Die Heizkennlinie

Die Heizkennlinie beschreibt, vereinfacht ausgedrückt, die Beziehung zwischen Außentemperatur und Vorlauftemperatur. Letztere ist die Temperatur des Wassers, das in das Heizsystem fließt. Moderne Heizungsanlagen sind clever. In ihnen wird die Vorlauftemperatur an die Witterungsverhältnisse angepasst.

Im Sommer bleibt die Heizung gänzlich aus. Ist es draußen kälter als die gewünschte Innenraumtemperatur, was in mitteleuropäischen Breiten häufig der Fall ist, muss warmes Wasser dem Heizsystem zugeführt werden. Dann steigt die Vorlauftemperatur, damit es drinnen gleichbleibend mollig warm ist.

Überheizen bei zu hoher Voreinstellung

Grafische Erklärung der Heizkennlinie

Hier kommt dann die Heizkennlinie ins Spiel. Mit ihr stellen Sie als Hausbesitzer ein, dass eben genannte Vorlauftemperatur entsprechend der draußen herrschenden Temperatur genau im richtigen Maß ansteigt. Die erste Heizkennlinien-Einstellung übernimmt üblicherweise der Heizungsinstallateur. Dabei orientiert er sich an räumlichen Bedingungen sowie der vorhandenen Heizungsanlage. Er gibt dem System durch die gewählte Heizkennlinie eine gewünschte Innentemperatur vor sowie die Steigerungskurve der Vorlauftemperatur bei sich ändernder Außentemperatur. Dabei geschieht es häufiger, dass die Heizkennlinie nicht optimal voreingestellt wird.

Häuser mit hohen Wärmeverlusten benötigen eine steil eingestellte Heizkennlinie, das heißt: die Vorlauftemperatur steigt stark an, wenn es draußen kälter wird. Haben Sie dagegen ein gut gedämmtes Gebäude, werden Sie mit einer flacher ansteigenden Kurve auskommen, besonders wenn Sie eine Flächenheizung wie eine Fußbodenheizung haben. Ist die Heizkennlinie dann zu steil eingestellt, überheizen Sie bei kaltem Wetter leicht und verschwenden Energie.

Mit Erfahrung zur optimalen Einstellung der Heizkennlinie

Wollen Sie die optimale Einstellung der Heizkennlinie finden, sollten Sie über einen längeren Zeitraum beobachten und nachregeln. So können Sie die Vorlauftemperatur schrittweise reduzieren und die Wirkung über die Zeit verfolgen. Ziel ist natürlich, sie so niedrig wie möglich zu halten – eben so, dass sie gerade noch ausreicht, dass Ihnen in den eigenen vier Wänden nicht kalt wird.

Heizverhalten des Heizkessels ändern

Neigung der Heizkennlinie

Mit der Neigung der Heizkennlinie wird vorgegeben, wie stark die Vorlauftemperatur verändert werden muss, wenn sich die Außentemperatur ändert. Die einzustellende Neigung hängt ab von der Wärmedämmung des Hauses und der der Art der Heizflächen.

Faustregel:

  • Gut wärmegedämmtes Haus mit Radiatoren: 1,0 – 1,2
  • Gut wärmegedämmtes Haus mit Fußbodenheizung: 0,3 – 0,5
  • Alteres Gebäude (Radiatoren) in freier Lage: 1,4 – 1,6

Niveau der Heizkennlinie

Das Niveau der Heizkennlinie steht für die angestrebte Raumtemperatur. Für die Grundeinstellung 0 wird eine gewünschte Raumtemperatur von 20 °Celsius angenommen. Wird eine höhere Temperatur gewünscht, so ist das Niveau entsprechend zu erhöhen. Anpassungen bestehender Heizungsanlagen sollten folgendermaßen vorgenommen werden:

Raumtemperatur/Anpassung

  • generell zu niedrig: Niveau erhöhen
  • insbesondere an kalten Tagen zu niedrig: Neigung erhöhen
  • in der Übergangszeit zu gering, an kalten Tagen ok: Niveau erhöhen, Neigung senken
  • in der Übergangszeit zu hoch, an kalten Tagen ok: Niveau senken, Neigung erhöhen

Nachtabsenkung

Bei der Nachtabsenkung (reduzierter Betrieb) wird die normale Heizkennlinie genutzt, die von der Regelung zu festgelegten Tageszeiten auf geringere Raum-Solltemperaturen verschoben wird. Im Allgemeinen kann in Wohnhäusern zwischen 22 und 6 Uhr, in Bürogebäuden zwischen 17 und 6 Uhr und zusätzlich an Wochenenden die Raumtemperatur abgesenkt sein. 

Für den reduzierten Betrieb genügt in der Regel eine eingestellte Mindestraumtemperatur von 3 °C (Frostschutz). Während der kalten Tage mit Dauerfrost kann vorübergehend ein höherer Wert (zum Beispiel 10 bis 15 °C) sinnvoll sein, damit die Raumtemperaturen nicht zu sehr absinken und die Wiederaufheizung am Morgen nicht zu lange dauert. Wegen des Zeitverzuges, mit dem nach dem Absenken der Vorlauftemperatur die Raumtemperaturen sinken, kann der reduzierte Betrieb je nach Speichermasse des Gebäudes etwa 30 bis 120 Minuten vor Ende des Heizbedarfs beginnen und sollte morgens entsprechend etwa 30 bis 120 Minuten früher wieder starten. Für massive Gebäude gelten dabei längere Zeitintervalle, für leichtere Bauarten eher kurze Zeiten. In Gewerbeobjekten mit Wochenendabsenkung sollte zu Wochenbeginn eine doppelte Wiederaufheizzeit berücksichtigt werden. Die morgendliche Trinkwassererwärmung sollte zu Beginn des Heizbetriebes bereits abgeschlossen sein, damit die volle Kesselleistung für die Raumheizung zur Verfügung steht.

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