Heizen im Sommer – was ist zu beachten?

In der Regel sind die Monate Juni bis September so angenehm warm, dass das Heizen im Sommer nicht nötig ist. Manchmal sinken die Temperaturen aber so unerwartet und stark, dass die Wohlfühltemperatur innerhalb der Räume ohne die Heizungsanlage nicht mehr erreicht werden kann. Wie Mieter und Vermieter in diesem Fall reagieren sollten, zeigen wir anhand eines konkreten Beispiels.

Heizen im Sommer aus Sicht einer Vermieterin

Im konkreten Fall bewohnt eine Hauseigentümerin zusammen mit ihrem Mieter ein Zwei-Parteien-Haus, welches auf einem Felsenhang gebaut ist. Die untere Etage wird als Ferienwohnung vermietet, während die Hauseigentümerin das obere Geschoss nutzt. Aufgrund des Gesteins sind das Bad und das Schlafzimmer der Ferienwohnung auch in den Sommermonaten so kühl, dass der Mieter die Vermieter gebeten hat, die Heizungsanlage anzustellen. Hierbei ist zu erwähnen, dass die Warmwasserbereitung konstant gewährleistet ist. In einem Schreiben an heizung.de fragte die Hauseigentümerin, ob das Heizen im Sommer in ihrem Fall verpflichtend ist.

Die Heizpflicht richtet sich nach der Heizperiode

Laut Mietrecht muss hierzulande niemand frieren – auch nicht im Sommer. Dementsprechend sind Vermieter verpflichtet, während und in manchen Fällen auch außerhalb der Heizperiode genügend Heizleistung bereitzustellen, um Wohnräume auf Mindesttemperaturen zu halten. Die Heizperiode ist nicht gesetzlich festgelegt und wird vertraglich zwischen Mieter und Vermieter geregelt. Ist dies nicht der Fall, wird häufig die Zeitspanne vom 1. Oktober bis zum 30. April als übliche Heizperiode angesehen.

Heizen im Sommer gehört nicht zur üblichen Heizperiode

Während der üblichen Heizperiode müssen Vermieter dafür sorgen, dass alle Wohnräume die Mindesttemperaturen erreichen. Diese betragen im Wohn- und Schlafbereich circa 20, im Bad und Durchraum circa 22 und im Flur circa 15 Grad Celsius. Diese Mindesttemperaturen müssen zwischen 6 Uhr morgens bis mindestens 23 Uhr abends jederzeit abrufbar sein. Außerhalb dieser Zeit dürfen die Raumtemperaturen diese Richtwerte um bis zu drei Grad unterschreiten. Außerhalb der üblichen Heizperiode gelten andere Richtlinien: Wenn absehbar ist, dass die Zimmertemperaturen in den folgenden zwei bis drei Tagen unter die 16 Grad-Grenze sinken werden, müssen Vermieter die Heizung unverzüglich in Betrieb nehmen. Das Heizen im Sommer fällt somit in die Phase außerhalb der Heizperiode.

Fensterkippen gehört auch zum Heizen im Sommer
© finecki | Fotolia

Warmwasserbereitung Pflicht, Heizen im Sommer in Ausnahmen

Im Fall der heizung.de-Leserin hat sie rechtlich gesehen eine Sache richtiggemacht, indem sie die Warmwasserbereitung weiterhin gewährleistet. Denn das ist auch außerhalb der üblichen Heizperiode Pflicht. Problematisch ist jedoch die Tatsache, dass die beiden Zimmer in der Ferienwohnung aus Sicht des Mieters nicht ausreichend warm sind. Um die Zuständigkeit zu ermitteln, können beide Parteien die Temperaturen in den einzelnen Zimmern messen und sie mit den Richtwerten vergleichen. Liegen sie unter der oben bereits erwähnten Grenze, liegt die Heizpflicht bei der Vermieterin. Liegen sie darüber, kann der Mieter nachhelfen und zum Beispiel einen Radiator einsetzen. Die dadurch entstehenden Zusatzkosten muss er aber selbst tragen. Mieter sind übrigens nicht verpflichtet, zu heizen. Sie müssen aber dafür sorgen, dass keine Schäden wie Schimmel an der Wohnung durch zugefrorene Heizungsrohre entstehen.

Wärmemengenzähler helfen bei der Kostenermittlung

Alternativ kann die Vermieterin das Heizen im Sommer konstant durchhalten, allerdings mit dem Einbau eines sogenannten Wärmemengenzählers. Damit kann sie genau ermitteln, wie viel zusätzliche Energie benötigt wurde, um die untere Etage zu beheizen. Die Zusatzkosten kann sie entweder auf die monatliche Miete umlegen oder gebündelt in die Jahresabrechnung miteinbeziehen.

Tipps fürs Heizen im Sommer

Wie bereits erwähnt, haben Vermieter auch im Sommer die Pflicht, die Warmwasserbereitung sicherzustellen. Damit die Heizkosten nicht unnötig hoch ausfallen, lohnt es sich, die Heizungsanlage in den sogenannten Sommerbetrieb zu versetzen. In diesem Zustand arbeitet die Umwälzpumpe nicht konstant, sondern nur bedarfsabhängig und somit stromsparender.

Die warmen Monate bieten auch eine optimale Möglichkeit, die Heizung zu modernisieren. Denn dank hoher Außentemperaturen kann das Heizen im Sommer für eine kurze Zeit eingestellt werden. Eine moderne Heizung arbeitet effizient und meist sauberer als eine ältere Anlage. Zudem winken zahlreiche Fördermittel vom Staat.

Bild unseres Autoren Minh Duc Nguyen

Fazit von Minh Duc Nguyen

Komplett auf das Heizen im Sommer dürfen Vermieter laut Gesetz nicht verzichten. Sie können jedoch die Heizung in den Sommerbetrieb versetzen, um unnötigen Stromverbrauch zu verhindern. In bestimmten Fällen lohnt sich auch der Einsatz eines Wärmemengenzählers, um die genauen Kosten einzelner Haushalte zu ermitteln.

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