Die Wohnraumlüftung nachträglich einbauen 

Wenn Hausbesitzer die Fenster austauschen oder Lärm und Schmutz von außen entgegenwirken möchten, können sie eine Wohnraumlüftung nachträglich einbauen. Denn diese sorgt für frische Luft im Haus, auch wenn die Fenster zu bleiben. Wie die Technik funktioniert, welche Arten zur Auswahl stehen und was diese kosten, erklären wir im folgenden Beitrag.  

Warum sollte ich eine Wohnraumlüftung nachträglich einbauen?

Die Lüftungstechnik sorgt für frische Luft im Haus. Und das sogar dann, wenn die Fenster geschlossen bleiben. Denn sie schickt verbrauchte Luftmassen aus dem Haus und holt frische, sauerstoffreiche Luft von außen nach innen. Während das passiert, leiten Lüftungsanlagen auch Feuchte, Gerüche und Schadstoffe nach draußen. Das sorgt für ein gesundes Klima und schützt darüber hinaus sogar vor Schimmel in der Wohnung. Denn dieser kann immer dann entstehen, wenn die relative Feuchte der Raumluft zu hoch ist und der enthaltene Wasserdampf unbemerkt an Wänden oder Fenstern kondensiert.

Wer eine Wohnraumlüftung nachträglich einbauen lässt, schützt sich darüber hinaus aber auch vor Lärm, Schadstoffen und Pollen von außen. Dafür sorgen Schalldämpfer und Wohnraumlüftungs-Filter.

Arbeitet die Technik mit Wärmerückgewinnung wirkt sie sogar wie eine Heizung. Denn dann kann sie die Energie der verbrauchten Abluft auf die frische Zuluft übertragen. Das funktioniert ganz ohne zusätzliche Kosten, steigert den Wohnkomfort und entlastet den Kessel.

Typische Gründe dafür, warum eine Wohnraumlüftung notwendig ist:

  • dichte Gebäudehülle nach der Sanierung von Dach oder Fenstern
  • Probleme mit nassen Wänden durch eine zu hohe Luftfeuchtigkeit
  • Schutz vor Schmutz, Lärm oder krankmachenden Pollen von außen
  • hohe Anforderungen an die Luftqualität in geschlossenen Räumen
  • Wunsch nach sinkenden Heizkosten durch Wärmerückgewinnung
Wohnraumlüftung nachträglich einbauen und von guter Raumluft profitieren
© YakobchukOlena / Fotolia

Mit dem Lüftungskonzept ist die Lüftung Pflicht  

Was viele nicht wissen ist, dass es unter Umständen Pflicht sein kann, eine Wohnraumlüftung nachträglich einzubauen. Entscheidend dafür ist das sogenannte Lüftungskonzept, das Hausbesitzer bei einer Sanierung erstellen lassen müssen. Vorschrift ist es in Ein- und Zweifamilienhäusern immer dann, wenn Verbraucher mehr als ein Drittel:

  • der Fenster tauschen
  • der Dachfläche abdichten

Ein Experte nimmt das Gebäude dabei genau unter die Lupe und prüft, ob der natürlich durch das Haus zirkulierende Luftstrom ausreicht, um die anfallende Feuchte auszugleichen. Ist das nicht der Fall, müssen Hausbesitzer lüftungstechnische Maßnahmen ergreifen.

Welche Arten von Lüftungsanlagen stehen mir zur Auswahl?

Wer nachträglich eine Wohnraumlüftung einbauen lassen möchte, hat die Wahl zwischen zentralen und dezentralen Anlagen.

Zentrale Wohnraumlüftung nachträglich einbauen 

Zentrale Anlagen zur Wohnungslüftung bestehen aus einem kompakten Gerät, das mit Ventilatoren ausgestattet und mit einem Luftverteilsystem verbunden ist. Es saugt frische Luft von außen über Dach oder Fassade an und bereitet dieses auf. Anschließend leitet es die Luftmassen zu Wohn- und Aufenthaltsräumen im Haus (Zulufträume). Gleichzeitig saugt die Technik verbrauchte Luft aus Küchen oder Bädern (Ablufträumen) ab und leitet diese nach außen. Auf diese Weise entsteht ein Kreislauf, der für eine hohe Luftqualität sorgt. Wer die Wohnraumlüftung verlegen möchte, muss die weitverzweigten Kanäle dabei im Haus unterbringen. Die Kosten für eine solche Anlage variieren je nach Ausstattung und Gebäudegröße zwischen 4.000 und 10.000 Euro.

Dezentrale Lüftungstechnik eignet sich für Altbauten

Geht es darum, eine Wohnraumlüftung nachträglich einzubauen, entscheiden sich viele Hausbesitzer für dezentrale Geräte. Diese erfüllen die gleiche Funktion, kommen dabei aber ohne das aufwendig zu verlegende Luftverteilsystem aus. Möglich ist das, da die Anlagen aus mehreren Einzelgeräten bestehen. Diese lassen sich in Wänden oder Decken installieren und sorgen allein oder paarweise für frische Luft. Während auch die dezentrale Lüftungstechnik mit Filtern, Schalldämpfern und Wärmerückgewinnern ausgestattet ist, schneidet sie im Vergleich zu Zentralanlagen oft schlechter ab. Der Grund dafür ist die kompakte Baugröße. Ein Vorteil: Die Anlagen gibt es bereits für 2.000 bis 5.000 Euro pro Haus oder Wohnung. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie im Beitrag "Funktionsweise der Wohnraumlüftung".

Übrigens: Eine besondere Form der Lüftungstechnik sind sogenannte Fensterfalzlüfter. Das sind kleine Luftdurchlässe im Fenster, die für einen minimalen Luftwechsel sorgen. Ihre Effizienz wird in der Praxis aber infrage gestellt, weshalb die Technik umstritten ist. 

Gibt es auch Fördermittel für die neue Lüftungstechnik im Haus?

Werden gewisse Voraussetzungen erfüllt, stehen Fördermittel zur Verfügung. Konkret beteiligt sich der Staat über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) an den Kosten, wenn Sanierer eine Wohnraumlüftung nachträglich einbauen möchten. Dabei gibt es sowohl eine Zuschuss- als auch eine Kreditvariante. Während Letztere über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) läuft, ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Ansprechpartner für die Zuschussförderung von energetischen Einzelmaßnahmen im Gebäudebestand. Es gelten folgende Fördersätze: 

  • einmalige Zuschüsse in Höhe von 20 Prozent der förderfähigen Kosten über das BAFA
  • zinsgünstige Darlehen mit Tilgungszuschuss in Höhe von 20 Prozent über das KfW-Programm 261/262
Ist die neue Wohnraumlüftung Bestandteil eines individuellen Sanierungsfahrplans, erhöht sich der Fördersatz zusätzlich um fünf Prozentpunkte. Wichtig: Die Mittel sind vor dem Baubeginn mit einem Energieberater zu beantragen. Wie das funktioniert und was bei der Förderung von Maßnahmen zu beachten ist, mit denen ein Effizienzhaus-Standard angestrebt wird, erklärt der Beitrag „Förderung für die Wohnraumlüftung“.

Worauf ist beim Einbau zu achten?

Möchten Sie eine dezentrale Wohnraumlüftung einbauen, müssen Sie dazu Kernbohrungen in der Außenwand vornehmen. In diese werden anschließend die Lüfter eingebaut und entsprechend abgedichtet. Arbeiten mehrere Geräte im Haus zusammen, sind auch die Innentüren anzupassen. Überströmgitter stellen dabei sicher, dass die Luftmassen von einem zum anderen Raum strömen können. 

Die zentrale Wonhraumlüftung lässt sich darüber hinaus oft versteckt installieren. Während sich die Lüftungstechnik im Neubau von Anfang an in der Planung berücksichtigen lässt, müssen Sanierer mit der vorhandenen Architektur zurechtkommen. Aber auch hier ermöglichen spezielle Systeme den Einbau der Wohnraumlüftung. Zur Auswahl stehen Anlagen zur Integration in Decken oder Böden, Systeme zur Verlegung im Bereich abgehängter Decken oder Ringleitungen für die versteckte Verlegung in den Raumecken.

Besonderheit: Ringleitung für die Montage bei der Sanierung

Eine besondere Option bieten spezielle Ringleitungssysteme für die Sanierung. Diese bestehen aus dünnen Leitungen, die in Ecken von Fluren verlegt werden. Während sie die Luft über Durchlässe in der Wand austauschen, sind die Kanäle mit vorgefertigten Verblendsystemen ausgestattet. Diese verstecken das Luftverteilsystem und ermöglichen einen optisch ansprechenden Einbau. Damit Hausbesitzer diese Art der Wohnraumlüftung einbauen können, müssen die Räume im Haus in der Regel über einen gemeinsamen Flur erreichbar sein.

Heizung.de Autor Alexander Rosenkranz
Fazit von Alexander Rosenkranz
In vielen Fällen kann es sich lohnen, eine Wohnraumlüftung nachträglich einzubauen. Denn die Technik sorgt für ein gesundes Klima, schützt vor Schimmel und senkt darüber hinaus auch die Heizkosten. Wer sich für eine neue Lüftung interessiert, hat dabei die Wahl zwischen zentralen und dezentralen Anlagen. Während zentrale oft den besseren Komfort bieten, lassen sich dezentrale einfacher in Altbauten integrieren. Vorteilhaft ist, dass sich die Kosten für den Einbau durch staatliche Fördermittel reduzieren lassen.
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