Ratgeber: So finden Sie die richtige Heizung!

Laut einer aktuellen Studie des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. zum deutschen Heizungsmarkt sind fast ein Drittel der derzeit betriebenen Heizungen 20 Jahre alt und oder älter. Im Vergleich zu modernen Heizungen verursachen alte Heizungen höhere Energiekosten sowie höhere CO2-Emissionen. Wer an beidem sparen will, sollte die alte Heizung austauschen. Dieser Ratgeber soll dabei helfen, die richtige Heizung zu finden.

Die Wahl einer neuen Heizung muss wohl überlegt sein. Schließlich soll die richtige Heizung dem Verbraucher bequem, energie- und kostenbewusst warme Räume und Warmwasser bescheren – und das über Jahrzehnte hinweg. Ohne Kenntnis des Wärmebedarfs des Gebäudes kommt man auf der Suche nach der richtigen Heizung nicht weit.

Junge Frau steht vor einer Auswahl an Heizsystemen und versucht die richtige Heizung zu finden

Heizlast berechnen: Erster Schritt auf der Suche nach der richtigen Heizung

Der Wärmebedarf lässt sich mit einer Heizlastberechnung ermitteln. Mit dem genormten Rechenverfahren ergibt sich, wie viel Wärme einem einzelnen Raum oder einem Gebäude zugeführt werden muss, um dort eine gewünschte Temperatur zu erzielen und diese dauerhaft zu halten. Die Heizlastberechnung ist sowohl für die Dimensionierung einer Heizungsanlage im Neubau (gemäß der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C, kurz: VOB/C) als auch einer neuen Heizungsanlage im Altbau nötig. Sie ist nachzuweisende Voraussetzung für die Vergabe von Fördermitteln seitens der Bankengruppe der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Auch die Energieeinsparverordnung (EnEV) schreibt sie in ihrem Paragraf 14 indirekt vor. Die Heizlastberechnung liefert Angaben zur maximalen Leistung in Kilowatt (kW), die ein Heizkessel erbringen muss, und zur Größe der entsprechend passenden Heizflächen.

Heizungssysteme im Überblick

Wer nach der richtigen Heizung sucht, muss die individuellen Gegebenheiten beachten:

Alte Öl-/Gaskessel mit Brennwerttechnik ersetzen

Ein alter Standard-Öl-/Gaskessel oder Niedertemperatur-Öl-/Gaskessel wird häufig durch moderne Öl-Brennwertkessel oder Gasbrennwertkessel ersetzt. Der Tausch der klassischen Heizungen ist preiswert. Selbst gegebenenfalls nötige Sanierungsarbeiten am Schornstein sind zügig ausführbar. Für die Brennwerttechnik spricht, dass sie gegenüber herkömmlicher Verbrennungstechnologie einen größeren Anteil der Brennstoffenergie nutzbar macht. Zudem verwendet sie auch die Wärme, die bislang ungenutzt über den Schornstein verloren ging, zum Heizen des Gebäudes. Vorhandene Anschlüsse für Gas und Öltanks lassen sich nach dem Austausch der Heizung weiter nutzen. Auch das hält die Kosten für den Heizungstausch niedrig.

Zusätzlich produzierte Wärme kann dem Heizkreislauf zugeführt werden

Wer wegen des vorhandenen Gasanschlusses mit der richtigen Heizung auch künftig auf den Brennstoff Gas setzen will, dem sei gesagt, dass KWK-Geräte, kurz für Kraft-Wärme-Kopplung, einen Zusatznutzen in Form von Strom zum Eigenverbrauch liefern können. Die zusätzlich produzierte Wärme kann zudem dem Heizkreislauf zugeführt werden. Und auch das Thema Brennstoffzelle sollte man in Betracht ziehen, wenn man weiterhin mit Gas heizen möchte. Die entsprechenden Geräte erzeugen aus Gas Wasserstoff, der in Reaktion mit Sauerstoff Wärme erzeugt.

Neue Heiztechniken: Wärmepumpe und Holzpelletheizung

Ist kein Gasanschluss vorhanden und wird im Rahmen der Entscheidung für eine neue Heizung mehr Wert auf dauerhaft niedrige Heizkosten gelegt, sind alternative Heiztechniken wie Wärmepumpe oder Pelletheizung womöglich die richtige Heizung. Wärmepumpen erzeugen Heizwärme, indem sie dem Erdboden oder der Umgebungsluft Wärme entziehen. Sie verursachen allerdings Betriebskosten in Form von Stromverbrauch. Dieser lässt sich jedoch über spezielle Tarife, die die Stromanbieter für Wärmepumpenbetreiber bereithalten, decken. Eine Pelletheizung heizt mit der Biomasse Holz. Der Brennstoff kommt in Form von stäbchenförmigen Holzpresslingen daher, sogenannte Holzpellets, die einen Durchmesser von weniger als 25 Millimetern haben. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der beim Verbrennen weitaus weniger CO2-Emissionen verursacht als fossile Brennstoffe.

Die Anschaffungskosten von Wärmepumpe und Pelletheizung sind in der Regel höher als die von Gas-/Öl-Heizgeräten mit Brennwerttechnik. Dafür sind die Heizkosten niedriger. Außerdem wird man unabhängig von fossilen Brennstoffen und ihren in der Regel steigenden Preisen. Zudem ist es wichtig, dass beispielsweise eine Erdwärmepumpe auch Platz auf dem Grundstück braucht, um dort die unterirdischen Wärmekollektoren großflächig beziehungsweise via Tiefenbohrung zu verlegen. Für den reibungslosen und effizienten Betrieb einer automatisierten Holzpelletheizung ist es nötig, einen entsprechenden Lagerplaz oder Lagerraum für die Pellets einzurichten. Ein üblicher Pelletvorrat beläuft sich auf mehrere Tonnen Brennstoff. Hierbei liegt die durchschnittliche Schüttdichte bei 650 Kilogramm pro Kubikmeter.

Kaminofen und Solarthermie als Extra-Wärmerzeuger

Ein sogenannter Kaminofen zum Verfeuern von Holz erlebt derzeit eine Renaissance. Er wird in erster Linie wegen des behaglichen Wohnkomforts installiert, den er ins Haus bringt. Allerdings lässt sich dessen Wärme auch für die Heizung des ganzen Hauses nutzen, wenn sie zuvor in einem zentralen Wärmespeicher gepuffert wird. Dies funktioniert mit entsprechender Anpassung des Geräts oder mit dem Kauf eines sogenannten wasserführenden Kaminofens. Hierbei handelt es sich um einen Kaminofen mit Wassertasche, den man an eine zentrale Heizungsanlage anschließt. So wird der Kaminofen zum ergänzenden Wärmeerzeuger. Auch eine Anlage für Solarthermie kann die richtige Wahl für eine neue Heizung sein, beziehungsweise die neue Heizung als weiterer Wärmerzeuger ergänzen.

Stimmen die für die Gewinnung von Solarwärme nötigen Voraussetzungen, erzeugen die Kollektoren der Solarnlage Heizwärme aus der gratis von der Sonne angelieferten Sonnenenergie. Als günstige Voraussetzung für hohe Erträge gilt beispielsweise ein Dach mit gen Süden ausgerichteter, geneigter Dachfläche. Die Solarwärme wird über die Zwischenlagerung in einem geeigneten Pufferspeicher zum Heizen der Räume und/oder zum Erwärmen des Trinkwassers für den Haushalt benutzt.

In der Praxis sind wasserführende Kaminöfen und Solarthermie-Anlagen heute vor allem als sekundäre Wärmeerzeuger im Einsatz. Sie unterstützen die vorgenannten Heizungssysteme. Eher selten werden sie als primärer Wärmelieferant eingesetzt.

Vor dem Kauf der vermeintlich richtigen Heizung: Expertenrat einholen!

Ein Mann und eine Frau lassen sich zu der richtigen Heizung beraten

Die Entscheidung für eine neue Heizung ist ohne den fachkompetenten Rat von Experten, die die individuellen Voraussetzungen des Bauprojekts kennen, kaum zu treffen. Wir helfen Ihnen bei der Suche nach einem geeigneten Heizungsinstallateur für Ihr Projekt. Online finden sich zudem praktische Tools, um sich über die bei einer Modernisierung der Heizung anfallenden Arbeiten und Kosten zu informieren. Der Heizung.de Energie-Spar-Check hilft Ihnen bei der Suche und Wahl der richtigen Heizung für Ihr Haus.

Doreen Brumme

Fazit von Doreen Brumme

Ein Großteil der hierzulande betriebenen Heizungen ist zu alt. Die veraltete Heiztechnik bremst die Wärmewende und geht zu Lasten der Umwelt. Wer nach der richtigen Heizung sucht, sollte nicht nur niedrige Anschaffungskosten anstreben, sondern auf zukunftsträchtige Heiztechnologie und erneuerbare Energiequellen setzen, die die Umwelt und das Heizkostenbudget schonen.

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