Erneuerbare Energien für die Heizung

Geht es um eine neue Heizung, spielen erneuerbare Energien eine immer wichtigere Rolle. Denn sie sind unerschöpflich und sorgen auch in Zukunft für bezahlbare Wärme im eigenen Haus. Neben erneuerbarem Gas können sich Hausbesitzer dabei für Holz und Umweltwärme entscheiden. Im Folgenden zeigen wir, was Experten unter erneuerbare Energiequellen genau verstehen und was die verschiedenen erneuerbaren Energieträger auszeichnet. 

Was sind erneuerbare Energien?

Grundsätzlich zeichnen sich erneuerbare Energiequellen dadurch aus, dass sie unerschöpflich zur Verfügung stehen oder sich im Rahmen des menschlichen Zeithorizonts schnell erneuern, weshalb sie häufig auch als regenerative Energien bezeichnet werden. Im Gegensatz dazu benötigen fossile Energien Millionen von Jahren, um sich zu regenerieren. Denn deren Grundlage bilden pflanzliche und tierische Überreste, die sich aufgrund von hohem Druck und hohen Temperaturen in Erdgas, Erdöl oder Kohle umwandeln.

Erneuerbare Energiequellen sind Sonnenlicht, Wind und Wellenbewegungen 

Erneuerbare Energiequellen finden sich hingegen im Sonnenlicht, im Wind, in den Wellenbewegungen, in der Wasserkraft und Erdwärme sowie in den nachwachsenden Biomassen. Dabei sind diese mittlerweile in Form von Strom, Wärme und Kraftstoff verfügbar. 2018 betrug der Anteil der erneuerbaren Energien am deutschen Bruttostromverbrauch 37,8 Prozent. Insgesamt wurden damit aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse rund 225 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) Strom erzeugt. In den Bereichen Wärme und Verkehr ist der Anteil mit 14,4 Prozent bzw. 5,3 Prozent deutlich kleiner (Stand: Dezember 2019). Dabei wird etwa drei Viertel der gesamten Energie zum Heizen genutzt. Hinzu kommt in vielen Fällen die Warmwasserbereitung. Somit liegt der Anteil bei über 80 Prozent am Gesamtenergiebedarf. Umso wichtiger ist es, den Einsatz von fossilen Brennstoffen in diesem Sektor zu reduzieren.

Gas aus erneuerbaren Energiequellen  

Heizungen für Gas und Öl zählen heute zu den beliebtesten Systemen im Wohnbereich. Denn sie sind günstig, platzsparend und effizient. Ein Nachteil: Sie setzen auf fossile Rohstoffe, die endlich auf der Erde verfügbar sind. Lange bevor die letzten Vorräte erschöpft sind, werden ihre Preise steigen und Wärme für Heizung und Trinkwasser zu einem Luxusgut. Zum Glück gibt es bereits heute interessante Alternativen.

Biogas aus biochemischen Zersetzungsprozessen  

Eine davon ist biologisch hergestelltes Gas. Es entsteht bei Zersetzungsprozessen organischer Materialien und zählt zur Kategorie der erneuerbaren Energieträger. Ausgangsstoffe für das sogenannte Biogas sind unter anderem Lebensmittelreste, Mais oder Getreide. Einige Experten sehen die Technik als Konkurrenz zur Nahrungsmittelherstellung und lehnen sie daher ab. Während sich das Biogas in einer Biogasanlage verstromen lässt, kann es auch aufbereitet und in das öffentliche Gasnetz eingespeist werden.

Photovoltaik-Anlage auf einem Dach - Erneuerbare Energien
© hayate / Fotolia

Synthetisches Gas aus regenerativen Energien  

Eine weitere Alternative ist synthetisches Gas aus Power to Gas-Anlagen. Dieses entsteht aus überschüssigem Wind-, Wasser- oder Solarstrom. Dabei nutzen große Anlagen den Ökostrom, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten. Der Wasserstoff wird anschließend aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist. Auch das dabei entstehende Gas ist eine erneuerbare Quelle für Energie. Da sich die Technik aktuell noch in der Entwicklung befindet, sind die Herstellungskosten vergleichsweise hoch. Inwiefern sich das in Zukunft ändert, bleibt abzuwarten.

Holz als regionale regenerative Energie für die Heizung  

Holz ist die Energiequelle mit der längsten Tradition. Denn sie versorgte uns Menschen bereits vor Tausenden von Jahren mit Licht und Wärme. Heute lässt sich der nachwachsende Rohstoff in Form von Scheiten, Pellets oder Hackschnitzeln nutzen.

Scheitholz für manuell zu beschickende Anlagen  

Klassisch ist dabei vor allem die Verbrennung von Holzscheiten. Diese funktioniert in einem sogenannten Holzvergaserkessel besonders effizient. Denn der kommt dank zweigeteilter Brennkammer auf hohe Temperaturen, die nicht nur für einen sparsamen, sondern auch sauberen Betrieb sorgen. Ein Nachteil dieser erneuerbaren Energie: Die Scheite sind regelmäßig von Hand nachzulegen. Das benötigt Zeit, die viele Hausbesitzer heute nicht mehr haben.

Pellets und Hackschnitzel für automatische Heizungen  

Abhilfe schaffen jedoch Kessel für Pellets und Hackschnitzel. Denn diese arbeiten komfortabel und vollautomatisch. Lediglich den Aschebehälter müssen Hausbesitzer dabei einige Male im Jahr von Hand entleeren. Während eine Pelletheizung gepresste Reste der holzverarbeitenden Industrie verbrennt, arbeitet die Hackschnitzelheizung auch mit Waldrestholz. Dieses wird zerhäckselt, getrocknet und dann in speziellen Silos oder Lagerräumen bevorratet. Pellets sind außerdem genormt. Sie haben eine gleichmäßige Form, einen höheren Energieinhalt und lassen sich in einfachen Tanks bevorraten. 

Wärmepumpen nutzen erneuerbare Energien in der Umwelt  

Wer sich heute für eine neue Heizung interessiert, wählt häufig eine Wärmepumpe, die die Umwelt selbst als erneuerbare Energiequelle anzapft. Sie gewinnt thermische Energie aus der Luft, der Erde oder dem Wasser und macht diese mit einem technischen Prozess zum Heizen nutzbar. Dabei stammt die Energie bis zu 75 Prozent aus der Umwelt. Lediglich für den Betrieb einzelner Bestandteile einer Wärmepumpe wird Strom benötigt. Dabei können sich Anlagenbesitzer für einen entsprechenden Stromtarif beim jeweiligen Anbieter entscheiden, der Strom durch erneuerbare Energieträger erzeugt. Wie der Prozess im Detail funktioniert, erklären wir im Beitrag „Funktion der Wärmepumpe“. Wichtig zu wissen ist, dass die Anlagen nur dann effizient arbeiten, wenn die Vorlauftemperatur der Heizung niedrig ist. Neben einer guten Dämmung lässt sich das auch mit groß ausgelegten Heizflächen oder einer Flächenheizung erreichen.

Hohe Fördersummen vom Staat

Ähnlich wie bei Holzheizungen und Solaranlagen bekommen Hausbesitzer auch beim Kauf einer Wärmepumpe Zuschüsse in Höhe von 35 bis 45 Prozent vom Staat. Schließlich nutzt auch diese Heizungsart erneuerbare Energieträger sehr effizient und sauber. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag "Förderung der Wärmepumpe".

Kostenfreie erneuerbare Energie der Sonne für Wärme im Haus  

Geht es um kostenfreie erneuerbare Energiequellen, bietet auch die Sonne ein großes Potenzial. Denn sie schickt in einem Jahr deutlich mehr Energie zur Erde, als die gesamte Menschheit in der gleichen Zeit verbrauchen könnte. Nutzen lässt sich die Solarenergie mit der Solarthermie oder der Photovoltaik. Während Solarwärmeanlagen die kostenfreie Strahlung in thermische Energie für Heizung und/oder Warmwasserbereitung umwandeln, erzeugen Photovoltaikanlagen Strom. Dieser lässt sich anschließend im eigenen Haus verbrauchen oder gegen eine Vergütung in das öffentliche Netz einspeisen. Damit dies jedoch gelingen kann, gilt es bei der Inbetriebnahme einiges zu beachten. Erfahren Sie im Beitrag zur Montage einer Photovoltaikanlage mehr dazu.

Offshore-Anlagen als Symbol für erneuerbare Energieträger
© Fokke / Fotolia

Solarwärme als passive Energiequelle einsetzen

Was viele nicht wissen: Die Solarenergie lässt sich auch ganz ohne zusätzliche Technik nutzen. Möglich ist das durch eine angepasste Architektur, die vor allem im Winter einen Großteil der wärmenden Strahlung ins Haus lässt. Damit das funktioniert, sollten Aufenthaltsräume mit großen Fensterflächen nach Süden gerichtet sein. Im Sommer sorgen auskragende Bauteile wie Balkone, Vorsprünge oder außen liegende Rollläden hingegen für Schatten und dafür, dass die Gebäude nicht überhitzen.

Erneuerbare Energieträger in Zahlen

Betrug der Anteil erneuerbarer Energieträger am Endenergieverbrauch für Wärme und Kälte im Jahre 1990 noch 2,1 Prozent, so ist er Ende 2018 auf 14,4 Prozent gestiegen. Auffällig ist die Nutzung der Energieträger: Zur Wärmegewinnung wird über 80 Prozent biogene Festbrennstoffe wie Holz verbrannt. Der Anteil flüssiger Brennstoffe wie Biogas liegt etwas über zwölf Prozent. Solarthermie und Geothermie, also die Gewinnung der Sonnenenergie und Erdwärme durch Solaranlagen wie PV- oder Parabolrinnenkraftwerke und Wärmepumpen, spielen beim Wärmeverbrauch aus erneuerbaren Energien in Deutschland im Jahr 2018 eine untergeordnete Rolle.

Mehrere Tonnen Treibhausemissionen vermieden

Durch den Einsatz von erneuerbaren Energieträgern im Wärmemarkt konnten im Jahr 2018 etwa 36 Millionen Tonnen CO2 vermieden werden. Rechnet man die Ersparnisse im Strommarkt dazu, läge die Summe bei exakt 187 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Für das komplette Jahr 2017 wurden deutschlandweit Gesamtemissionen in Höhe von 906 Millionen Tonnen verzeichnet.  

Heizung.de Autor Philipp Hermann
Fazit von Philipp Hermann
Erneuerbare Energien gewinnen Strom und Wärme aus der Umgebung oder nutzen dazu nachwachsende Rohstoffe und andere Biomasse. Ihre Gemeinsamkeit ist, dass sie keine Ressourcen verbrauchen, die als endlich anzusehen sind. Energie wie Sonnenlicht oder Wind ist ohnehin vorhanden, ob sie genutzt wird oder nicht. Biomasse muss hingegen teilweise als Abfall entsorgt werden, wenn sie nicht für die Energiegewinnung eingesetzt wird. Wer heute eine neue Heizung einbauen möchte, sollte daher unbedingt auch über erneuerbare Energiequellen nachdenken.
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