Heizen in Deutschland vor und nach dem Mauerfall

Der Mauerfall jährt sich in diesem Jahr zum 29. Mal. Mit dem diesjährigen Jahreswechsel ist Deutschland sogar länger wiedervereint als durch Mauer, Stacheldraht und Selbstschussanlagen getrennt. Viel hat sich seitdem auf beiden Seiten geändert. Das betrifft auch die Energiewende und das Heizen in Deutschland generell. Doch wie sah es auf beiden Seiten vor der Wende aus und was hat sich seitdem geändert? 

Heizen in Deutschland vor dem Mauerfall

Die Heiztechnik hat gerade in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Gleichzeitig setzt sich immer mehr der Gedanke der Energieeffizienz durch. Vielen ist mittlerweile bewusst, dass Heizwärme und Warmwasser den größten Anteil am Gesamtenergiebedarf im Haushalt ausmachen. So gibt es immer mehr Heizkessel mit Brennwerttechnik, Wärmepumpen oder Solarthermie-Anlagen, die eine bestehende Heizungsanlage ergänzen. Vor der Wiedervereinigung sah die Wärmeerzeugung in Deutschland auf beiden Seiten der Mauer noch anders aus. Die Historie des Heizens in Ost und West ist vielfältig sowie komplex. Deshalb soll an dieser Stelle nur ein kurzer Abriss dessen dargestellt werden.

Heizen in Deutschland vor dem Mauerfall: Westdeutschland

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass bis zur Mitte des vorherigen Jahrhunderts der Kohleofen in den meisten Haushalten vorzufinden war. Das änderte sich erst allmählich und zunächst vor allem in Westdeutschland. Erst in den Sechziger Jahren etablierte sich die Zentralheizung mit Ölfeuerung und ersetzte die weitverbreiteten Einzelöfen, die mit Kohle betrieben wurden. In dieser Zeit stellten Heizungen auch nicht mehr nur Raumwärme bereit, sondern auch Warmwasser. Damit erhöhte sich der Wohnkomfort und das vor allem in den neugebauten Mehrfamilienhäusern. Hier ist hervorzuheben, dass das Heizöl insbesondere nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sehr günstig war.

In den Siebziger Jahren war dann ein weiterer Meilenstein zu verzeichnen. An dieser Stelle sei auf die Ölkrisen dieser Ära zu verweisen, die auch zu den bekannten autofreien Sonntagen führte. Aufgrund dieser Rohstoff-Knappheit setzte sich zunehmend Gas als Brennstoff durch. Zudem entwickelte sich ein Umweltbewusstsein bei vielen, das es in der Form zuvor nicht gab. Für eine verbesserte Energieeffizienz sorgte dabei die Einführung der Niedertemperatur-Heizkessel.

Darüber hinaus ist das 20. Jahrhundert vor allem in Westdeutschland durch die Rippenheizkörper geprägt. Zu Beginn des Jahrhunderts standen diese noch mitten im Raum, bis sie nur noch unter dem Fenster Platz fanden. In den Achtziger Jahren kamen dann zunehmen Plattenheizkörper und vor allem Fußbodenheizungssysteme zum Einsatz. 

Reste der Mauer als Bild zum Thema Heizen in Deutschland vor und nach dem Mauerfall. 
© robepco - stock.adobe.com 

Heizen in Deutschland: Vor dem Mauerfall in Ostdeutschland

Die Umstellung von den Kohleeinzelöfen auf zentrale Anlagen, die mit Öl oder Gas betrieben wurden, erfolgte umfassend erst mit der Wende in den Neunziger Jahren. Die meisten werden den Kohlemann und das Kohlen-Schleppen noch kennen, selbst in Mehrfamilienhäuser war der Kachelofen in den einzelnen Räumen vielerorts vorzufinden.

Doch es gab auch Zentralheizungen. Sie etablierten sich vor allem durch die zahlreichen Neubau-Wohngebiete. Die gleichzeitige Bereitstellung von Heizwärme und Warmwasser, war bevorzugtes Argument, um in die „Platte“ zu ziehen. Einher ging dies auch damit, keine Kohlen mehr hoch tragen zu müssen. Eine Besonderheit war, dass bis in die Achtziger Jahre vielerorts die sogenannte Schwerkraftheizung zum Einsatz kam. Diese Anlage benötigte keine Umwälzpumpen, um das Wasser vom Heizkessel in die Heizkörper zu transportieren. Die Zirkulation des Heizwassers erfolgte allein durch den Dichteunterschied zwischen kaltem und warmem Wasser.

Daneben gab es in der DDR auch die sogenannte Forsterheizung. Dies war eine Etagenheizung, die namensgebend in der Stadt Forst hergestellt wurde. Es handelte sich hierbei um einen Festbrennstoffkessel für Holz, Pellets und Braunkohle. Zudem waren die Kessel auch für den Mischbrand ausgelegt. Einige Modelle eigneten sich darüber hinaus für den Einsatz mit Gas. Allen gemein war, dass sie entweder nach dem Prinzip einer Einrohr-Pumpenheizung arbeiteten oder nach dem der Schwerkraftheizung.

Energie- und Wärmewende in Deutschland seit dem Mauerfall

Mit dem Mauerfall und der Wiedervereinigung hat sich in ganz Deutschland auch einiges bezüglich der Heiztechnik sowie der Energieeffizienz von Anlagen und Gebäuden geändert. Vor allem im Osten kann man von einer von Grund auf modernisierten Strom- und Wärmeversorgung reden. Eine Hauptrolle spielt dabei die massive Gebäudesanierung im Laufe der Neunziger Jahre. Hinzukommen viele Neubauten, die bereits von Anfang an mit energieeffizienten Heizungsanlagen auf dem aktuellen Stand der Technik ausgestattet wurden. Das hat auch zur Folge, dass laut dem letzten Wärmemonitor von 2017 der generelle Energiebedarf im Osten Deutschlands um sechs Prozent niedriger ist als im Westen.

Denn gilt für beide Regionen, dass sich seit der Wende vor allem bezüglich der Heiztechnik einiges getan hat. So gibt es laut Statista in ganz Deutschland bereits 5,8 Millionen Gas-Brennwertkessel, 0,7 Millionen Öl-Brennwertkessel und eine Million Wärmepumpen. Darüber hinaus werden im Neubau immer häufiger Fußbodenheizungen oder andere Heizkörper verbaut, die mit einer niedrigen Vorlauftemperatur auskommen. Aber auch voreinstellbare oder vollständig digitalisierte Thermostate sind auf dem Vormarsch. 

Heizen in Deutschland: Was muss sich noch ändern?

Zwar sind, wie gezeigt, bereits viele positive Entwicklungen zu verzeichnen, doch wenn es um die Klimaziele geht, ist noch einiges zu tun. So gibt es vielerorts Öl- und Gas-Kessel, die noch nicht die Brennwerttechnik nutzen. Dabei ist von einer Gesamtzahl von etwa 12,5 Millionen Wärmeerzeuger auszugehen.

Zudem sind laut einer BDH-Studie aus dem Jahr 2016 über 63 Prozent der Heizungsanlagen in Deutschland nur unzureichend energieeffizient. Darüber hinaus liegt das Durchschnittsalter für Heizungen in Deutschland bei 17,6 Jahren (weitere interessante Eckdaten finden Sie im Beitrag Heizen in Zahlen). So gilt für das gesamte bundesdeutsche Gebiet, die ersten und wichtigen Schritte sind getan, aber in vielen Bereichen besteht noch Modernisierungsbedarf – denn ohne Wärmewende keine Energiewende.

Aber auch mit kleinen Schritten kann sich das Heizen in Deutschland verändern. So spart der Austausch einer veralteten Heizungspumpe Strom, das richtige Lüftungsverhalten verhindert hohe Wärmeverluste und die passende Temperatur für jeden Raum reduziert die Heizkosten. 

heizung.de Redakteurin Jeannette Kunde

Fazit von Jeannette Kunde

Das Heizen und die Heiztechnik haben sich in den vergangenen Jahrzehnten umfänglich verändert. Dabei haben sich Ost und West auf dem Weg der Energiewende aneinander angenähert – die Reduzierung des CO2-Ausstoßes und mehr Energieeffizienz sind gemeinsames Ziel geworden. 

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