Der Wasserdruck bei Heizung und seine Aufgabe 

Werden die Räume nicht mehr gleichmäßig oder zuverlässig warm, kann es häufig am zu niedrigen Wasserdruck der Heizung liegen. Wie hoch dieser bei einer Heizungsanlage sein muss und wie Sie ihn erhöhen können, darum geht es in diesem Artikel.  

Warum ist der Wasserdruck bei einer Heizungsanlage notwendig?

Um die Rolle des Wasserdrucks bei einer Heizungsanlage verstehen zu können, ist es hilfreich, den Heizkreislauf zu kennen. Ein Heizkessel erzeugt Wärme (zum Beispiel durch Verbrennung eines Brennstoffs) und erwärmt dadurch das Heizwasser. Dieses fließt über Heizungsrohre zu den einzelnen Heizkörpern und gibt die thermische Energie an die Räume ab, in denen sich die Heizkörper befinden. Dabei kühlt sich das Heizwasser ab und fließt als Rücklaufwasser zurück zum Heizkessel. Der Vorgang kann wieder von vorn beginnen. In vielen Häusern steht der Heizkessel in einem dafür vorgesehenen Raum. Dieser befindet sich meist im unteren Bereich des Gebäudes. Die zu beheizenden Räume liegen aber darüber. Damit das Heizwasser diese Entfernung überbrücken kann, benötigt eine Heizungsanlage eine Heizungspumpe.  

Die Heizungspumpe und der Wasserdruck

Um das Heizwasser zu den einzelnen Heizkörpern transportieren zu können, muss die Heizungspumpe einen bestimmten Druck erzeugen. Die dafür verwendete Einheit heißt Bar. Ein Bar entspricht etwa dem Luftdruck auf der Erdoberfläche oder dem Überdruck des Wassers in zehn Meter Tiefe. Wer den Wasserdruck von einem Bar erzeugen bzw. spüren möchte, muss nicht gleich zehn Meter tief tauchen. Die Antwort liefert auch der Versuch mit einem gefüllten Wasserschlauch, dessen Enden unterschiedlich verschlossen sind.

  1. An ein Schlauchende wird ein sogenanntes Manometer (Druckmesser) angebracht.
  2. An das andere Schlauchende kommt ein normaler Verschluss.
  3. Liegt der Schlauch komplett auf dem Boden, zeigt das Manometer einen Wasserdruck von 0 Bar an.
  4. Hebt man das Schlauchende mit dem normalen Verschluss um einen Meter an, erhöht sich der Wasserdruck um 0,1 Bar.
  5. Bei einer Erhöhung um einen weiteren Höhenmeter steigt der Wasserdruck parallel dazu um 0,1 Bar.
  6. Bei einer Höhe von zehn Metern beträgt der Wasserdruck ein Bar.  

Den passenden Wasserdruck für die Heizung ermitteln

Anhand dieses Versuchs lässt sich zeigen, dass der Wasserdruck je Höhenmeter um etwa 0,1 Bar steigt. Beträgt der Höhenunterschied zwischen Heizkessel und Heizkörper fünf Meter, ist folglich ein Wasserdruck der Heizung von 0,5 Bar notwendig. Bei einem Höhenunterschied von zehn Metern würde der Wasserdruck ein Bar hoch sein. Wichtig: Die hier genannten Zahlen sind nur Richtwerte und keinesfalls absolut. Denn der Anlagendruck ist nie konstant und immer individuell anzupassen.   

Einflussfaktoren auf den Wasserdruck der Heizung

Wollen Anlagenbesitzer den genauen Wasserdruck ihrer Heizung ermitteln, dürfen sie die physikalischen Eigenschaften des Wassers nicht außer Acht lassen. Wird Wasser erhitzt, dehnt es sich aus und es kommt zu einem Druckanstieg in der Anlage. Folglich hat die Anlagentemperatur einen großen Einfluss auf den Wasserdruck. Außerdem entsprechen die oben genannten Richtwerte nur dem Mindestdruck. Nicht zuletzt werden in der Praxis auf diesen noch etwa 0,3 Bar aufgeschlagen, um eventuelle Druckverluste auszugleichen. Als Orientierung geben Experten für ein durchschnittliches Einfamilienhaus einen Wasserdruck von 1-2 Bar an. Wer den genauen Wasserdruck für seine Heizung ermitteln möchte, sollte am besten einen Installateur beauftragen. 

Das Manometer zeigt den Wasserdruck einer Heizung an
© flashpics | Fotolia

Folgen zu geringer oder zu hoher Wasserdruck

Der Wasserdruck ist notwendig, um das Heizwasser auch zu den entferntesten Heizkörpern zu transportieren. Ein zu geringer Wasserdruck der Heizung führt meist dazu, dass nur Heizkörper heiß werden, die sich unweit vom Heizkessel befinden. Ein zu hoher Wasserdruck hingegen hängt häufig mit dem Ausdehnungsgefäß zusammen. Letzteres sorgt für einen gleichbleibenden Anlagendruck und sollte unbedingt zur Anlage passen. 

Wasser nachfüllen und Wasserdruck erhöhen

Die Heizungsanlage ist theoretisch ein geschlossenes System. Dennoch gelangt Luft auf viele Wege in den Kreislauf und verhindert einen optimalen Kreislauf. In einigen Fällen sorgen auch defekte Komponenten wie das Membrandruckausdehnungsgefäß oder Sicherheitsventil dafür, dass die Anlage Wasser verliert und der Wasserdruck dadurch sinkt. Was folgt, sind eine geminderte Heizleistung und manchmal auch ungewöhnliche Geräusche. Was hilft, ist das Heizungswasser nachzufüllen. Nicht zuletzt verursacht die Heizungspumpe bei zunehmendem Druck mehr Kosten, da sie mehr Leistung aufbringen muss.

Wie bereits erwähnt, erhalten Anlagenbesitzer den optimalen Wasserdruck für ihre Heizung meist von einem Heizungsfachmann. Wer das Nachfüllen selbst erledigen möchte, kann das eingebaute Manometer als Orientierungshilfe nehmen. Auf diesem sind in der Regel ein Pfeil und eine grüne Markierung zu sehen. Letztere zeigt den Bereich an, der für die Heizungsanlage optimal ist. Wie der Nachfüllvorgang im Detail aussieht, erklärt der Beitrag "Heizwasser nachfüllen".  

Bild unseres Autoren Minh Duc Nguyen

Fazit von Minh Duc Nguyen

Damit das Heizwasser vom Wärmeerzeuger zu den Heizkörpern gelangen kann, muss es mit einem bestimmten Druck gepumpt werden. Der Wasserdruck der Heizung ist nie konstant und variiert je nach Anlage und Gebäude. Wer den genauen Wert ermitteln möchte, sollte einen Heizungsfachmann beauftragen. Dieser kann bei Bedarf auch das Heizwasser nachfüllen.

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