ErP-Richtlinie und ErP-Label für Heizungen

Mit einem Anteil von 30 Prozent haben private Haushalte einen großen Einfluss auf den Energieverbrauch in Deutschland. Das bietet ein immenses Einsparpotential und spielt eine wichtige Rolle im Kontext der Energiewende. Mit der Ökodesign-Richtlinie hat der Gesetzgeber einen Anforderungskatalog an sogenannte energieverbrauchsrelevante Produkte - engl. energy-related products oder kurz ErP - geschaffen. Inwiefern diese ErP-Richtlinie auch die Heizung betrifft und inwieweit das Label Transparenz schafft, erklären wir in den folgenden Abschnitten.

Hintergrund der Ökodesign-Richtlinie

Grundsätzlich handelt es sich bei der Ökodesign-Richtlinie um eine europarechtliche Richtlinie. Dabei geht es um die Anforderungen an die oben bereits erwähnten energieverbrauchsrelevanten Produkten, die dann in sogenannten Durchführungsmaßnahmen festgelegt werden. Die nicht-amtliche Bezeichnung dafür ist im Übrigen die ErP-Richtlinie.

Im Wesentlichen hat die Richtlinie konkret zwei Schwerpunkte:

  • Sie schreibt Mindestanforderungen an die Energieeffizienz vor. 
  • Sie führt eine verpflichtende Kennzeichnung für viele Produktgruppen ein - das ErP-Label.
Ökodesign-Richtlinie soll über die Effizienz energieverbrauchsrelevanter Produkte (ErP) informieren und den Energieverbrach senken.
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ErP - Energieverbrauchsrelevante Produkte: Was gehört dazu?

Zu den energieverbrauchsrelevanten Geräten gehören generell all diejenigen, die EU-weit ein jährliches Verkaufsvolumen von mindestens 200.000 Stück haben. Darüber hinaus erstrecken sich die Anforderungen auch auf Geräte, deren Betrieb sich stark auf die Umwelt auswirkt oder deren Verbrauch sich mit geringen Kosten reduzieren lässt.

Beispiele dafür sind:

  • Heizkessel, Warmwasserbereiter, Lüftungsgeräte, Elektromotoren und Umlaufpumpen
  • Abwasserpumpen, Wasserpumpen, Ventilatoren
  • PCs, Drucker, Fernsehgeräte, Ladegeräte, Büro- und Straßenbeleuchtungen
  • Kühl- und Tiefkühlgeräte, Geschirrspüler, Wäschetrockner, Staubsauger
  • Set-Top-Boxen, Beleuchtungen für den Haushalt, Kaffeemaschinen
  • Fenster, Dämmstoffe, Werkzeuge, Stromkabel, Wasserhähne und Duschköpfe

Welche Heizgeräte fallen unter die ErP-Richtlinie?

Für neue Heizungen ist das ErP-Label grundsätzlich bereits seit dem 26. September 2015 verpflichtend. Altbestände dürfen jedoch auch nach diesem Zeitpunkt noch ohne Label verkauft werden. Der Aufkleber muss gut sichtbar am Gerät angebracht und auch in Werbeanzeigen erkenntlich sein. Für die richtige Deklaration haftet der Hersteller. Die ErP-Richtlinie betrifft jedoch nicht jede Heizung. 

Folgende Wärmeerzeuger sind mit dem Label gekennzeichnet:

  • Raumheizgeräte mit einer Wärmenennleistung bis 70 Kilowatt
  • Kombiheizgeräte (zur gleichzeitigen Raumheizung und Warmwasserbereitung) mit einer Wärmenennleistung bis 70 Kilowatt
  • Verbundanlagen aus Raumheiz- oder Kombiheizgeräten mit einer Wärmenennleistung bis 70 Kilowatt (z.B. eine Kombination von Heizgerät, Temperaturregler und Solareinrichtung)
  • Warmwasserbereiter mit einer Nennleistung bis 70 Kilowatt
  • Verbundanlagen aus Warmwasserbereiter und Solareinrichtung mit einer Nennleistung bis 70 Kilowatt
  • Warmwasserspeicher mit einem Speichervolumen bis 500 Liter

Nicht unter die ErP-Richtlinie fallen beispielsweise folgende Geräte:

  • Heizgeräte, die Wärme aus Biomasse gewinnen (wie Rapsöl oder Biogas)

ErP-Label und Energieeffizienzklassen für Holzheizungen

Von dieser ersten Phase (2015) zur Umsetzung des Energielabels waren zunächst Festbrennstoffkessel (inklusive Pellet-, Hackschnitzel- und Scheitholzvergaserkessel) und Einzelraumheizgeräte (für Öl, Gas und Festbrennstoffe) ebenfalls ausgeschlossen. Doch mittlerweile werden diese Wärmeerzeuger ebenfalls mit einem Label versehen:

WärmeerzeugerLabel seitAbbildung der Effizienzklassen
Festbrennstoffkessel bis 70 kW01. April 2017A++ bis G
Festbrennstoffkessel bis 70 kW 26. September 2019A+++ bis D
Einzelraumheizgeräte bis 50 kW01. Januar 2018A++ bis G

Der 01.01.2018 gilt zunächst nur für die Einzelraumheizgeräte mit geschlossener Abgasführung. All jene Wärmeerzeuger, die keine Abgasführung besitzen oder lediglich eine offene, ist das Energielabel erst ab dem 01.01.2022 verpflichtend.

Details zum ErP-Label für Heizungen

Das Energy- oder ErP-Label zeigt neben einer Farbskala und der Effizienzklasse auch, welche Funktionen die Heizung erfüllt. So steht zum Beispiel ein kleiner Heizkörper für die Raumheizung, während ein Wasserhahn die Warmwasserbereitung symbolisiert. Darüber hinaus informieren die Aufkleber außerdem über die Lautstärke und die Leistung neuer Geräte.

Effizienzklassen sollen für Transparenz sorgen

Im Kern des ErP-Labels stehen jedoch die Effizienzklassen, die es aktuell von „A+++“ bis „G“ gibt. Sie werden auf Grundlage der europäischen Rahmenverordnung zur Energieverbrauchskennzeichnung 2017/1369 vergeben. Das Label soll dem Verbraucher zeigen, wie gut ein Heizgerät funktioniert und eine einfache Entscheidungsgrundlage bieten. Da sich der Heizungsmarkt ständig weiterentwickelt, hat sich die deutsche Regierung dazu entschlossen wieder zu den klaren Effizenzklassen A bis G zurückzukehren. Während der Verkauf von Geräten mit schlechter Bewertung verboten ist, wird sich diese zukünftig verstärkt auf die Immobilienbewertung auswirken. Planen Hausbesitzer einen Heizungstausch, lohnt es sich daher schon heute auf besonders effiziente Technik zu setzen. Und das in Hinblick auf Heizkosten, Verkauf und Vermietung. 

Neben den Effizienzklassen finden sich auf dem Label auch andere Aspekte. Dazu gehören die Angaben:

  • zur Modellbezeichnung
  • zum Hersteller
  • zum exakten Energieverbrauch
  • zur Betriebslautstärke des Geräts

Der Unterschied zwischen Produktlabel und Verbundlabel

Häufig besteht eine Heizanlage aus mehreren Komponenten, etwa Heizkessel, Warmwasser und Anlage für Solarthermie. Nach der ErP-Richtlinie erhalten sowohl die Einzelkomponenten, als auch die Verbundanlage insgesamt ein ErP-Label. Dieses sogenannte Verbundlabel ist für Konsumenten aussagekräftiger als die einzelnen Produktlabels, da es die Effizienz der Heizanlage als Ganzes wiedergibt. Es kann sogar sein, dass das Verbundlabel eine bessere Effizienzstufe ausweist als das Produktlabel einzelner Komponenten. 

Während für die Ausstellung der Produktlabels in jedem Fall der Hersteller verantwortlich ist, muss das Verbundlabel der Heizanlage häufig individuell ermittelt werden. Dafür zuständig ist derjenige, der die Heizanlage in den Verkehr bringt - in der Regel der Heizungsinstallateur. Immer häufiger sind jedoch auch vorgefertigte Produktpakete am Markt, für die der Hersteller bereits ein Verbundlabel angibt.

Experten äußern Kritik am ErP-Label für Heizungen

Energieexperten, wie die Verbraucherschützer der Verbraucherzentrale NRW, kritisieren, dass die Angaben auf dem ErP-Label für Heizungen irreführend sein können. Denn sie bewerten den Kessel allein und vernachlässigen dabei wichtige Faktoren wie die Einbausituation oder das Nutzerverhalten. Gerade diese wirken sich oft besonders auf den Energieverbrauch aus. So kann eine Wärmepumpe, die ein ErP-Etikett mit besonders guter Bewertung erhält, in alten und ungedämmten Häusern hohe Stromverbräuche und steigende Heizkosten verursachen.

Steht eine Heizungssanierung an, empfehlen wir Verbrauchern daher die umfangreiche Beratung durch einen Installateur. Dieser kann das Gebäude genau unter die Lupe nehmen und eine geeignete Technik empfehlen. Erste Informationen liefert auch unser Heizungsüberblick.

Heizung.de Autor Alexander Rosenkranz
Fazit von Alexander Rosenkranz
Die Ökodesign-Richtlinie schafft die Basis dafür, Anforderungen an sogenannte energieverbrauchsrelevante Produkte (ErP) zu stellen. Die damit verbundenen Grenzwerte sollen Verbraucher zum Kauf effizienter Geräte motivieren und den Energieverbrauch sukzessive senken. Während das bei Kühlschränken, Fernsehern oder Staubsaugern ganz gut funktioniert, könnte die Komplexität der Bewertung von Heizungen für Verwirrung sorgen. Das befürchten zumindest Energieexperten wie die der Verbraucherzentrale NRW.
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