ErP-Richtlinie: Neues Energielabel für Heizungen

Die ErP-Richtlinie schafft Transparenz am Heizungsmarkt: Denn das ErP-Label, das bereits von Elektrogeräten bekannt ist, wird jetzt auch auf Heizsysteme ausgeweitet. Doch was genau sagt es eigentlich aus? Wie kann es bei der Kaufentscheidung helfen? Was Verbraucher über die ErP-Richtlinie wissen sollten, fasst der folgende Artikel zusammen.

ErP-Richtlinie und ErP-Label – was ist das?

Die sogenannte ErP-Richtlinie gilt auf EU-Ebene und ist auch als „Ökodesign-Richtlinie“ bekannt. In den Mitgliedsstaaten wird sie durch verschiedene nationale Regelungen umgesetzt. Ziel der ErP-Richtlinie ist es, den Energiebedarf von Elektrogeräten und anderen energieverbrauchenden Geräten zu senken und sie dadurch umweltverträglicher zu machen. Im Wesentlichen hat die Richtlinie zwei Schwerpunkte: Sie schreibt Mindestanforderungen an die Energieeffizienz vor, und sie führt eine verpflichtende Kennzeichnung für viele Produktgruppen ein – das ErP-Label.

Haus mit Wärmebildkamera zum Thema ErP-Richtlinie

Dieses Label soll es Konsumenten ermöglichen, die Effizienz von energieverbrauchenden Produkten auf einen Blick zu erkennen. Charakteristisch sind die bunten Balken, die den sogenannten Energieeffizienzklassen entsprechen. Ursprünglich gab es die Klassen A bis G, wobei A für einen sehr geringen Energieverbrauch, G dagegen für einen sehr hohen Energieverbrauch steht. Der technische Fortschritt hat dazu geführt, dass mittlerweile auch Geräte mit der Kennzeichnung A+, A++ und manchmal A+++ am Markt sind, die noch sparsamer arbeiten. Außerdem beinhaltet das Label Angaben zur Modellbezeichnung, zum Hersteller, zum exakten Energieverbrauch und zur Betriebslautstärke des Geräts.

Welche Heizgeräte fallen unter die ErP-Richtlinie?

Für Heizungen ist das ErP-Label grundsätzlich ab 26. September 2015 verpflichtend. Altbestände dürfen jedoch auch nach diesem Zeitpunkt noch ohne Label verkauft werden. Das Etikett muss gut sichtbar am Gerät angebracht und auch in Werbeanzeigen erkenntlich sein. Für die richtige Deklaration haftet der Hersteller. Die ErP-Richtlinie betrifft jedoch nicht jede Heizung. Folgende Wärmeerzeuger sind mit dem Label gekennzeichnet:

  • Raumheizgeräte mit einer Wärmenennleistung bis 70 Kilowatt
  • Kombiheizgeräte (zur gleichzeitigen Raumheizung und Warmwasserbereitung) mit einer Wärmenennleistung bis 70 Kilowatt
  • Verbundanlagen aus Raumheiz- oder Kombiheizgeräten mit einer Wärmenennleistung bis 70 Kilowatt (z.B. eine Kombination von Heizgerät, Temperaturregler und Solareinrichtung)
  • Warmwasserbereiter mit einer Nennleistung bis 70 Kilowatt
  • Verbundanlagen aus Warmwasserbereiter und Solareinrichtung mit einer Nennleistung bis 70 Kilowatt
  • Warmwasserspeicher mit einem Speichervolumen bis 500 Liter

Nicht unter die ErP-Richtlinie fallen beispielsweise folgende Geräte:

  • Heizgeräte, die Wärme aus Biomasse gewinnen
  • Heizgeräte, die mit festen Brennstoffen betrieben werden (z.B. Holz, Holzpellets, Kohle)

Der Unterschied zwischen Produktlabel und Verbundlabel

Häufig besteht eine Heizanlage aus mehreren Komponenten, etwa Heizkessel, Warmwasser und Anlage für Solarthermie. Nach der ErP-Richtlinie erhalten sowohl die Einzelkomponenten, als auch die Verbundanlage insgesamt ein ErP-Label. Dieses sogenannte „Verbundlabel“ ist für Konsumenten aussagekräftiger als die einzelnen „Produktlabels“, da es die Effizienz der Heizanlage als Ganzes wiedergibt. Es kann sogar sein, dass das Verbundlabel eine bessere Effizienzstufe ausweist als das Produktlabel einzelner Komponenten. Während für die Ausstellung der Produktlabels in jedem Fall der Hersteller verantwortlich ist, muss das Verbundlabel der Heizanlage häufig individuell ermittelt werden. Dafür zuständig ist derjenige, der die Heizanlage in Verkehr bringt – in der Regel der Handwerker. Immer häufiger sind jedoch auch vorgefertigte Produktpakete am Markt, für die der Hersteller bereits ein Verbundlabel angibt.

ErP-Label entspricht nur indirekt den Heizkosten

Hintergrund der ErP-Richtlinie ist es, Verbrauchern durch eine bessere Vergleichbarkeit der Geräte die Kaufentscheidung zu erleichtern. Bei Heizsystemen ist jedoch zu bedenken, dass das ErP-Label keine direkte Aussage über die Heizkosten erlaubt. Denn für die tatsächlichen Heizkosten spielen zahlreiche weitere Faktoren eine Rolle: etwa die Größe des Hauses, die Wärmedämmung oder die individuelle Regelung der Heizung. Zudem können hoch effiziente Heizgeräte in der Anschaffung teurer sein. Wer die Energieeffizienz seines Hauses als Ganzes verbessern und die Heizkosten senken will, darf sich daher nicht ausschließlich auf das Label verlassen.

ErP-Richtlinie für Altgeräte

Nicht nur für Neugeräte, auch für mehr als 15 Jahre alte Heizanlagen ist das ErP-Label relevant. Denn die ErP-Richtlinie sieht vor, dass Handwerker, Schornsteinfeger oder Energieberater diese Altgeräte nachetikettieren – ab 2016 auf freiwilliger Basis, ab 2017 dann verpflichtend. Für Verbraucher ist diese Nachetikettierung kostenlos. Hintergrund ist, dass Hausbesitzer zum Austausch ineffizienter Anlagen animiert werden sollen.

Philipp Hermann

Fazit von Philipp Hermann

Wie die ErP-Richtlinie für Transparenz sorgt. Das ErP-Label erlaubt es, die Energieeffizienz von Heizanlagen besser zu vergleichen. Verbraucher sollten dabei vor allem auf das Verbundlabel der gesamten Anlage achten. Zur Senkung der Heizkosten muss die Energieeffizienz des Hauses als Ganzes optimiert werden.

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