Selbstversorgung im Bioenergiedorf

Selbstversorgung ist Trumpf. Das gilt in erster Linie für das eigene Heim, kann aber auch auf ganze Straßenzüge oder Dörfer ausgedehnt werden. Bei einem Bioenergiedorf schließen sich möglichst viele Bewohner zusammen, um gemeinsam eine nachhaltige Energieversorgung zu sichern. Eigenversorgung ist somit der beste Weg, um die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen und dem öffentlichen Stromnetz zu verringern. Besitzer von Eigenheimen können ihre Stromversorgung beispielsweise mithilfe von Photovoltaik, Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und intelligenten Speichersystemen annähernd autark gestalten. Darüber hinaus bietet sich gerade in ländlichen Regionen der Zusammenschluss auf lokaler Ebene an.

Bioenergiedörfer - stark für den Klimaschutz und die regionale Wirtschaft

Silo in einem Bioenergiedorf

In Deutschland gibt es bereits 176 Bioenergiedörfer. Innerhalb eines Bioenergiedorfes nutzen die Bewohner Energie für Strom und Wärme aus regenerativen Quellen. In landwirtschaftlichen Regionen wird diese vor allem mit Hilfe von Biogasanlagen zur Verfügung gestellt. Die benötigte Biomasse kommt hier reichlich in Form von Mist, Silage, Mais, Getreideschrot und Gülle vor. Die anfallenden Gärreste gehen an die landwirtschaftlichen Betriebe zurück und werden dort als wertvolles Düngemittel eingesetzt.

Das größte Bioenergiedorf Deutschlands ist die nordhessische Gemeinde Wettesingen. Im August 2015 wurde das Nahwärmenetz von diesem Bioenergiedorf offiziell eingeweiht: Die Wettesinger Bürger sind dank ihrer Biogasanlage seither vollkommen autark bei der Energieversorgung.

Bioenergiedorf Wettesingen - nachhaltige Energieversorgung aus der Nachbarschaft

Die Idee, sich von Energieerzeugern und kontinuierlichen Preiserhöhungen unabhängig zu machen, hatten einige Einwohner bereits im Jahr 2009. Zwei Jahre später gründeten 14 Wettesinger Bürger eine Energiegenossenschaft. In der Folge wurden zuerst das Pelletheizkessel, später die Biogasanlage sowie zwei Blockheizkraftwerke realisiert und es entstand ein Bioenergiedorf. Regionale Dienstleister und örtliche Bauunternehmen wurden bisher einbezogen. So profitiert auch die Wirtschaft in der Region im Allgemeinen.

Überschüssige Energie wird ins Stromnetz eingespeist

Inzwischen zählt die Energiegenossenschaft rund 200 Mitglieder. Vor allem Bewohner älterer Häuser profitieren vom Biostrom, den das Bioenergiedorf liefert. Neubauten dagegen verfügen über eine gute Wärmedämmung und effiziente Heizungsanlagen sowie in vielen Fällen über Photovoltaik-Anlagen und Sonnenkollektoren. Die Bioenergie, die im Ort bereitgestellt wird, würde für alle Dorfbewohner reichen, man könnte sogar noch zwei weitere Dörfer gleicher Größe versorgen. Energie, die im Bioenergiedorf nicht benötigt wird, wird ins Stromnetz eingespeist. Dass im Bioenergiedorf Wettesingen mehr als der gesamte Eigenbedarf an Energie aus erneuerbaren Quellen bereitgestellt wird, bringt also nicht nur der Umwelt einen Nutzen. Die Energieversorgung des Dorfes bleibt für alle Einwohner auch langfristig bezahlbar.

Bedeutung der Bioenergiedörfer für die Zukunft

Um eine bezahlbare Energieversorgung in Deutschland auch für künftige Generationen sichern zu können, werden erneuerbare Energien immer mehr an Bedeutung gewinnen. Dass die dafür notwendigen technischen Entwicklungen in Übereinstimmung mit dem ländlichen Leben stehen können, beweisen Bioenergiedörfer in ganz Deutschland. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ist Ansprechpartner sowohl für jene Dörfer, die bereits auf erneuerbare Energien umstellen, als auch für alle Gemeinden, die sich längerfristig mit dem Gedanken befassen.

Damit die Umstellung zum Bioenergiedorf erfolgreich sein kann, müssen alle Betroffenen vom Bioenergiedorf überzeugt sein. Das sind neben der Bevölkerung vor allem auch die Land- und Forstwirte. Das BMEL hat eine Webseite eingerichtet, die sämtliche Fragen rund um erneuerbare Energien und Bioenergiedörfer beantwortet.

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