Fernwärme: Wie eine Fernheizung funktioniert

Im Winter soll es in den eigenen vier Wänden stets angenehm warm sein – die Heizarten, die dies möglich machen, sind vielfältig. Eine Möglichkeit ist die sogenannte Fernheizung. Fernwärme versorgt heutzutage viele private Haushalte, Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen ganzer Städte oder Stadtteile mit der erforderlichen Energie für Heizung oder Warmwasser. Dies geschieht mithilfe von gut gedämmten Rohrleitungen. Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit eine solche Heizung funktioniert und sich zudem auch noch rechnet, wird im Folgenden erklärt.

Was ist Fernwärme?

Fernwärme (umgangssprachlich auch Fernheizung genannt) wird meist im Rahmen einer Kraft-Wärme-Kopplung zusammen mit Strom erzeugt. An einem zentralen Ort wird also in einem Heizwerk oder einem Heizkraftwerk durch verschiedene Prozesse Wärme erzeugt. Ein klassisches Heizwerk stellt zum Beispiel eine Müllverbrennungsanlage dar. Bei einer solchen wird die bei der Verbrennung von Abfällen entstehende Wärme genutzt. Diese thermische Energie geht auf ein Wärmeträgermedium über. Mittels Rohrleitungen, die gut gedämmt sind, wird die für Heizung und Warmwasser erforderliche Wärme dabei direkt zum Verbraucher transportiert; also an ein angeschlossenes Gebiet verteilt. In dem jeweiligen Anschlussgebiet befinden sich Haushalte, die auf eine lokale Heizung verzichten, ihre Häuser über die Fernheizung beheizen und die Trinkwassererwärmung ebenfalls über die Fernwärme betreiben.

Wie wird die Fernwärme zum Abnehmer transportiert?

Dies geschieht in der Regel unter der Erde, kann jedoch auch über Freileitungen erfolgen. Oft werden auf diese Weise ganze Städte oder Stadtteile versorgt. Die Wärme, die durch die Leitungen an der jeweiligen Fernwärmeübergabestation ankommt, wird dazu mithilfe von Heißwasser transportiert. Dieses wird dem Systemkreislauf nach dem Abkühlen wieder zugeführt. Die Erzeugung von Wärme ist mit zahlreichen Brennstoffen möglich – also auch mit regenerativen Energien. Übrigens: Geht es nur um einzelne Verbrauchereinheiten oder um kleinere Siedlungen, die ihre eigene Wärme erzeugen, spricht man auch von Nahwärme.

Das Bild zeigt die Leitung eines Fernwärmenetzes, welche eine Fernheizung mit thermischer Energie versorgen.
© tinadefortunata / Fotolia

Systeme für die Nutzung der Fernwärme

Um Fernwärme zu nutzen, kommen verschiedene Systeme zum Einsatz: Zum einen ist es möglich, in einem Durchflusssystem mitsamt Wärmetauscher das benötigte Wasser zu erwärmen. Das Prinzip entspricht im Großen und Ganzen dem eines elektrischen Durchlauferhitzers. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Wärmequelle kein elektrischer Heizstab, sondern das durchfließende Wärmeträgermedium aus dem Fernwärmekreislauf ist.

Eine andere Möglichkeit ist ein Speichersystem, bei dem das Wärmeträgermedium einen Wasserspeicher erwärmt, der sich direkt im Haus befindet. Dieser speist dann bei Bedarf den Haushalt. Nachteil dieses Systems: Sollte der Speicher durch eine plötzliche Entnahme leer sein, muss dieser erneut erwärmt werden, ehe wieder Wärme zur Verfügung steht. Die dritte Variante ist eine Kombination aus Speicher und Durchflusssystem, das sogenannte Speicher-Lade-System.

Welche Wärmequellen speisen die Fernheizung?

Neben der bereits erwähnten Müllverbrennungsanlage, die als Heizwerk dient, können auch andere Heizwerke oder Heizkraftwerke zum Einsatz kommen. So ist es möglich, moderne Gas-und-Dampf-Kraftwerke, kurz GuD-Kraftwerke, zu betreiben. Bei der Verbrennung von Gas erzeugen diese sowohl Strom als auch Wärme. Hierbei wird der Abgasstrom aus der Gasverbrennung über eine Turbine geleitet, die an einen Generator angeschlossen ist, um Strom zu erzeugen. Beim Austritt aus der Turbine ist die Temperatur des Gases noch so hoch, dass es genutzt werden kann, um das Wärmeträgermedium einer Fernheizung zu erhitzen. In einem klassischen Gaskraftwerk würde diese Wärme ungenutzt verloren gehen.

Ebenso sind weitere Kombinationskraftwerke gebräuchlich, die oft als Blockheizkraftwerke (BHKW) bezeichnet werden. Alle zeichnet aus, dass sie Kraft und Wärme bei der Erzeugung koppeln. Dies hat den Vorteil, dass der Gesamtwirkungsgrad der Kombinationskraftwerke im Vergleich zu klassischen Heizwerken oder Kraftwerken sehr hoch ist.

Welche Voraussetzungen und Bedingungen müssen erfüllt sein?

Schild mit der Aufschrift Fernwärme
© blende11.photo / Fotolia

Wichtigste Voraussetzung, um eine Fernheizung zu nutzen, ist zunächst einmal, dass sich der Haushalt im Anschlussgebiet eines Fernwärmenetzes befindet. In Städten gibt es diese oft. Und durch die Entwicklung der Kombinationskraftwerke wachsen die Fernwärmenetze stetig. Oft koppeln die Anbieter der Fernheizung ihre Verträge jedoch an Mindestabnahmemengen. Das stellt vor allem für Besitzer moderner Energiesparhäuser ein Problem dar, denn diese liegen in der Regel unterhalb der geforderten Mindestmengen.

Bohrungen müssen vorgenommen werden

Für den Anschluss an das Fernheizungsnetz müssen in die Gebäudehülle, also die Außenwand des Hauses, zwei Bohrungen für den Zu- und den Rücklauf des Wärmeträgermediums vorgenommen werden. Außerdem muss es möglich sein, einen Anschluss an der nächstgelegenen Fernwärmeleitung zu schaffen. Solche befinden sich meist unterirdisch, in seltenen Fällen ist aber auch eine überirdische Führung möglich. Im Inneren des Gebäudes ist außerdem ein Wärmetauscher zu installierten, der die Wärmeübertragung zwischen Wärmeträgermedium und Heizkreislauf im Gebäude übernimmt. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, steht dem Anschluss einer Fernheizung prinzipiell nichts mehr im Wege.

Wie gestaltet sich die aktuelle Fernwärmeversorgung in Deutschland?

In Deutschland ist ein Ungleichgewicht beim Anteil der Fernwärme in den neuen und alten Bundesländern zu verzeichnen: Während in den alten Ländern nicht ganz 10 Prozent der Haushalte Fernwärme nutzen, sind es in den neuen Ländern nahezu ein Drittel. Die maximale Vertragslaufzeit beträgt in Deutschland jedoch nur zehn Jahre, wodurch die Planungssicherheit erschwert wird. Außerdem kommt es zu einem Rückgang der Fernwärmenutzung durch die immer besser gedämmten Immobilien. In Deutschland ist es in Neubaugebieten aus Naturschutzgründen möglich, dass Kommunen von den Bewohnern die Fernwärmenutzung verlangen.

Wie viel kostet Fernwärme?

Aus den Voraussetzungen für die Fernwärme leiten sich bereits die grundlegenden Kostenpunkte für die Installation der Fernheizung ab. Diese bestehen im Wesentlichen aus den Kosten für die Erstellung des Hausanschlusses, also der Verlegung der Anschlussrohre auf dem Grundstück, sowie der Erweiterung des Fernheizungsnetzes bis zum Anschlusspunkt. Einen Teil der Kosten zur Erweiterung des Fernwärmenetzes tragen hierbei die Versorger selbst, da sie ein allgemeines Interesse daran haben, die Wärme effektiv abzugeben. Denn Heizwerke können immer nur so viel Wärme in das Netz einspeisen, wie gleichzeitig entnommen wird. Hinzu kommen die Kosten für die Fernwärmeübergabestation im eigenen Haus.

Kosten im Vergleich zu anderen Heizungsarten eher gering

Zu den laufenden Fixkosten gehört die finanzielle Aufwendung für die Bereitstellung der Energie, also die Garantie, dass bei Wärmeabruf auch Wärme vorhanden ist. Daneben fallen Kosten für die verbrauchte Energie an, gemessen in Kilowattstunden. Ein weiterer Faktor, der beachtet werden sollte, sind die Zählerkosten: Ähnlich wie bei Strom oder Gas ist eine Gebühr, quasi als Zählermiete, zu entrichten. Generell gelten die laufenden Kosten einer Fernheizung im Vergleich zu anderen Heizungsarten jedoch als gering, wobei dies natürlich stets vom individuellen Verbrauch abhängt. Ausführliche Informationen zu allen Kostenfaktoren finden Sie im Beitrag: "Typische Fernwärme-Kosten im Überblick".

Entscheidungshilfe: Vor- und Nachteile von Fernwärme

Vorteile:

  • Eine Vielzahl von Brennstoffen lässt sich für die Fernwärme nutzen. Somit ist sie auch für die Nutzung der umweltfreundlichen regenerativen Energien ein Gewinn.
  • Fernwärmenutzung kann den Ausstoß an schädlichem CO2 deutlich verringern und damit zum Umweltschutz beitragen.
  • Die Übergabestation in einem Haus ist mit vergleichsweise geringen Anschaffungs-, Betriebs- und Wartungs- Kosten für die Fernwärme verbunden.
  • Die zentrale Leitung für viele Versorgungsstationen macht einen erhöhten Bauaufwand in Verbindung mit allen dafür anfallenden Kosten hinfällig.
  • Die Fernwärme kann mit jedem Heizsystem kombiniert werden. Sie eignet sich auch für die Versorgung von Ein- und Mehrfamilienhäusern mit älteren Standards.

Nachteile:

  • In Deutschland gilt eine Vertragslaufzeit für Fernwärmenutzung von nur maximal zehn Jahren.
  • Die Rohrleitungen sind sehr lang, sodass Energieverluste vorprogrammiert sind.
  • Wird ein Haus nur mit Heizungswärme versorgt, ist für das Warmwasser ein Durchlauferhitzer notwendig, der hohe Stromkosten verursachen kann.
  • In vielen Regionen besteht ein Zwang zum Anschluss an das Wärmenetz
Heizung.de Autor Philipp Hermann
Fazit von Philipp Hermann
Eine Fernheizung ist eine gute Alternative, wenn sich der Haushalt im Anschlussgebiet eines Fernwärmeversorgers befindet. Allerdings sollten viele Faktoren, wie die vertraglich festgelegte Mindestleistung, berücksichtigt werden. Auch die bauliche Veränderung am Gebäude ist hierbei zu bedenken. Vorteilhaft ist, dass kein Platz benötigt wird, um zum Beispiel Öl zu bevorraten.
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