunktion ausgestattet ist.

Zusammengefasst spielen folgende Einflussgrößen eine Rolle:

  • Heizlast
  • Kühllast
  • Feuchtelast
  • Sauerstoffgehalt
  • Schadstoffbelastung
  • auftretende Gerüche

Erfahrungswerte und Luftwechselzahlen verwenden

Deutlich einfacher lassen sich die Luftvolumenströme hingegen mit sogenannten Luftwechselzahlen ermitteln. Diese geben an, wie oft die Luft eines Raumes stündlich zu ersetzen ist, um optimale Bedingungen zu gewährleisten. Die Werte beruhen dabei auf Berechnungen sowie Erfahrungen und sind jeweils mit dem Raumvolumen zu multiplizieren. Wer eine Wohnraumlüftung einstellen möchte, kann sich dabei an folgenden Richtewerten orientieren:

  • Bäder im privaten Bereich: 4- bis 5-facher Luftwechsel
  • Küchen im privaten Bereich: 15- bis 25-facher Luftwechsel
  • Wohnräume im eigenen Haus: 3- bis 6-facher Luftwechsel

Die resultierenden Luftvolumenströme sind dabei jedoch nicht ständig, sondern nur bei der Raumnutzung zu gewährleisten. 

Personenwerte zum Einstellen der Wohnraumlüftung

Abhängig von der Aktivität der Personen in einem Raum, können Experten auf personenbezogene Außenluftraten zurückgreifen, wenn sie die Wohnraumlüftung einstellen. Diese Werte geben an, wie hoch der Volumenstrom für eine Person sein muss, um die gewünschte Luftqualität zu gewährleisten. Die Einheit ist in diesem Falle: Kubikmeter pro Stunde und Person (m³/h x Person). Zur Berechnung des benötigten Volumenstroms sind die Personenwerte einfach mit der Anzahl der Personen in Haus oder Wohnung zu multiplizieren. In einem Drei-Personen-Haushalt und einem Wert von 30 Kubikmetern pro Stunde und Person muss die Anlage also 120 Kubikmeter pro Stunde leisten.

Typische Außenluftraten sind etwa:

  • 70 Kubikmeter pro Stunde und Person für sehr hohe Luftqualität
  • 30 bis 40 Kubikmeter pro Stunde und Person für normale Luftqualität
  • 20 Kubikmeter pro Stunde und Person als Mindestaußenluftrate

Wohnraumlüftung einstellen direkt bei der Montage

Genau wie eine Heizung, besteht auch eine zentrale Lüftungsanlage aus einem weitverzweigten System. Damit jeder Raum den passenden Luftwechsel erhält, müssen Experten eine Kanalnetzberechnung durchführen, bevor sie die Wohnraumlüftung einstellen.

Kanalnetzberechnung der Lüftungsanlage

Mit der Kanalnetzberechnung lässt sich das Luftverteilsystem der Anlage planen. Dabei kommt es darauf an, die Luft ohne hohe Druckverluste und Strömungsgeräusche vom Lüftungsgerät zu den Räumen und wieder zurück zu führen. Da die Luft von allein den Weg des geringsten Widerstandes wählt, muss dieser auf allen Wegen gleich sein. Möglich ist das durch den Einbau spezieller Volumenstromregler.

Die Luftdurchlässe der Wohnraumlüftung einstellen

Bei der Inbetriebnahme der Lüftungsanlagen müssen Experten dann alle Luftdurchlässe im Haus auf die vorher ermittelten Werte einstellen. Möglich ist das mit einem sogenannten Luftstrommessgerät. Das trichterförmige Gerät wird dabei unter die Durchlässe der Lüftung gehalten. Es stellt fest, wie viel Luft hinein oder hinausströmt und hilft, die vorher ermittelte Einstellung zu finden.

Heizung.de Autor Alexander Rosenkranz

Fazit von Alexander Rosenkranz

Eine Lüftungsanlage sorgt für einen hohen Komfort im eigenen Haus. Denn sie versorgt die Bewohner mit Sauerstoff und gleicht anfallende Lasten zuverlässig aus. Damit das richtig funktioniert, muss ein Experte die Wohnraumlüftung einstellen. Neben der Ermittlung der passenden Luftvolumenströme legt er dabei auch das Luftverteilsystem aus. Nach dem Einbau reguliert er die Volumenströme dann an allen Luftdurchlässen ein.

Beratung durch Ihren Heizungsinstallateur vor Ort

Sie benötigen eine individuelle Beratung oder ein Angebot für Ihre neue Heizung?

news-icon

Neueste Artikel

Vom 19. Oktober 2018

Ein Systemtrenner der Heizung verhindert, dass Heizungswasser in das Trinkwassernetz zurückfließt. Wir erklären, warum das nötig ist, wie die Armaturen funktionieren und wann sie zum Einsatz kommen. weiterlesen

Vom 18. Oktober 2018

Ein Sicherheitsventil der Heizung lässt bei hohen Druckwerten Heizungswasser abfließen, um die Anlage vor Schäden zu bewahren. Wir erklären, wie das funktioniert und worauf es dabei ankommt. weiterlesen

Vom 16. Oktober 2018

Wer die alte Pumpe seiner Heizungsanlage austauschen möchte, hat heute viele Geräte zur Auswahl. Stiftung Warentest hat 14 davon intensiv untersucht und verglichen. Das Ergebnis ist überraschend. weiterlesen

Vom 15. Oktober 2018

Lesen Sie in diesem Text, warum die drei Fragen “Was ist eine Heizung?”, “Was bedeutet Heizen?” und “Welche Heizung habe ich?” berechtigt sind und wie die dazugehörigen Antworten lauten. weiterlesen

News article img

Artikelbewertung