Diese Wohnraumlüftungs-Vorschriften gibt es

Moderne Bau- und Sanierungsstandards kommen selten ohne luftdichte Gebäudehülle aus. Während diese zwar für hohe Energieeinsparungen sorgen, machen sie das Lüften zu einer Herausforderung. Ein Grund dafür ist, dass auf natürlichem Wege kaum Luft in oder aus dem Haus strömt. Dabei steigen Schadstoff- und Feuchtekonzentrationen im Inneren und der Komfort sinkt. Verschiedene Wohnraumlüftungs-Vorschriften fordern daher geeignete Maßnahmen für einen sicheren Betrieb von Gebäuden.

Die Themen im Überblick:

Wohnraumlüftungs-Vorschriften der Energieeinsparverordnung

Die Energieeinsparverordnung, die im aktuellen Stand von 2014 gültig ist, regelt Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden. Diese beziehen sich dabei sowohl auf die wärmeumschließende Hülle als auch auf die installierte Anlagentechnik. In § 6 fordert die Verordnung die Dichtheit von Gebäuden. Dabei heißt es, dass die Hüllflächen neu zu errichtender Häuser dauerhaft luftdicht sein sollen.

Da das in der Praxis zu einigen Komplikationen führen kann, gibt es im zweiten Abschnitt des gleichen Paragraphen eine Wohnraumlüftungs-Vorschrift. Dabei müssen die Gebäude so ausgeführt sein, dass der für Gesundheit und Beheizung notwendige Mindestluftwechsel sichergestellt ist.

Wohnraumlüftungs-Vorschriften fordern lüftungstechnische Maßnahmen

Luftwechselraten nach Wohnraumlüftungs-Vorschriften

Geht es um die Höhe des Mindestluftwechsels, gehen verschiedene Wohnraumlüftungs-Vorschriften von einem Wert von 0,5 aus. Das heißt, dass die Hälfte des Luftvolumens in einem Raum, einer Wohnung oder einem Haus mindestens einmal pro Stunde durch frische Außenluft zu ersetzen ist. Das fordert sowohl die DIN 4106 Teil 2 „Mindestanforderungen an den Wärmeschutz zur Vermeidung von Tauwasser und unhygienischen Raumluftverhältnissen sowie den sommerlichen Wärmeschutz“ als auch die zur Heizlastberechnung nötige DIN 12831 „Heizungsanlagen in Gebäuden – Verfahren zur Berechnung der Norm-Heizlast“.

DIN 1946 Teil 6 fordert Lüftungskonzept bei Neubau und Sanierung

Eine der wichtigsten Wohnraumlüftungs-Vorschriften ist die DIN 1946 Teil 6 mit dem Namen „Lüftung von Wohnungen – Allgemeine Anforderungen, Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung, Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung“. Ganz konkret fordert die Norm dabei ein sogenanntes Lüftungskonzept. Dieses zeigt, ob technische Maßnahmen zur Einhaltung des Mindestluftwechsels nötig sind und gilt als Pflicht bei jedem Neubau. Geht es um eine energetische Sanierung, müssen Haubesitzer das Konzept nur erstellen lassen, wenn sie:

  • im Einfamilienhaus mehr als ein Drittel der Fenster tauschen oder mehr als ein Drittel der Dachfläche abdichten.
  • im Mehrfamilienhaus mehr als ein Drittel der Fenster abdichten.

Lüftung zum Feuchteschutz muss sichergestellt sein

Grundlage des Lüftungskonzeptes der Wohnraumlüftungs-Vorschrift ist dabei der Vergleich des natürlichen und des mindestens notwendigen Außenluftvolumenstroms zum Feuchteschutz. Die natürliche Zirkulation (Infiltration) ist dabei abhängig vom energetischen Zustand, der Lage und der Größe des Gebäudes. Ist diese größer als der ermittelte Luftvolumenstrom zum Feuchteschutz, sind keine lüftungstechnischen Maßnahmen erforderlich. Verbraucher können dabei also einfach über die Fenster lüften, ohne Gefahren wie Schimmel oder andere Feuchteschäden befürchten zu müssen.

Wohnraumlüftungs-Vorschriften fordern Lüftungstechnik

Anders verhält es sich, wenn das jeweilige Gebäude zu dicht ist und nicht genügend Luft auf natürlichem Wege zirkuliert. Denn dann verpflichtet die Wohnraumlüftungs-Vorschrift Haus- oder Wohnungsbesitzer zur Umsetzung lüftungstechnischer Maßnahmen. Abhängig von den Anforderungen an Hygiene, Energieeffizienz oder Schallschutz, stehen dabei freie und ventilatorgestützte Lüftungssysteme zur Auswahl. Wie diese umzusetzen sind, erklären wir im Beitrag „Lüftungskonzept“.

Weiter Wohnraumlüftungs-Vorschriften im Überblick

Neben den bereits vorgestellten Normen und Verordnungen, gibt es heute zahlreiche weitere Wohnraumlüftungs-Vorschriften. Einige Beispiele dafür sind die:

  • DIN 18017 Teil 3 zur Belüftung fensterloser Bäder
  • DIN EN 13141 für Anforderungen an die Bauteile der Lüftungstechnik
  • VDI 6022 für Hygieneanforderungen an Lüftungsanlagen und Raumluft
  • DIN EN 13779 für Anforderungen an die Luftqualität in Nichtwohngebäuden

Ein erfahrener Installateur kennt die relevanten Wohnraumlüftungs-Vorschriften und bringt sie im Rahmen einer individuellen Beratung und Planung zur Anwendung.

Alexander Rosenkranz

Fazit von Alexander Rosenkranz

Während früher die Lüftung zum Fensterschutz voll ausgereicht hat, fordern Wohnraumlüftungs-Vorschriften wie die DIN 1946 Teil 6 immer öfter die Umsetzung lüftungstechnischer Maßnahmen. Haus- und Wohnungsbesitzer müssen dabei eine freie oder ventilatorgestützte Wohnraumlüftung installieren, wenn ihr Gebäude so dicht ist, dass von selbst nur ungenügend Luft hineinströmt. Das ist wichtig, um sowohl das Bauwerk als auch die Gesundheit zu schützen.

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