KfW 40: Effizienzhaus mit höchsten Anforderungen

Das Effizienzhaus 40 (früher KfW-Effizienzhaus 40 oder KfW-40-Haus) beschreibt einen besonders energiesparenden Bau- und Sanierungsstandard. Die Gebäude verlieren kaum Wärme und decken den geringen Bedarf höchst effizient. Sie sollen bis 2025 den gesetzlichen Neubaustandard in Deutschland darstellen und werden bis dahin attraktiv gefördert. Planung und Ausführung eines KfW-40-Hauses sind allerdings mit hohen Anforderungen verbunden. 

Wichtiger Hinweis: Unsere Beiträge zum Thema Förderung befinden sich aufgrund einer kurzfristigen Reform der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) derzeit in Überarbeitung. Die folgenden Angaben bilden den Stand der Förderbedingungen vor dem 28.07.2022 ab. Einen aktuellen Überblick geben wir im Beitrag zur Förderung der Heizung.

Effizienzhaus 40 und Effizienzhaus 40 Plus: Die Anforderungen 

Das KfW-Effizienzhaus ist ein technischer Standard für Gebäude, der von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) eingeführt wurde. Die staatliche Förderbank legt damit Kriterien an die Energieeffizienz von neuen und sanierten Gebäuden fest. Wer diese erreicht, erhält attraktive Fördermittel. Diese gibt es zum Beispiel in Form von Zuschüssen oder Darlehen mit Tilgungszuschüssen für die energetische Sanierung und den effizienten Neubau (KfW Programm 261 und 461 – ehemals die Programme 430 und 151). Erklärt die neue Bundesregierung die Effizienzhaus-40-Stufe bis 2025 zum Neubaustandard, dürften die Fördermittel zumindest im Neubau über kurz oder lang wegfallen.

Wichtig: Mit der Umstrukturierung der Fördermittel Juli 2021 bei der KfW wurden die förderfähigen Gebäude von KfW-Effizienzhaus in Effizienzhaus umbenannt.

Kennziffer steht für die Energieeffizienz eines Gebäudes

Der Baustandard „KfW-Effizienzhaus“ bzw. seit Juli 2021 "Effizienzhaus" ist immer um eine Kennziffer ergänzt, in diesem Fall die „40“. Der Wert gibt an, wie effizient ein Gebäude im Vergleich zu einem Neubau nach Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist. Einfach ausgedrückt heißt das: Der Primärenergiebedarf eines Effizienz-40-Hauses liegt bei 40 Prozent eines Neubaus – es ist also um 60 Prozent besser. Gleichzeitig muss der Transmissionswärmeverlust den GEG-Neubau-Grenzwert um mindestens 55 Prozent übertreffen. Wer sich für ein sogenanntes Effizienzhaus-40-Plus entscheidet (Förderung nur im Neubau) muss zusätzlich Anforderungen an die Gebäudetechnik erfüllen. Die folgende Tabelle zeigt die Anforderungen im Überblick.

KennwertGrenzwert
Primärenergiebedarf
(Energiebedarfskennwert, der auch Verluste bei der Förderung, der Aufbereitung und dem Transport der benötigten Energieträger berücksichtigt; vom Wärmebedarf und den eingesetzten Energieträgern abhängig)
40 Prozent vom Grenzwert für einen Neubau nach GEG vom 08.08.2020
Transmissionswärmeverlust
(Wärmeverlust über die Hüllflächen eines Gebäudes; von den U-Werten und der Konstruktion abhängig)
55 Prozent vom Grenzwert für einen Neubau nach GEG vom 08.08.2020
Weitere Anforderungen
  • kein Wärmeerzeuger auf Basis von Heizöl (Ölbrennwertheizung); gilt auch für Hybridlösungen mit erneuerbaren Energien oder Fernwärmenetzen
  • hydraulischer Abgleich ist Pflicht
  • Bestimmung der Luftdichtheit der Gebäudehülle (Blower-Door-Test)
  • mit mechanischen Lüftungsanlagen darf die Luftwechselrate (n50) einen Wert von 1,5 1/h nicht überschreiten
Weitere Anforderungen für ein Effizienzhaus 40 Plus 
Förderung nur im Neubau
  • Abdecken des Wärme- und Kälteenergiebedarfs zu mindestens 55 Prozent mit erneuerbaren Energien 
  • Photovoltaik- oder Windkraftanlage
  • Stromspeicher 
  • Lüftung mit Wärmerückgewinnung
  • Visualisierung des Strom- und Wärmeverbrauchs

Um die hohe KfW-40-Förderung oder finanzielle Unterstützung für ein KfW 40 Plus-Energiehaus zu erhalten, ist außerdem ein Energieberater Pflicht. Der Experte verfügt über komplexes Fachwissen und kann Fehler bei der Bauausführung verhindern. Die Kosten für eine komplette Baubegleitung übernimmt die Bundesförderung für effiziente Gebäude zu maximal 50 Prozent.

KfW 40 Haus ist umwelt- und klimafreundlich
© Julia Zavalishina / Shutterstock.com

KfW 40 Plus Energiehaus: Das Optimum an Energieeffizienz 

Noch energiesparender als das Effizienzhaus 40 ist der Effizienzhaus 40 Plus Standard. Die Gebäude müssen dazu erst einmal die gleichen Anforderungen an Primärenergiebedarf und Transmissionswärmeverlust erfüllen. Hinzu kommt ein sogenanntes Plus-Paket. Dieses beinhaltet die Installation:

  • Erfüllung der Anforderungen an eine EE-Klasse nach BEG (Deckung des Wärme- und Kälteenergiebedarfs zu mindestens 55 Prozent mit regenerativen Energien=
  • einer stromerzeugenden Anlage auf Basis erneuerbarer Energien (Photovoltaik-, KWK- oder Windkraftanlagen mit einem Ertrag von mindestens 500 Kilowattstunden pro Jahr je Wohneinheit zuzüglich zehn Kilowattstunden pro Jahr je Quadratmeter Gebäudenutzfläche)
  • eines stationären Batteriespeichersystems (Stromspeicher mit mindestens 500 Wattstunden je Wohneinheit und zuzüglich zehn Wattstunden je Quadratmeter Gebäudenutzfläche)
  • einer mechanischen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

Außerdem muss ein Interface in jeder Wohneinheit über den Stromverbrauch und den Stromertrag des Hauses informieren, wenn Sie den Effizienzhaus 40 Plus Standard im Neubau erreichen wollen. 

Alternativen zu Effizienzhaus 40 und KfW 40 Plus Energiehaus bei der Sanierung

Das Effizienzhaus-40 und das KfW-40-Plus-Effizienzhaus stellen höchste Ansprüche an neue und zu sanierende Gebäude. Ist die Ausführung mit zu hohen Kosten verbunden, gibt es bei der Sanierung auch geringere Anforderungsstufe. Beispiele dafür sind die Effizienzhaus-Stufen 100, 85, 70 und 55. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick und informiert über die wichtigsten Anforderungen.

Effizienzhausstandard 
(Sanierung/ Neubau)
Primärenergiebedarf im
Vergleich zum Neubau 
Transmissionswärmeverlust
im Vergleich zum Neubau
Denkmal 
(Sanierung)
160 % 175 %
KfW 115 
(Achtung: mit Inkrafttreten des BEG nicht mehr verfügbar) 
115 % 130 %
KfW 100 
(Sanierung)
100 % 115 %
KfW 85 
(Sanierung)
85 % 100 %
KfW 70 
(Sanierung)
70 % 85 %
KfW 55 
(Sanierung; Neubau für Hochwasser-Opfer bis zum 30.06.2022)
55 % 70 %
KfW 40
(Sanierung; Neubau vermutlich ab März/April 2022 bis zum Ende des Jahres)
40 %55 %

Effizienzhaus-40-Förderung: Darlehen mit hohen Tilgungszuschüssen  

Die effizienten Gebäude verbrauchen nur wenig Energie. Sie schonen fossile Ressourcen und tragen zur Senkung der CO2-Emissionen bei. Aus diesem Grund fördert der Staat den Bau und die Sanierung zum Effizienzhaus 40 sowie die Errichtung neuer KfW-40-Plus-Energiehäuser über die Bundesförderung für effiziente Gebäude für Wohngebäude (BEG WG). Erhältlich sind Zuschüsse sowie Darlehen mit Teilschuldenerlass über die KfW-Programm 461 und 261. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick. 



Effizienzhaus 40

Effizienzhaus 40 – EE
Effizienzhaus 40 Plus

Effizienzhaus 40 – NH
Sanierung45 Prozent Förderung bei 120.000 Euro förderbaren Kosten pro Wohneinheit50 Prozent Förderung bei 120.000 Euro förderbaren Kosten pro Wohneinheitkeine Förderungkeine Förderung
Neubau
keine Förderung(10 Prozent Förderung bei 150.000 Euro förderbaren Kosten pro Wohneinheit)(12,5 Prozent Förderung bei 150.000 Euro förderbaren Kosten pro Wohneinheit)12,5 Prozent Förderung bei 150.000 Euro förderbaren Kosten pro Wohneinheit

Wichtig! Zum 24.01.2022 verhängte die Bundesregierung vorübergehend einen Förderstopp. Fördermittel für die Sanierung stehen seit 22. Februar 2022 wieder uneingeschränkt zur Verfügung. Die KfW-55-Förderung im Neubau entfällt. Nur noch für Opfer des Hochwassers 2021 können diese Förderung in Anspruch nehmen. Die Ausnahme gilt bis 30.06.2022. Die Neubau-Förderung für KfW-Häuser Standard 40 gibt es seit April 2022 wieder. Nachdem die erste Stufe dieser Umsetzung schnell erschöpft war, wurde eine zweite Stufe verlautbart. Demnach können Förderung für Effizienzhäuser 40 nur noch mit einem nachgewiesenen Nachhaltigkeitssiegel (NH-Klasse) gefördert werden. Die Regelung gilt bis Ende 2022. Die Mittel für das Effizienzhaus 40 EE und 40 Plus sind laut KfW erschöpft. Von einer Antragstellung wird abgeraten. Mit dem Ziel, das Effizienzhaus 40 bis 2025 zum Neubaustandard zu machen, richtet der Staat die Förderung für Effizienzhäuser in Zukunft vermutlich stärker an den CO2-Einsparpotenzialen aus.

Die Beantragung der KfW Effizienzhaus-40-Förderung bei der Hausbank

Die Beantragung erfolgt vor Baubeginn bei einem Finanzierungspartner (zum Beispiel der eigenen Hausbank). Zuvor muss ein Energieberater die Maßnahme geprüft und eine Bestätigung zum Antrag erstellt haben. Sind alle KfW-40-Anforderungen erfüllt, kann der Bau beginnen. Nach Abschluss aller Arbeiten erstellt der Energieberater dann eine Bestätigung nach der Durchführung. Die Bank prüft alle Unterlagen und schreibt den Tilgungszuschuss gut.

Wichtig zu wissen: Der Tilgungszuschuss reduziert den zurückzuzahlenden Kreditbetrag. Das Geld lässt sich nicht auf das eigene Konto auszahlen.

Vorteile und Nachteile vom KfW-Effizienzhaus 40 und KfW 40 Plus-Energiehaus

Wer sich für ein Effizienzhaus 40 oder ein Effizienzhaus 40 Plus Haus entscheidet, muss sich in Zukunft kaum um Energiepreissteigerungen sorgen. Denn die Gebäude sind so sparsam, dass sie kaum Energie verbrauchen. Sie schonen aber nicht nur das eigene Portemonnaie, sondern auch Klima und Umwelt. Nachteilig sind bei einem KfW-40- und KfW-40-Plus-Energiehaus die Kosten. Denn diese übersteigen die Ausgaben für einen konventionellen GEG-Neubau. Ein großer Kritikpunkt betrifft außerdem die hohen Anforderungen an die Bauausführung. Fehler in der luftdichten und wärmeumschließenden Hüllfläche sind später nur schwer auszugleichen. Bleiben sie unbemerkt, können sogar Feuchteschäden wie Schimmel entstehen. Ohne Lüftungsanlage müssen Besitzer eines Effizienzhauses darüber hinaus regelmäßig Stoßlüften. Die folgende Tabelle zeigt die Vor- und Nachteile der Gebäude im Vergleich.

Vorteile Nachteile
energiesparend hohe Investitionskosten
Energiepreissteigerungen wirken sich kaum aus anspruchsvolle Bauausführung
Schonung fossiler Rohstoffe ohne Lüftungsanlage ist regelmäßiges Stoßlüften besonders wichtig
geringe CO2-Ausstöße
attraktive KfW-Förderung
Heizung.de Autor Alexander Rosenkranz
Fazit von Alexander Rosenkranz
Das Effizienzhaus-40-Haus übertrifft die heutigen Neubauanforderungen an die Energieeffizienz um 60 Prozent und ist besonders energiesparend. Es macht seine Besitzer unabhängiger von Energiepreisveränderungen und schont Umwelt und Klima. Ab 2025 soll das Effizienzhaus-40 selbst zum Neubaustandard erklärt werden.  
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