EnEV - Das Wichtigste zusammengefasst

Die Energieeinsparverordnung, kurz EnEV, ist ein wichtiger Baustein der Bundesregierung. Mit ihrer Hilfe sollten die Ziele für 2050, unter anderem klimaneutraler Bestand, erreicht werden. Konkret legt sie die energetischen Anforderungen an nahezu alle Gebäuden fest. Was das für den einzelnen Hausbesitzer bedeutet und welche Rolle der Energieausweis in diesem Zusammenhang spielt, darum geht es in den folgenden Abschnitten.  

Ziele der Energieeinsparverordnung

Knapp die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland ist auf Gebäude zurückzuführen. Auch die CO2-Emissionen werden zu einem beachtlichen Teil in diesem Bereich verursacht. Damit Deutschland seine Klimaschutzziele dennoch erreichen kann, müssen Maßnahmen zur Energieeinsparung in diesem Sektor umgesetzt werden. Genau hierfür hat die Bundesregierung die Energieeinsparverordnung verabschiedet. Sie legt die energetischen Anforderungen an nahezu alle Gebäude fest, die beheizt oder klimatisiert werden. 

Entwicklung der EnEV

Die unter dem Kürzel EnEV bekannte Energieeinsparverordnung ist ein Bestandteil des deutschen Wirtschaftsverwaltungsrechts und wurde von der Bundesregierung erstmals 2001 unter dem Titel "Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden" veröffentlicht. Sie trat am 1. Februar 2002 in Kraft und ersetzte ab diesem Zeitpunkt die Heizungsanlagenverordnung (HeizAnlV) sowie die Wärmeschutzverordnung (WSchV). Nach der ersten Fassung im Jahr 2002 wurde die EnEV mehrmals novelliert. Was die jeweiligen Änderungen mit sich gebracht haben, lesen Sie im letzten Abschnitt dieses Artikels.

Eine leuchtende Glühbirne symbolisiert die Fakten rund um die Enev.
© Daniel Berkmann | Fotolia

EnEV und Neubauten

Die Verordnung gilt sowohl für den Neubau als auch den Gebäudebestand. Vor allem Neubauten müssen strenge Voraussetzungen erfüllen. Zu errichtende Wohngebäude sind so auszuführen, dass der Jahres-Primärenergiebedarf für: 

  • Heizung
  • Warmwasserbereitung
  • Lüftung und 
  • Kühlung 

eine bestimmte Grenze nicht überschreitet. Als Richtwert wird ein Referenzgebäude mit gleicher Geometrie, Gebäudenutzfläche und Ausrichtung herangezogen. 

Energiebedarf muss durch erneuerbare Energien gedeckt werden 

Das Gleiche gilt für den Wärmeverlust (Transmissionswärmeverlust). Dieser darf einen bestimmten Wert ebenfalls nicht unterschreiten. Darüber hinaus sind Eigentümer von Neubauten dazu verpflichtet, einen gewissen Teil des Energiebedarfs durch erneuerbare Energien zu decken, sofern das Gebäude eine Nutzfläche von mehr als 50 Quadratmetern hat. In der Praxis bedeutet es, dass eine Ölheizung in einem Neubau nicht als alleiniger Wärmeerzeuger eingesetzt werden darf. In Kombination mit einer Solarthermieanlage oder einer Holzheizung aber schon. Eine Tabelle mit allen wichtigen Kennzahlen ist auf der Website des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz abrufbar. 

EnEV und Altbauten

Auch wenn das größte Einsparpotenzial beim Gebäudebestand liegt, bedeutet es nicht, dass alle Eigentümer eines Altbaus mit der EnEV verpflichtet sind, Maßnahmen zur Energiesenkung zu ergreifen. Stattdessen sieht der Gesetzgeber nur dann Handlungsbedarf, wenn:

  • Änderung, Erweiterung und Ausbau von Gebäuden oder
  • Austausch und Nachrüstungen bei Anlagen und Gebäuden  

 vorgenommen werden. 

Änderung, Erweiterung und Ausbau von Gebäuden

Bei umfassenden Modernisierungen und kleineren Sanierungen von älteren Gebäuden müssen klar geregelte Standardanforderungen eingehalten werden. Hier gelten bei Sanierungen bestimmte Anforderungen an den Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) der verwendeten Materialien und bei umfassenden Modernisierungen sind bestimmte Primärenergiebedarfswerte einzuhalten. Diese liegen jedoch deutlich höher als bei vergleichbaren Neubauten.

Austausch und Nachrüstungen bei Anlagen und Gebäuden

Neben den Verpflichtungen bei Änderung, Erweiterung und Ausbau von Gebäuden müssen Eigentümer eines Altbaus laut Energieeinsparverordnung auch bei Austausch- und Nachrüstungen handeln. Dazu gehört: 

  • Der Austausch veralteter Heizkessel: Ausgenommen sind Niedertemperatur- und Brennwertkessel sowie Anlagen, die ausschließlich der Warmwasserbereitung dienen. Neue Inhaber einer Immobilie müssen innerhalb von zwei Jahren nach dem Hauskauf einen Austausch des alten Heizkessels vornehmen. Diese Verpflichtung gilt nicht für Eigentümer von Ein- oder Zweifamilienhäusern, die ihr Gebäude bereits vor dem 1. Februar 2002 bewohnten.
  • Die Dämmung der Heizungs- und Warmwasserrohre in unbeheizten Räumen: Das gilt auch für Armaturen, die sich darin befinden.
  • Die Dämmung der Geschossdecke, sofern diese zugänglich ist und der Raum darüber nicht beheizt wird: Die Pflicht gilt als erfüllt, wenn anstelle der obersten Geschossdecke das darüberliegende Dach entsprechend gedämmt ist oder den Anforderungen an den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 genügt. Ähnlich wie beim Kesseltausch sind auch Eigentümer von Ein- oder Zweifamilienhäusern befreit, wenn sie ihr Gebäude bereits vor dem 1. Februar 2002 selbst bewohnen. 

Energieausweis und weitere Regelungen

Zusätzlich zu den genannten Anforderungen enthält die EnEV weitere Vorschriften und Regelungen zu Klima- und Lüftungsanlagen, zu Kontrollen durch Schornsteinfeger und Sachverständige sowie zum Energieausweis. Letzterer bewertet die energetische Qualität einer Immobilie und ist für Neubauten sowie beim Verkauf einer von der EnEV betroffenen Immobilie zwingend erforderlich. So soll den neuen Besitzern sowie potenziellen Mietern ein Überblick über den möglichen Wohnkomfort geboten werden, anhand des Dokuments können jedoch keine Rückschlüsse auf die genauen Energiekosten getroffen werden.

Dokument in der Regel für zehn Jahre gültig

Die Berechtigung zur Ausstellung von Energieausweisen für Bestandsgebäude ist in § 21 der EnEV klar geregelt, bei Neubauten gibt es für die Ausstellungsberechtigung je nach Bundesland unterschiedliche Regelungen. Das Dokument enthält Angaben zu den verwendeten Energieträgern und den Energiekennwerten des Hauses. Bei den neuen Energieausweisen ist auch eine Energieeffizienzklasse angegeben, die von A+ (geringer Energiebedarf) bis H (hoher Energiebedarf) reichen kann. Des Weiteren ist das Dokument in der Regel für zehn Jahre gültig und enthält zusätzlich Empfehlungen zum Heizung modernisieren. Mit welchen Kosten Sie dabei rechnen können, erklärt der Artikel "Energieausweis: Pflicht, Gültigkeit und Kosten". 

Alle Novellierungen im Überblick

Wie bereits erwähnt, wurde die EnEV mehrmals novelliert. Nicht jede Aktualisierung hat wesentliche Änderungen zur Folge. Im Folgenden finden Sie alle bisherigen Novellierungen und die dazugehörigen, wichtigsten Änderungen. 

EnEV 2009

  • Bauherren müssen den Energiebedarf ihres neuen Hauses zum Teil mit erneuerbaren Energien decken. 
  • Die oberste Geschossdecke beziehungsweise das Dach muss gedämmt werden.

EnEV 2014

  • Einführung von Energieeffizienzklassen bei Energieausweisen 
  • Verpflichtende Angabe der Energieeffizienzklasse in Immobilienanzeigen  
  • Verpflichtende Dämmung von Rohren und Armaturen sowie Einbau von Temperatur-Reglern  
  • Einführung des sogenannten Modellgebäudeverfahrens bei der Berechnung der Energieeffizienz  

Ausführliche Informationen finden Sie im Beitrag "EnEV 2014 - Die Änderungen im Überblick". 

EnEV 2015

  • Austauschpflicht für bestimmte ältere Heizkessel
  • Verpflichtende Angabe von Energiekennwerten in Immobilienanzeigen
  • Dämmung der obersten Geschossdecke

Ausführliche Informationen finden Sie im Beitrag "EnEV 2015 - Die wichtigsten Vorgaben auf einen Blick". 

EnEV 2016

  • Verschärfung der primärenergetischen Anforderungen (Gesamtenergieeffizienz) an neu gebaute Wohn- und Nichtwohngebäude um 25 Prozent 
  • Heizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen betrieben werden und nach dem 1.1.1985 eingebaut wurden, müssen ab der EnEV 2016 nach 30 Jahren außer Betrieb genommen werden.  
  • Verkäufer und Vermieter von Immobilien sind künftig verpflichtet, den Energieausweis an Käufer bzw. Mieter zu übergeben. Der Energieausweis muss bereits bei der Besichtigung vorgelegt werden
  • Energetische Kennwerte (Endenergie) müssen laut EnEV ab 2016 im Falle des Verkaufs oder der Vermietung in Immobilienanzeigen angegeben werden. Liegt ein Energieausweis mit Energieeffizienzklasse vor, muss die entsprechende Einstufung auch veröffentlicht werden
  • Erweiterung der Aushangpflicht für Energieausweise (gilt für öffentliche Gebäude mit starkem Publikumsverkehr ab 250 m² Nutzfläche und entsprechende private Gebäude ab 500 m² Nutzfläche)

Ausführliche Informationen finden Sie im Beitrag "EnEV 2016 - Das kommt ab dem Januar 2016". 

EnEV 2017

  • Niedrigstenergiegebäude-Standard für öffentliche Neubauten
  • Einheitliche Berechnungsverfahren für alle Gebäude

Ausführliche Informationen finden Sie im Beitrag "EnEV 2017 als Teil des Energieeinspargesetzes". 

Bild unseres Autoren Minh Duc Nguyen

Fazit von Minh Duc Nguyen

Die EnEV im kurzen Überblick. Bei dem Neubau einer Immobilie sowie bei Modernisierungen und Sanierungen von Gebäuden müssen sich Bauherren im Bezug auf Wärmedämmung und Heiztechnik an den Anforderungen der EnEV orientieren. Wer diese Vorschriften nicht einhält, riskiert im schlimmsten Fall ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro.

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