ErP-Richtlinie und Energielabel für Heizungen

Mit einem Anteil von 30 Prozent haben private Haushalte einen großen Einfluss auf den Energieverbrauch in Deutschland. Sie bieten ein immenses Einsparpotential und spielen eine wichtige Rolle im Kontext der Energiewende. Mit der Ökodesign-Richtlinie hat der Gesetzgeber einen Anforderungskatalog an sogenannte energieverbrauchsrelevante Produkte (kurz ErP) geschaffen. Inwiefern dieser auch die Heizung betrifft und inwieweit er Transparenz schafft, erklären wir in den folgenden Abschnitten.

Hintergrund der Ökodesign-Richtlinie

Die Energieeffizienz, also die effiziente Nutzung von Energieträgern, bildet eine wichtige Säule der Energiewende. So haben Experten ermittelt, dass sich der Energieverbrauch in ganz Deutschland allein durch den Einsatz sparsamer Geräte um mehr als 20 Prozent senken lässt. Um die hohen Potenziale zu aktivieren, wurde die Ökodesign-Richtlinie erlassen. Sie ermöglicht es, genaue Anforderungen an energieverbrauchsrelevante Geräte (engl. Energy-related Products oder ErP) zu stellen, die dann in sogenannten Durchführungsmaßnahmen festgelegt werden.

Im Wesentlichen hat die Richtlinie konkret zwei Schwerpunkte:

  • Sie schreibt Mindestanforderungen an die Energieeffizienz vor. 
  • Sie führt eine verpflichtende Kennzeichnung für viele Produktgruppen ein - das ErP-Label.
Ökodesign-Richtlinie soll über die Effizienz energieverbrauchsrelevanter Produkte (ErP) informieren und den Energieverbrach senken.
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ErP: Energieverbrauchsrelevante Produkte

Zu den energieverbrauchsrelevanten Geräten (ErP) gehören generell all diejenigen, die EU-weit ein jährliches Verkaufsvolumen von mindestens 200.000 Stück haben. Darüber hinaus erstrecken sich die Anforderungen auch auf Geräte, deren Betrieb sich stark auf die Umwelt auswirkt oder deren Verbrauch sich mit geringen Kosten reduzieren lässt.

Beispiele dafür sind:

  • Heizkessel, Warmwasserbereiter, Lüftungsgeräte, Elektromotoren und Umlaufpumpen
  • Abwasserpumpen, Wasserpumpen, Ventilatoren
  • PCs, Drucker, Fernsehgeräte, Ladegeräte, Büro- und Straßenbeleuchtungen
  • Kühl- und Tiefkühlgeräte, Geschirrspüler, Wäschetrockner, Staubsauger
  • Set-Top-Boxen, Beleuchtungen für den Haushalt, Kaffeemaschinen
  • Fenster, Dämmstoffe, Werkzeuge, Stromkabel, Wasserhähne und Duschköpfe

Die ErP-Richtlinie in der Heizungsbranche

Seit dem Jahr 2016 wirken sich die Folgen der Richtlinie auch auf den Heizungsbereich aus. Während die Verordnung Herstellern Grenzwerte für neue Heizgeräte auferlegt, informieren kleine Aufkleber auf neuen und alten Kesseln Verbraucher über deren Effizienz.

Welche Heizgeräte fallen unter die ErP-Richtlinie?

Für neue Heizungen ist das ErP-Label grundsätzlich bereits seit dem 26. September 2015 verpflichtend. Altbestände dürfen jedoch auch nach diesem Zeitpunkt noch ohne Label verkauft werden. Seit 2017 sind die Bezirksschornsteinfeger verpflichtet, alte Anlagen nachzuetikettieren. Der Aufkleber muss gut sichtbar am Gerät angebracht und auch in Werbeanzeigen erkenntlich sein. Für die richtige Deklaration haftet der Hersteller. Die ErP-Richtlinie betrifft jedoch nicht jede Heizung. 

Folgende Wärmeerzeuger sind mit dem Label gekennzeichnet:

  • Raumheizgeräte mit einer Wärmenennleistung bis 70 Kilowatt
  • Kombiheizgeräte (zur gleichzeitigen Raumheizung und Warmwasserbereitung) mit einer Wärmenennleistung bis 70 Kilowatt
  • Verbundanlagen aus Raumheiz- oder Kombiheizgeräten mit einer Wärmenennleistung bis 70 Kilowatt (z.B. eine Kombination von Heizgerät, Temperaturregler und Solareinrichtung)
  • Warmwasserbereiter mit einer Nennleistung bis 70 Kilowatt
  • Verbundanlagen aus Warmwasserbereiter und Solareinrichtung mit einer Nennleistung bis 70 Kilowatt
  • Warmwasserspeicher mit einem Speichervolumen bis 500 Liter

Nicht unter die ErP-Richtlinie fallen beispielsweise folgende Geräte:

  • Heizgeräte, die Wärme aus Biomasse gewinnen
  • Heizgeräte, die mit festen Brennstoffen betrieben werden (z.B. Holz, Holzpellets, Kohle)

Details zum ErP-Label für Heizungen

Das Energy- oder ErP-Label zeigt neben einer Farbskala und der Effizienzklasse auch, welche Funktionen die Heizung erfüllt. So steht zum Beispiel ein kleiner Heizkörper für die Raumheizung, während ein Wasserhahn die Warmwasserbereitung symbolisiert. Darüber hinaus informieren die Aufkleber außerdem über die Lautstärke und die Leistung neuer Geräte.

Effizienzklassen sollen für Transparenz sorgen

Im Kern des ErP-Labels stehen jedoch die Effizienzklassen, die es aktuell von „A++“ bis „G“ gibt. Sie sollen Verbrauchern zeigen, wie gut ein Heizgerät funktioniert und eine einfache Entscheidungsgrundlage bieten. Da sich der Heizungsmarkt ständig weiterentwickelt wurde bereits heute eine Verschiebung der Skala vorgesehen. So gibt es ab dem Jahr 2019 die Klassen „A+++“ bis „D“. Die Klassen „E“, „F“ und „G“ entfallen. Während der Verkauf von Geräten mit schlechter Bewertung verboten ist, wird sich diese zukünftig verstärkt auf die Immobilienbewertung auswirken. Planen Hausbesitzer einen Heizungstausch, lohnt es sich daher schon heute auf besonders effiziente Technik zu setzen. Und das in Hinblick auf Heizkosten, Verkauf und Vermietung. 

Neben den Effizienzklassen finden sich auf dem Label auch andere Aspekte. Dazu gehören die Angaben:

  • zur Modellbezeichnung
  • zum Hersteller
  • zum exakten Energieverbrauch
  • zur Betriebslautstärke des Geräts

Der Unterschied zwischen Produktlabel und Verbundlabel

Häufig besteht eine Heizanlage aus mehreren Komponenten, etwa Heizkessel, Warmwasser und Anlage für Solarthermie. Nach der ErP-Richtlinie erhalten sowohl die Einzelkomponenten, als auch die Verbundanlage insgesamt ein ErP-Label. Dieses sogenannte Verbundlabel ist für Konsumenten aussagekräftiger als die einzelnen Produktlabels, da es die Effizienz der Heizanlage als Ganzes wiedergibt. Es kann sogar sein, dass das Verbundlabel eine bessere Effizienzstufe ausweist als das Produktlabel einzelner Komponenten. 

Während für die Ausstellung der Produktlabels in jedem Fall der Hersteller verantwortlich ist, muss das Verbundlabel der Heizanlage häufig individuell ermittelt werden. Dafür zuständig ist derjenige, der die Heizanlage in Verkehr bringt - in der Regel der Handwerker. Immer häufiger sind jedoch auch vorgefertigte Produktpakete am Markt, für die der Hersteller bereits ein Verbundlabel angibt.

ErP-Label soll zum Heizungstausch anregen

Seit Januar 2016 gilt die Auszeichnungspflicht von Heizgeräten insbesondere für Altgeräte. So benötigen diese ein ErP-Etikett, wenn sie älter als 15 Jahre sind. Der Aufkleber enthält dabei neben der Effizienzklasse auch einen Link zu weiterführenden Informationen im Internet und soll Verbraucher über die Einsparpotentiale der eigenen Technik aufklären. Ziel des Ganzen ist es, Haus- und Wohnungsbesitzer zum Heizungstausch zu motivieren. Die Auszeichnung erfolgt durch Schornsteinfeger und ist für Verbraucher kostenlos.

Experten äußern Kritik am ErP-Label für Heizungen

Energieexperten, wie die Verbraucherschützer der Verbraucherzentrale NRW, kritisieren, dass die Angaben auf dem ErP-Label für Heizungen irreführend sein können. Denn sie bewerten den Kessel allein und vernachlässigen dabei wichtige Faktoren wie die Einbausituation oder das Nutzerverhalten. Gerade diese wirken sich oft besonders auf den Energieverbrauch aus. So kann eine Wärmepumpe, die ein ErP-Etikett mit besonders guter Bewertung erhält, in alten und ungedämmten Häusern hohe Stromverbräuche und steigende Heizkosten verursachen.

Steht eine Heizungssanierung an, empfehlen wir Verbrauchern daher die Beratung durch einen Installateur. Dieser kann das Gebäude genau unter die Lupe nehmen und eine geeignete Technik empfehlen. Erste Informationen liefert auch unser Heizungsüberblick.

Heizung.de Autor Alexander Rosenkranz

Fazit von Alexander Rosenkranz

Die Ökodesign-Richtlinie schafft die Basis dafür, Anforderungen an sogenannte energieverbrauchsrelevante Produkte (ErP) zu stellen. Die damit verbundenen Grenzwerte sollen Verbraucher zum Kauf effizienter Geräte motivieren und den Energieverbrauch sukzessive senken. Während das bei Kühlschränken, Fernsehern oder Staubsaugern ganz gut funktioniert, könnte die Komplexität der Bewertung von Heizungen für Verwirrung sorgen. Das befürchten zumindest Energieexperten wie die der Verbraucherzentrale NRW.

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