Ohne Wärmewende keine Energiewende 

Wissenschaft, Politik und Medien sind sich schon seit geraumer Zeit einig: Ohne die Wärmewende gibt es auch keine Energiewende. Letztere ist aber unumgänglich, sollen die Klimaziele erreicht und damit der Klimawandel und dessen Folgen eingedämmt werden. Rund 70 Prozent der Energie privater Haushalte werden für die Erzeugung von Wärme bzw. Warmwasser aufgewendet. Rund 50 Milliarden Euro werden Jahr für Jahr allein für die Raumwärme ausgegeben, 15 Milliarden für die Warmwasserbereitung. In Deutschlands Heizkellern schlummern gewaltige Einsparpotenziale. 

Ein Großteil der Wärme muss auf nachhaltige Weise erzeugt werden

Nur 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs entfallen hierzulande auf Elektrizität. Im Hinblick auf den Gesamtenergiebedarf stellt die Wärmeerzeugung den mit Abstand größten Posten dar. Etwa die Hälfte der Energie, die jeden Tag verbraucht wird, ist thermische Energie. In Privathaushalten liegt dieser Wert sogar bei 70 Prozent. Sollen die Ziele der Energiewende 2030 greifbar werden, muss im Rahmen einer Wärmewende weniger und deutlich effizienter geheizt werden. Darüber hinaus muss ein Großteil der Wärme auf nachhaltige Weise erzeugt werden - mittels erneuerbarer Energien wie z. B. Biomasse, Geothermie und Solarthermie.

Ein Windpark steht sinnbildlich für die Wärmewende in Deutschland
© Christian Schwier | Fotolia

Wärmewende in Deutschland: Später Start und viel Nachholbedarf

Das Thema Wärmewende wurde lange Zeit vernachlässigt und erst vor relativ kurzer Zeit hat sich die Bundesregierung dessen angenommen. Das Vorhaben ist jedoch mit gewaltigen Aufgaben im Hinblick auf Förderungen und Regulierungen verbunden, bedenkt man die etwa 20 Millionen Wärmeerzeuger im Land. Die Ziele sind dennoch ambitioniert: Bis zum Jahr 2050 soll der Primärenergiebedarf um 80 Prozent fallen. Es wird angestrebt, dass moderne Haushalte mit entsprechend effizienten Heizungen auch für Haushalte mit einem geringen und mittleren Einkommen verfügbar sein sollen.

Dänemark als Vorreiter in Sachen Wärmewende

Im Hinblick auf die Wärmewende ist Deutschland jedoch noch lange nicht so weit, wie es angesichts der Dringlichkeit sein sollte. Noch im Jahr 2015 entsprachen vier von fünf Heizkesseln nicht dem aktuellen Stand der Technik und mehr als fünf Millionen Öl- und neun Millionen Gaskessel waren hierzulande im Einsatz. Mit veralteter Technik wird nicht nur ineffizient geheizt, sondern auch noch sehr viel Geld verheizt. Ganz anders beispielsweise die Situation in Dänemark: Bei unseren nordeuropäischen Nachbarn ist es untersagt, Neubauten mit Öl- oder Gasheizungen auszustatten. Ein sehr gut ausgebautes Fernwärmenetz sorgt für die nötige Wärme im Land.

Nationaler Aktionsplan soll Wärmewende forcieren

Die Lage in Deutschland zeigt, wie hoch der Nachholbedarf ist. Denn etwa zwei Drittel sämtlicher Wohngebäude sind nach den heute gültigen energetischen Maßstäben ineffizient. Die Folge sind neben einem hohen Energieverbrauch auch hohe Energiekosten, die sich mit moderner Heiztechnik vermeiden ließen. Die Bundesregierung reagierte, indem sie 2015 den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz auf den Weg gebracht hat. Dieser muss jedoch auch von den Verbrauchern angenommen werden. Staatliche Fördermaßnahmen machen es ihnen relativ leicht, die hohen Investitionskosten für Heizungsmodernisierungen bzw. Heizungsaustausch zu schultern.

Einsparpotenziale lassen sich nur nutzen, wenn entsprechend saniert wird

Ein Beispiel liefert das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) des Landes Baden-Württemberg. Seit dessen Novellierung im Jahr 2015 sind Bauherren und Sanierer dazu verpflichtet, den bestehenden Wärmebedarf zu mindestens 15 Prozent aus erneuerbaren Energien abzudecken. Gerade in Westdeutschland schlummern aufgrund der Nachwendeinvestitionen in den 90ern noch heute die größten Einsparpotenziale. Diese lassen sich jedoch nur nutzen, wenn entsprechend saniert wird. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und der Wärmedienstleister ista fanden jedoch heraus, dass man sich in Deutschland rund 75 Jahre Zeit lässt, bis ein Gebäude komplett saniert wird. In der Nachkriegszeit errichtete Gebäude fallen genau in diesen Zyklus, weswegen in absehbarer Zeit mit einem sinkenden Energiebedarf zu rechnen ist.

Die Wärmewende im eigenen Keller starten 

Die Wärmewende ist mehr als ein politisches Ziel zur Rettung des Planeten. Denn sie lohnt sich für jeden Einzelnen, der daran teilnimmt. So kann der Austausch einer alten Gas- oder Ölheizung allein über 10 Prozent an Heizkosten einsparen. Die moderne Brennwerttechnik arbeitet deutlich sparsamer. Die Geräte verbrauchen weniger und schonen neben der Umwelt auch das Portemonnaie ihrer Besitzer. Sinnvoll sind auch viele kleine Arbeiten, wie das Dämmen der Heizungsrohre in unbeheizten Kellern. Mit einem größeren Budget lässt sich auch eine alte Heizung mit einer Wärmepumpe, einer Holzheizung oder Solartechnik ergänzen. Die Umweltheizungen arbeiten regenerativ und günstig. Die Solarthermie läuft darüber hinaus sogar nahezu grenzkostenfrei. Das heißt: Es fallen keine Brennstoffkosten für die erzeugte Wärme an. Jede Kilowattstunde aus einer Solaranlage ist kostenfrei.

Die Wende mit einem Energieberater starten 

Auch wenn die Wärmewende mit vielen Vorteilen verbunden ist. Viele Hausbesitzer wissen nicht, wo die größten Einsparpotenziale schlummern. Für Klarheit sorgen hier Energieberater. Sie nehmen das eigene Haus einmal genau unter die Lupe und zeigen, wo Handlungsbedarf entsteht. Hausbesitzer investieren ihr Geld somit nicht in falsche Maßnahmen und profitieren von wertvollen Synergieeffekten. Zur Auswahl steht dabei die ganzheitliche Energieberatung, die der Staat heute zu 60 Prozent zahlt (maximal 800 Euro im Ein- und Zweifamilienhaus). Ist das zu teuer, bietet auch die Verbraucherzentrale-Energieberatung Vor-Ort-Checks an. Diese beziehen sich meist auf einen Teilbereich des Gebäudes (Fassade, Heizung) und kosten dank staatlicher Förderung gerade einmal 30 Euro.

Staatliche Fördermittel für die Wärmewende 

Ganz gleich, für welche Heizung oder welche Maßnahme Hausbesitzer wählen: In den meisten Fällen bekommen sie dafür hohe Fördermittel. So gibt es zum Beispiel Zuschüsse oder Darlehen für eine neue Brennwertheizung (KfW-Programm 430; KfW-Programm 152). Wer sich für eine Wärmepumpe, eine Holzheizung oder eine Solaranlage entscheidet, bekommt hingegen hohe Zuschüsse über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Wie hoch die Mittel jeweils ausfallen, zeigen wir im Beitrag Förderung für die neue Heizung. Wichtig zu wissen: Es gibt auch Förderung für eine Heizungsoptimierung. Darunter fallen zum Beispiel Maßnahmen wie der hydraulische Abgleich oder der Austausch alter Heizungspumpen.

Heizung.de Autor Philipp Hermann
Fazit von Philipp Hermann
Keine Energiewende ohne Wärmewende: Ohne effizienteres Heizen bleiben die Zielsetzungen der Bundesregierung in weiter Ferne. Denn Heizung und Warmwasser nehmen rund 70 Prozent des Energieverbrauchs in Anspruch. Die Wärmewende rettet aber nicht nur den Planeten. Sie schont auch das eigene Portemonnaie. So lassen sich die Heizkosten schon mit vielen kleinen Maßnahmen spürbar senken. Viele werden dabei vom Staat sogar gefördert. 
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