KfW 55 Haus: Anforderungen und Förderung

Das KfW Effizienzhaus 55 (ehemals KfW 55 Haus) ist ein Gebäude mit sehr hohem energetischem Standard. Es benötigt nur sehr wenig Energie und wird mit der Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes zum Neubaustandard in Deutschland. Während der Staat den Neubau von KfW 55 Häusern lange Zeit förderte, gibt es finanzielle Unterstützung heute nur noch im Sanierungsbereich und für Betroffene des Hochwassers 2021. Wir zeigen, was ein KfW Effizienzhaus 55 auszeichnet und wie die Förderung 2022 ausfällt.

Wichtiger Hinweis: Unsere Beiträge zum Thema Förderung befinden sich aufgrund einer kurzfristigen Reform der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) derzeit in Überarbeitung. Die folgenden Angaben bilden den Stand der Förderbedingungen vor dem 28.07.2022 ab. Einen aktuellen Überblick geben wir im Beitrag zur Förderung der Heizung.

KfW 55 Haus: Definition des Energiestandards

Das KfW Effizienzhaus 55 ist ein Gebäude mit besonders niedrigem Energieverbrauch. Es wird voraussichtlich noch 2022 zum Neubaustandard in Deutschland und ist im Sanierungsbereich mit einer attraktiven Förderung verbunden. Bis zur Neuregelung des Gebäudeenergiegesetzes misst sich die Effizienzhaus-Stufe am aktuellen Neubaustandard – dem Referenzgebäude nach Gebäudeenergiegesetz (GEG vom 08.08.2020), vormals Energieeinsparverordnung (EnEV). Im Vergleich zu diesem ist das KfW 55 Haus um 45 Prozent sparsamer. Es benötigt nur 55 Prozent der Energie eines GEG-Neubaus.

KfW definiert weitere Effizienzhaus-Standards 

Seit Einführung der Bundesförderung für effiziente Gebäude für Wohngebäude (BEG WG) zum 01. Juli 2021 haben sich die Konditionen noch einmal verbessert. Dies wurde auch sprachlich zusätzlich betont. Seitdem läuft der Gebäudestandard unter dem Namen "Effizienzhaus". 

Dabei definiert die KfW neben dem KfW 55 Haus auch weitere Bau- und Sanierungsstandards. Die Ziffer am Ende der Bezeichnung steht dabei immer für den Energieverbrauch im Vergleich zum GEG-Referenzgebäude. So benötigt ein:

  • KfW Effizienzhaus 100 genau so viel Energie, wie ein GEG-Neubau
  • KfW Effizienzhaus 85 nur 85 Prozent der Energie eines GEG-Neubaus
  • KfW Effizienzhaus 70 nur 70 Prozent der Energie eines GEG-Neubaus
  • KfW Effizienzhaus 55 nur 55 Prozent der Energie eines GEG-Neubaus
  • KfW Effizienzhaus 40 nur 40 Prozent der Energie eines GEG-Neubaus

Geht es um eine Sanierung, vergibt die KfW-Fördermittel für die Effizienzhaus-Standards Denkmal, 100, 85, 70, 55 und 40. Für einen Neubau gab es Fördermittel für die Effizienzhaus-Stufen 55 und 40. Während die EH-55-Förderung für neue Gebäude inzwischen komplett gestrichen wurde, ist die EH-40-Förderung für Neubauten aktuell nicht verfügbar. Hier plant der Staat eine Neuausrichtung des Programms, die sich unter anderem stärker an den möglichen CO2-Einsparungen orientieren soll. Nach Aussagen von Wirtschaftsminister Habeck soll die EH-40-Förderung im Neubau mit geringeren Fördersätzen und gedeckelt auf eine Milliarde Euro bis zum Jahresende weiterhin verfügbar sein. Eine Antragstellung ist voraussichtlich März/April 2022 wieder möglich.  

Neubau-Förderung: Ausnahme für Betroffene des Hochwassers 2021

Müssen Gebäude aufgrund von Hochwasserschäden aus dem Jahr 2021 saniert oder neu errichtet werden, können Bauherren die Effizienzhaus-55-Förderung im Neubau weiterhin in Anspruch nehmen. Die Ausnahme betrifft auch die Stufen 55-EE sowie 55 NH und gilt bis einschließlich 30. Juni 2022. 

Neue Gebäudestandards verändern die Förderung für Wohngebäude

Die neue Bundesregierung steckt die Energiesparziele deutlich höher und passt die Anforderungen an Neu- sowie Bestandsgebäude daher in Kürze an. Geplant ist eine Überarbeitung des Gebäudeenergiegesetzes, die sich auch auf die gültigen Effizienzhaus-Stufen auswirken wird. Während das Effizienzhaus 55 noch 2022 zum Standard im Neubau werden soll, gilt für grundlegende Um- und Ausbauten ab 2025 voraussichtlich die aktuelle Effizienzhaus 70 Stufe als Standard. 

Beste Bewertung für ein KfW 55 Haus
© Rido – stock.adobe.com

Anforderungen an ein KfW Effizienzhaus 55 

Das KfW 55 Haus ist mit hohen Anforderungen verbunden. Diese beziehen sich im Neubau genau wie bei einer Sanierung auf den Primärenergiebedarf und den Transmissionswärmeverlust.

KfW 55: Anforderungen an den Primärenergiebedarf 

Der Primärenergiebedarf gibt an, wie viel Energie ein Gebäude benötigt. Neben den Verlusten, die am Haus oder an der Heizung entstehen, berücksichtigt der Wert dabei auch den Energieaufwand für die Förderung, die Aufbereitung und den Transport der Brennstoffe.

  • Für ein KfW Effizienzhaus 55 muss der Primärenergiebedarf 45 Prozent unter dem eines GEG-Neubaus (Referenzgebäude nach GEG vom 08.08.2020) liegen.

Um den Kennwert zu ermitteln, multiplizieren Experten den Endenergiebedarf eines Gebäudes mit einem spezifischen Faktor. Letzterer ist von den eingesetzten Energieträgern abhängig und besser, wenn es um regenerative Energien geht. Die Vorgaben lassen sich also mit einem guten Dämmstandard (geringer Energiebedarf) und einer Umweltheizung erreichen.

KfW 55: Anforderungen an den Transmissionswärmeverlust 

Darüber hinaus gibt es für ein KfW 55 Haus auch hohe Anforderungen an den Transmissionswärmeverlust. Der Wert beschreibt, wie viel Wärme über die Hüllflächen eines Gebäudes verloren geht.

  • Für ein KfW-Effizienzhaus 55 muss der Transmissionswärmeverlust 30 Prozent unter dem eines GEG-Neubaus (Referenzgebäude nach GEG vom 08.08.2020) liegen.

Erreichen lassen sich die Anforderungen nur mit einer guten Wärmedämmung. Neben energiesparenden Fenstern kommt es dabei auf eine effiziente Dach- und Außendämmung an.

Beispiele für ein typisches KfW Effizienzhaus 55 

Ein KfW 55 Haus lässt sich am besten mit einer effizienten Wärmedämmung und einer regenerativen Heizung erreichen. Geht es um die Heizung, eignet sich dabei zum Beispiel:

Hinzu kommen Fenster mit Wärmeschutzverglasung, eine Außenwanddämmung von etwa 18 Zentimetern und eine Dachdämmung von etwa 24 Zentimetern. Geht es um einen Neubau, rechnen Experten für ein KfW 55 Haus mit Kosten pro qm von 1.600 bis 1.700 Euro. Abhängig von den persönlichen Wünschen können die Ausgaben in der Praxis jedoch höher oder niedriger ausfallen. Bei einer Sanierung zum KfW 55 Haus lassen sich die Kosten pro qm nicht pauschal angeben. Denn diese hängen hier sehr stark vom energetischen Zustand vor der Sanierung zum KfW Effizienzhaus 55 ab.

Energieberater unterstützen bei Planung und Umsetzung

Wer sich für ein effizientes Gebäude interessiert, sollte auch einen unabhängigen Energieberater in die Planung einbeziehen. Die Experten stellen Maßnahmen zusammen, mit denen sich die KfW 55 Anforderungen wirtschaftlich erreichen lassen. Sie begleiten den Planungsprozess und stellen sicher, dass bei der Ausführung keine Fehler passieren. Energieberater sind außerdem nötig, um die Förderung für KfW Effizienzhaus 55 zu beantragen.

KfW 55: Förderung für effiziente Gebäude  

Wer ein Haus zum Effizienzstandard 55 der KfW saniert, bekommt dafür hohe Fördermittel vom Staat. So gibt es:

  • einmalige Zuschüsse im Rahmen des KfW-Programms 461 in Höhe von bis zu 75.000 Euro je Wohneinheit
  • zinsgünstige Darlehen mit Tilgungszuschuss in Höhe von 40 Prozent im Rahmen des Programms 261/262 von bis zu 120.000 Euro je Wohneinheit

Mit der Umsetzung der Bundesförderung für Wohngebäude sind zusätzliche Klassen hinzugekommen: Erneuerbare-Energien-Klasse und Nachhaltigkeits-Klasse. Wer einen Großteil des Wärmebedarfs regenerativ deckt (EE-Paket) oder nachhaltig saniert (NH-Paket), bekommt 5 Prozent Extraförderung bei der Sanierung. Außerdem steigen die anrechenbaren Kosten auf 150.000 Euro.

Wichtig: Achten Sie darauf, die Mittel vor dem Beginn der Maßnahme zusammen mit einem Energieberater zu beantragen. Während das bei Darlehen über die Hausbank funktioniert, können Sanierer Zuschuss-Anträge direkt online über das Zuschuss-Portal der KfW stellen.

Sofortiger Förderstopp: Regierung streicht Fördermittel 

Zum 24.01.2022 strich die neue Bundesregierung mit sofortiger Wirkung die Förderung für den Bau von KfW 55 Häusern, die ohnehin Ende Januar 2022 auslaufen sollte. Außerdem sind alle KfW-Mittel (Zuschüsse und Darlehen) für den energieeffizienten Neubau, die energieeffiziente Sanierung und Einzelmaßnahmen im Bestand pausiert. Während die Sanierungsförderung in kürzer weiterlaufen soll, sind im Bereich der Neubauförderung grundlegende Änderungen zu erwarten. BAFA-Zuschüsse, die es im Rahmen der BEG-Förderung für Einzelmaßnahmen gibt, sind nach wie vor ohne Einschränkungen gültig.

Update vom 22.02.2022:

Sanierer und betroffene des Hochwassers 2021 können BEG-Fördermittel aus dem Programmteil Wohngebäude wieder beantragen. Vor dem Förderstopp eingegangen Anträge werden weiter bearbeitet. Während sich Bedingungen und Konditionen im Sanierungsbereich nicht geändert haben, stehen Mittel für den Bau oder den Kauf eines neuen KfW-55-Hauses seit 23. Januar nicht mehr zur Verfügung. Eine Ausnahme gilt für betroffene des Hochwassers 2021, die EH-55-Fördermittel (auch in Verbindung mit EE- und NH-Klasse) noch bis 30. Juni 2022 beantragen können. 

Update vom 01.02.2022:

Inzwischen haben die zuständigen Ministerien eine vorläufige Einigung gefunden. Alle Anträge, die bis zum 23. Januar 2022 bei der KfW eingegangen sind, werden demnach wie bisher behandelt. Antragsteller haben damit gute Aussichten auf eine Förderung, sofern sie die technischen Vorgaben erfüllen. Das Wichtigste im Überblick:

  • Bis zum 23. Januar 2022 gelten die bisherigen Bedingungen ohne Förderstopp.
  • Seit 24. Januar 2022 gibt es die KfW-55-Förderung im Neubau nicht mehr.
  • Die KfW-40-Förderung bleibt 2022 für Neubauten bestehen, allerdings mit geringeren Fördersummen.
  • Die Sanierungsförderung zum KfW-55-Haus gibt es mit geänderten Konditionen weiterhin.

Wie die geänderten Konditionen und Vorgaben aussehen, bleibt aktuell noch abzuwarten. Experten erwarten entsprechende Informationen in den nächsten Wochen.


Heizung.de Autor Alexander Rosenkranz
Fazit von Alexander Rosenkranz
Das KfW Effizienzhaus 55 ist ein besonders effizientes Gebäude. Es benötigt nur 55 Prozent der Energie eines Neubaus nach GEG und soll künftig selbst zum Neubaustandard werden. Wer sich für die Sanierung zum KfW 55 Haus entscheidet, bekommt hohe Fördermittel von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). 
Beratung durch Ihren Heizungsinstallateur vor Ort

Sie benötigen eine individuelle Beratung oder ein Angebot für Ihre neue Heizung?

news-icon
Neueste Artikel
news-icon
Artikelbewertung