Im Interview: Dr. Martin Sabel vom BWP

Die Wärmepumpe gilt schon seit geraumer Zeit als Hoffnungsträger für das Gelingen der Energiewende - zumindest aus Sicht vieler Experten. Im Gebäudebestand spielt sie im Vergleich zu anderen Heizsystemen aber eher eine untergeordnete Rolle. Ihr Marktanteil ist, trotz des kontinuierlichen Wachstums in den vergangenen Jahren, verhältnismäßig klein. Woran es liegt und was passieren müsste, damit in naher Zukunft mehr Wärmepumpen in Betrieb genommen werden, erklärt Dr. Martin Sabel. Er ist Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe e.V. und verrät im Experteninterview mit heizung.de, worauf Sie achten sollten, wenn Sie sich für eine Wärmepumpe entscheiden.

Herr Sabel, können Sie uns sagen, wofür der Verband steht bzw. welche Ziele er konkret verfolgt?

Martin Sabel: Der Bundesverband Wärmepumpe e.V. (BWP) ist die Interessenvertretung der Wärmepumpenhersteller in Deutschland. Zu unseren Mitgliedern gehören neben den Herstellern von Wärmepumpen auch Handwerksbetriebe, Planungs- und Beratungsbüros, Zulieferbetriebe, die die Komponenten produzieren, Energieversorger, die den Strom liefern sowie Unternehmen aus dem Bereich Geothermie. Wir versuchen, uns als Verband aktiv einzusetzen, um gute Rahmenbedingungen für die Wärmepumpe zu schaffen. Das umfasst unter anderem das politische Lobbying, sozusagen die politischen Beratertätigkeiten. Wir haben in diesem Bereich zwei Politologen, die den Kontakt zur Politik halten und hier auch beratend tätig sind. Wir haben daneben eine Öffentlichkeitsarbeit, die an Endkunden und das Handwerk adressiert ist. Hier geht es primär darum, über die Vorteile von Wärmepumpen aufzuklären, oder worauf Verbraucher und Installateure achten sollten, wenn sie sich für eine Wärmepumpe interessieren. Als dritte wesentliche Arbeit haben wir das Ressort Technik, das sich um die Normen und Technik hinsichtlich der Wärmepumpe kümmert.

Welche Rolle spielen Wärmepumpen aus Ihrer Sicht heute?

Martin Sabel: Sie spielen heute schon eine große Rolle, insbesondere im Neubau. Wir haben die aktuellen Zahlen vom Statistischen Bundesamt ausgewertet. Die Genehmigungsanträge für Wohngebäude haben zuletzt gezeigt, dass die Wärmepumpe hier an erster Stelle steht. Kurz gesagt: Wer im Jahr 2017 ein neu erbautes Wohngebäude beheizen wollte, hat es, dem Genehmigungsantrag nach zu beurteilen, am liebsten mit einer Wärmepumpe getan. Sie steht somit noch vor der Gasheizung. Im Bestand tun wir uns schwerer, da sind andere Lösungen noch beliebter. Der Anteil liegt hier bei etwa fünf Prozent.

Woran liegt das?

Martin Sabel: Im Bestand ist die Sache ein bisschen komplexer als im Neubau. Sie müssen sich das Gebäude erst einmal anschauen und viele Fragen beantworten: Wie ist die Grundsubstanz? Wie sind die Vorlauftemperaturen der Heizung, also die Temperaturen, auf die ich das Heizungswasser erhitzen muss? Sind sie zu hoch, müssen Sie gegebenenfalls zusätzliche Maßnahmen ergreifen, um die Wirtschaftlichkeit zu sichern. Grundsätzlich ist der Einsatz einer Wärmepumpe im Bestand möglich, es erfordert aber einen höheren Aufwand als im Neubau. Denn Sie müssen immer schauen, ob Ihre vorhandenen Heizkörper dafür ausgelegt sind und ob der energetische Zustand Ihres Hauses geeignet ist oder nicht. So gesehen ist der Austausch nach dem Motto „alter Kessel gegen neuen Kessel“ für den Endkunden einfacher. Denn er muss, anders als bei einem Neubau, nicht darauf achten, dass das neue Heizsystem mit erneuerbaren Energieträgern arbeitet. Aber auch hier rechnen wir mit einer positiven Entwicklung in den kommenden Jahren.

Portrait Dr. Martin Sabel vom BWP
© Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V.

Insgesamt gesehen ist der Marktanteil von Wärmepumpen mit elf Prozent relativ gering. Woran liegt das und was muss passieren, damit in absehbarer Zukunft mehr Wärmepumpen gebäudeübergreifend in Betrieb genommen werden?

Martin Sabel: Es gibt viele Gründe. Zum einen sehen wir darin ein Informationsdefizit. Denn nicht nur viele Verbraucher, sondern auch zahlreiche Handwerker wissen nicht, wie sie mit geringinvestiven Maßnahmen die Wirtschaftlichkeit einer Wärmepumpe steigern können. Etwa, indem sie die Vorlauftemperatur reduzieren oder den Wärmebedarf langfristig senken. Zum anderen haben wir relativ günstige Preise für fossile Energieträger und gleichzeitig hohe Strompreise. Im Vergleich zu Erdgas und Erdöl kostet eine Kilowattstunde für den Betrieb einer Wärmepumpe etwas mehr als 20 Cent. Das ist eindeutig zu hoch. Damit die Wärmepumpe in absehbarer Zukunft mehr eingesetzt wird, müssen wir an diesen zwei Stellschrauben drehen. Auf der einen Seite müssen wir die Endverbraucher besser informieren und auch die ausführenden Handwerker weiterbilden. Auf der anderen Seite ist die Politik gefragt. Vor allem muss der Strompreis entlastet werden.

Wie sieht eine konkrete Entlastung aus Ihrer Sicht aus?

Martin Sabel: Aktuell sorgen staatlich regulierte Bestandteile dafür, dass der Preis so hoch ist. Neben der Stromsteuer sind es die sogenannten EEG-Umlagen, die den Strompreis belasten. Konkret sind viele Industrieunternehmen davon befreit. Für das Jahr 2016 beträgt das Volumen dieser EEG-Ausnahmen rund fünf Milliarden Euro. Unsere Vorstellung ist, dass diese Kosten nicht von Stromkunden, unter anderem Besitzer von Wärmepumpen, getragen werden, sondern vom allgemeinen Steueraufkommen (Anm. d. Red.: Bundeshaushalt). Außerdem kann die Politik die Stromsteuer aus unserer Sicht runternehmen. Denn die Lenkungswirkung, die sie einst hatte, ist jetzt eher kontraproduktiv, weil sie uns davon abhält, umweltfreundliche Heiztechniken häufiger zu nutzen.

Welche Wirkung würden wir damit erzielen?

Martin Sabel: Es würde jetzt nicht über Nacht die Welt vollkommen verändern. Aber ein Schritt in die richtige Richtung wäre damit getan. Denkbar ist eine Preissenkung um drei bis vier Cent pro Kilowattstunde für den Wärmepumpenstrom.

Wenn ich mich heute für eine Wärmepumpe entscheide, welche Vorteile erwarten mich?

Martin Sabel: Sie erhalten mit der Wärmepumpe ein modernes, zukunftsweisendes System, das bis auf den Strom keine weiteren Energieträger benötigt. Sie haben auch einen besonders hohen Komfort. Sie können heizen und kühlen mit einem Gerät. Sie brauchen, vor allem beim Neubau, keinen Schornstein zu bauen. Die Wärmepumpe ist auch wartungsarm im Vergleich zu anderen Heizungen mit Verbrennungstechnik. Sie setzt aus dem Strom, den sie bezieht, ein Vielfaches in Wärme um, indem sie die Energie aus der Umwelt nutzbar macht. Sie als Besitzer machen sich auch ein Stück weit unabhängig von Marktpreisen für Energieträger. Denn Sie müssen nur noch einen Teil der Energie dazu kaufen, den Rest generiert die Wärmepumpe aus der Umwelt.

Sehen Sie in dieser Technologie auch Nachteile?

Martin Sabel: Eine Wärmepumpe benötigt Strom, der sehr stark von Steuern belastet wird. Kurzfristig gedacht ist sie nicht das wirtschaftlichste System. Langfristig gesehen rechnet sich die Investition angesichts der geringen Betriebskosten dennoch.

Können Sie unseren Lesern ein paar Tipps geben, worauf sie beim Kauf einer Wärmepumpe unbedingt achten sollten?

Martin Sabel: Das Wichtigste ist, dass die Wärmepumpe zum Gebäude beziehungsweise zum Bedarf passt. Da ist es unerlässlich, sich bereits im Vorfeld Gedanken über zentrale Punkte zu machen, wie zum Beispiel: Wie ist der Heiz- und Warmwasserbedarf? Möchte ich mit der Wärmepumpe sowohl heizen als auch kühlen? Ist die Aufstellung einer Photovoltaikanlage möglich? Falls ja, sollten auch Batteriespeicher eingesetzt werden? All diese Aspekte und natürlich die Gebäudesubstanz sowie die vorhandene Heizungsanlage müssen angeschaut und bedacht werden. Das geht in der Regel nur mit der Unterstützung durch einen Fachpartner.

Achten Sie beim Kauf einer Wärmepumpe unbedingt darauf, einen qualifizierten Handwerksbetrieb zu beauftragen. Lassen Sie den Kontakt am besten über die Hersteller von Wärmepumpen vermitteln. Alternativ finden Sie auch auf unserer Website www.waermepumpe.de unter Fachpartnersuche qualifizierte Handwerker in Ihrer Umgebung.

Es kommt selten vor, dass die Wirtschaftlichkeit aufgrund mangelnder Produktqualität nicht erreicht wird. Dennoch ist es ratsam, Produkte mit dem europäischen Gütesiegel zu nehmen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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