Das Prinzip der Fernheizung

Im Winter soll es in den eigenen vier Wänden stets angenehm warm sein – die Heizarten, die dies möglich machen, sind jedoch vielfältig. Viele Eigenheimbesitzer entscheiden sich hierbei für eine Fernheizung. Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit eine solche Heizung funktioniert und sich zudem auch noch rechnet, wird im Folgenden erklärt.

Das Funktionsprinzip der Fernheizung

Prinzipiell funktionieren Fernheizungen immer gleich: An einem zentralen Ort wird in einem Heizwerk oder einem Heizkraftwerk durch verschiedene Prozesse Wärme erzeugt. Ein klassisches Heizwerk stellt zum Beispiel eine Müllverbrennungsanlage dar. Bei einer solchen wird die bei der Verbrennung von Abfällen entstehende Wärme genutzt. Diese thermische Energie geht auf ein Wärmeträgermedium über. Über Leitungen wird die Wärme in ein angeschlossenes Gebiet verteilt, in dem die Abnehmer wohnen. In dem jeweiligen Anschlussgebiet befinden sich Haushalte, die auf eine lokale Heizung verzichten, ihre Häuser über die Fernheizung beheizen und die Trinkwassererwärmung ebenfalls über die Fernwärme betreiben. 

Verschiedene Systeme für die Nutzung der Fernwärme

Hierfür gibt es verschiedene Systeme: Zum einen ist es möglich, in einem Durchflusssystem mitsamt Wärmetauscher das benötigte Wasser zu erwärmen. Das Prinzip entspricht im Großen und Ganzen dem eines elektrischen Durchlauferhitzers. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Wärmequelle kein elektrischer Heizstab, sondern das durchfließende Wärmeträgermedium aus dem Fernwärmekreislauf ist.

Eine andere Möglichkeit ist ein Speichersystem, bei dem das Wärmeträgermedium einen Wasserspeicher erwärmt, der sich im Haushalt befindet. Dieser speist dann bei Bedarf den Haushalt. Nachteil dieses Systems ist, dass der Speicher, sollte er durch eine plötzliche Entnahme leer sein, erneut erwärmt werden muss, ehe wieder Wärme zur Verfügung steht. Als dritte Variante ist eine Kombination aus Speicher und Durchflusssystem, das sogenannte Speicher-Lade-System.

Das Bild zeigt die Leitung eines Fernwärmenetzes, welche eine Fernheizung mit thermischer Energie versorgen.
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Mögliche Wärmequellen

Neben der bereits erwähnten Müllverbrennungsanlage, die als Heizwerk dient, können auch andere Heizwerke oder Heizkraftwerke zum Einsatz kommen. So ist es möglich, moderne Gas-und-Dampf-Kraftwerke, kurz GuD-Kraftwerke, zu betreiben, die bei der Verbrennung von Gas sowohl Strom als auch Wärme erzeugen. Hierbei wird der Abgasstrom aus der Gasverbrennung über eine Turbine geleitet, die an einen Generator angeschlossen ist, um Strom zu erzeugen. Beim Austritt aus der Turbine hat das Gas noch eine so hohe Temperatur, dass es genutzt werden kann, um ein Wärmeträgermedium zu erhitzen und somit eine Fernheizung zu bedienen. In einem klassischen Gaskraftwerk würde die hier genutzte Wärme ungenutzt verloren gehen.

Ebenso sind weitere Kombinationskraftwerke gebräuchlich, die oft als Blockheizkraftwerke (BHKW) bezeichnet werden. Alle zeichnet aus, dass sie Kraft und Wärme bei der Erzeugung koppeln. Dies hat den Vorteil, dass der Gesamtwirkungsgrad der Kombinationskraftwerke im Vergleich zu klassischen Heizwerken oder Kraftwerken sehr hoch ist.

Voraussetzungen für eine Fernheizung

Wichtigste Voraussetzung, um eine Fernheizung zu nutzen, ist zunächst einmal, dass sich der Haushalt, der beheizt werden soll, im Anschlussgebiet eines Fernwärmenetzes befindet. In Städten gibt es oft Fernwärmenetze und durch die Entwicklung der Kombinationskraftwerke wachsen diese auch stetig. Momentan verfügen etwa 14 Prozent der deutschen Haushalte über einen Fernwärmeanschluss. Oft koppeln die Anbieter der Fernheizung ihre Verträge an Mindestabnahmemengen, was vor allem für moderne Energiesparhäuser ein Problem darstellt, da diese in der Regel unterhalb der geforderten Mindestmengen liegen.

Bohrungen müssen vorgenommen werden

Für den Anschluss an das Fernheizungsnetz müssen in die Gebäudehülle, also die Außenwand des Hauses, zwei Bohrungen für den Zu- und den Rücklauf des Wärmeträgermediums vorgenommen werden. Außerdem muss es möglich sein, einen Anschluss an der nächstgelegenen Fernwärmeleitung zu schaffen. Solche befinden sich meist unterirdisch, in seltenen Fällen ist aber auch eine überirdische Führung möglich. Im Inneren des Gebäudes wird dann ein Wärmetauscher installiert, der die Wärmeübertragung zwischen Wärmeträgermedium und Heizkreislauf im Gebäude übernimmt. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, steht einem Anschluss einer Fernheizung prinzipiell nichts mehr im Wege.

Kostenpunkte bei der Fernheizung

Aus den Voraussetzungen für die Fernheizung leiten sich bereits die grundlegenden Kostenpunkte für die Installation der Fernheizung ab. Diese bestehen im Wesentlichen also aus den Kosten für die Erstellung des Hausanschlusses, also der Verlegung der Anschlussrohre auf dem Grundstück, sowie der Erweiterung des Fernheizungsnetzes bis zum Anschlusspunkt. Einen Teil der Kosten zur Erweiterung des Fernwärmenetzes tragen hierbei die Versorger selbst, da sie ein allgemeines Interesse daran haben, die Wärme effektiv abzugeben. Denn Heizwerke können immer nur so viel Wärme in das Netz einspeisen, wie gleichzeitig entnommen wird. Hinzu kommen die Kosten für die Fernwärmeübergabestation im eigenen Haus.

Kosten im Vergleich zu anderen Heizungsarten eher gering

Zu den laufenden Fixkosten gehört die finanzielle Aufwendung für die Bereitstellung der Energie, also die Garantie, dass bei Wärmeabruf auch Wärme vorhanden ist. Daneben bestehen die Kosten für die verbrauchte Energie, gemessen in Kilowattstunden.

Ein weiterer Faktor, der beachtet werden sollte, sind die Zählerkosten: Ähnlich wie bei Strom oder Gas ist eine Gebühr, quasi als Zählermiete, zu entrichten. Generell gelten die laufenden Kosten einer Fernheizung im Vergleich zu anderen Heizungsarten jedoch als gering, wobei dies natürlich stets vom individuellen Verbrauch abhängt.

Die Vor- und Nachteile der Fernheizung auf einem Blick

VorteileNachteile
geringe Fixkostenhohe Wärmeverluste beim Wärmetransport
wenig Platzbedarfkeine flächendeckende Verfügbarkeit
sauberer Betriebnicht immer in beliebigen Leistungsstufen erhältlich
kombinierbar mit anderen Heizungsarten
Heizung.de Autor Philipp Hermann
Fazit von Philipp Hermann
Eine Fernheizung ist eine gute Alternative, wenn sich der Haushalt im Anschlussgebiet eines Fernwärmeversorgers befindet. Allerdings sollten viele Faktoren, wie die vertraglich festgelegte Mindestleistung, berücksichtigt werden. Auch die bauliche Veränderung am Gebäude ist hierbei zu bedenken. Vorteilhaft ist, dass kein Platz benötigt wird, um zum Beispiel Öl zu bevorraten.
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