EnEV - Das kommt ab Januar 2016

In der EnEV 2016, die ab dem 01. Januar 2016 gilt, wurden die Anforderungen an Gebäude und deren energetischen Standard verschärft. Das bedeutet dann konkret: Es werden ab 2016 mehr Maßnahmen benötigt, um den gleichen Energiestandard zu erreichen. Was sich laut der Energiesparverordnung genau geändert hat, haben wir für Sie im Artikel zusammengetragen:

Was ist die EnEV 2016?

Im Jahr 2002 wurde in Deutschland erstmals die Energieeinsparverordnung (EnEV) eingeführt. Sie regelt den Wärmeschutz sowie die Heizanlagentechnik von Häusern und stellt damit ein wichtiges Instrument der Energie- und Klimapolitik dar. Denn nach wie vor entfallen in Deutschland fast 40 Prozent des Energieverbrauchs und etwa 30 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen auf beheizte Gebäude. Eine Senkung des Energiebedarfs ist daher ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einem klimaneutralen Bauen und Wohnen. Die Energieeinsparverordnung wurde bereits mehrmals novelliert, also erneuert und erweitert. Aktuell ist die EnEV 2014 in Kraft, die unter anderem Verschärfungen von energetischen Standards ab 1. Januar 2016 vorsieht. Diese Vorgaben werden umgangssprachlich oft als "EnEV 2016" bezeichnet.

Was fordert die EnEV ab 2016 genau?

Die Verschärfung zahlreicher, bislang geltender Standards betreffen sowohl den Neubau als auch den Baubestand. Zu den wichtigsten Anforderungen gehören:

  • Der Primärenergiebedarf muss um 25 Prozent reduziert werden. Dieser Bedarf kann zum Beispiel durch die Verbesserung der Dämmmaßnahmen erreicht werden, aber auch durch die Verwendung regenerativer Heiztechnik.
  • Der Transmissionswärmeverlust wird von einem Referenzgebäude abgeleitet. Durchschnittlich ergibt sich daraus, dass die Wärmedämmung der Gebäude um etwa 20 Prozent verbessert werden muss.
  • Die Einführung von Bußgeldern bis zu 50.000 Euro bei Verstoß gegen die EnEV 2016.
Puzzleteile mit der Aufschrift enev 2016

Wichtige Fragen zur EnEV 2016

Die Änderungen der EnEV 2016 haben vor allem Auswirkungen auf die Bereiche Neubau und Gebäudebestand. Wie bereits in der EnEV 2014 spielen auch dieses Mal Energieausweise eine wichtige Rolle. Nachfolgend finden Sie die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen.

Austauschpflicht für alte Kessel - muss ich eine neue Heizung kaufen?

Ja, wenn Ihre Anlage vor dem neuen Stichdatum, dem 01.01.1985, eingebaut wurde oder die Anlage älter als 30 Jahre ist. Wenn dies auf Ihre Anlage zutrifft, dann müssen Sie Ihre Heizungsanlage erneuern. Wie immer im Leben gibt es jedoch auch hier einige Ausnahmen, wie zum Beispiel, wenn es sich bei dem Kessel um einen Niedertemperaturkessel oder gar schon um einen Brennwertkessel handelt.

Was ändert sich bei Energieausweisen?

Seit 2009 ist für beheizte oder gekühlte Gebäude ein Energieausweis vorgeschrieben, wenn sie verkauft oder vermietet werden. Er soll somit als Informationsquelle für potenzielle Käufer oder Mieter dienen. Mit der EnEV 2016 werden zusätzlich zu den bisherigen Kennwerten im Energieausweis Energieeffizienzklassen eingeführt, wie sie bereits jetzt bei Elektrogeräten verbreitet sind. Diese Kennwerte müssen zudem auch in Immobilienanzeigen angeführt sein. Eigentümer sind künftig somit verpflichtet, potenziellen Käufer oder Mietern den Energieausweis bereits bei der Besichtigung des Objekts vorzuweisen. Dieser Zeitpunkt war im Gesetz bisher nicht ausdrücklich festgeschrieben.

Wie aussagefähig ist diese Kennzeichnung?

Generell ist die Einführung einer solchen Klassifizierung sinnvoll, um auch Menschen ohne fachlichen Hintergrund die energetische Effizienz der Gebäude aufzuzeigen. Eingestuft wird hierbei je nachdem, wie hoch der primärenergetische Bedarf des Gebäudes ist. Problematisch wird jedoch sein, dass nur schwer eine gute Beurteilung durchführbar ist, ohne sich die Unterlagen genauer anzuschauen. Denn je nach Anlagenkonfiguration kann der Primärenergiebedarf sehr gut, der Endenergiebedarf jedoch relativ ungünstig ausfallen. Letztlich soll die Kennzeichnung primär der Orientierung dienen.

Was ändert sich konkret bei Neubauten?

Wer ein neues Wohnhaus errichtet, ist infolge der EnEV 2016 mit höheren Standards für Energiebedarf und Wärmedämmung konfrontiert. Der erlaubte Jahres-Primärenergiebedarf - er setzt sich aus der benötigten Energie für Heizung, Warmwasser, Kühlung und Lüftung zusammen - ist im Vergleich zur EnEV 2014 um 25 Prozent niedriger. Im Unterschied zu früheren EnEV-Fassungen orientiert sich der zulässige Höchstwert auch nicht mehr am Verhältnis von Gebäudehülle und -volumen, sondern an einem fiktiven "Referenz-Haus", das in etwa dieselbe Grundform und Baumaße hat. 

Darüber hinaus schreibt die EnEV 2016 eine verbesserte Wärmedämmung vor. Der Grenzwert für den zulässigen Wärmeverlust durch die Gebäudehülle sinkt im Vergleich zur EnEV 2014 um 20 Prozent. Häufig werden Bausachverständige damit beauftragt, die korrekte Ausführung des Bauvorhabens gemäß den Vorgaben der EnEV 2016 zu überprüfen. Sie können von Bauherren gegebenenfalls Nachbesserungen verlangen.

Energiesparhaus mit den sieben farbig gekennzeichneten Energiesparklassen

Muss ich laut der EnEV ab 2016 dämmen?

Ja, die oberste Geschossdecke muss laut der EnEV 2016 den Mindestwärmeschutz erfüllen. Das bedeutet genau: Sie als Hausbesitzer müssen dafür Sorge tragen - sofern nicht das Dach ausreichend gedämmt ist - dass die oberste Geschossdecke einen U-Wert von 0,24 W/m²*K nicht überschreitet.

Erhöht die EnEV 2016 Baukosten und Miete?

Eine für Bauherren, Käufer und Mieter entscheidende Frage ist, ob die Verschärfungen im Rahmen der EnEV 2016 zu höheren Kosten führen. Nach Berechnungen der Bundesregierung sollen die Mehrkosten beim Neubau von Wohngebäuden etwa zwei Prozent betragen. Zu bedenken ist jedoch, dass sich durch die erhöhte Nachfrage nach energetisch optimierten Heizanlagen oder Dämmmaterialien auch der Preis für diese Produkte reduzieren wird. Darüber hinaus sind die laufenden Heizkosten niedriger, wenn die Heizung effizienter und das Gebäude besser wärmegedämmt ist. Geringe Steigerungen bei Mieten sind infolge der EnEV 2016 nicht auszuschließen. Das kann jedoch von Fall zu Fall verschieden sein.

Die wichtigsten Änderungen der EnEV ab 2016 auf einen Blick

Die wichtigsten Änderungen der EnEV ab 2016 gegenüber dem Stand von 2009 sind hier zusammengetragen:

  • Verschärfung der primärenergetischen Anforderungen (Gesamtenergieeffizienz) an neu gebaute Wohn- und Nichtwohngebäude um 25 Prozent ab 1.1.2016. Die Wärmedämmung der Gebäudehülle muss zudem im Schnitt etwa 20 Prozent besser ausgeführt werden
  • Heizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen betrieben werden und nach dem 1.1.1985 eingebaut wurden, müssen ab der EnEV 2016 nach 30 Jahren außer Betrieb genommen werden. Wurden die entsprechenden Heizkessel vor 1985 eingebaut, dürfen diese schon ab 2015 nicht mehr betrieben werden. Ausnahmen gelten für Niedertemperatur- und Brennwertkessel sowie für bestimmte selbstnutzende Ein- und Zweifamilienhausbesitzer
  • Für den Gebäudebestand sind darüber hinaus laut der EnEV ab 2016 keine wesentlichen Verschärfungen vorgesehen
  • Neuskalierung des Bandtachos (Gerät zur Darstellung des Primärenergiebedarfs) im Energieausweis für Wohngebäude bis 250 kWh/(m²a) und Stärkung der Modernisierungsempfehlungen. Der Bandtacho wird zusätzlich durch Energieeffizienzklassen von A+ bis H ergänzt
  • Vorgesehen ist auch die Einführung von Stichprobenkontrollen für Energieausweise sowie eines Kontrollsystems für Inspektionsberichte von Klimaanlagen
  • Verkäufer und Vermieter von Immobilien sind künftig verpflichtet, den Energieausweis an Käufer bzw. Mieter zu übergeben. Der Energieausweis muss bereits bei der Besichtigung vorgelegt werden
  • Energetische Kennwerte (Endenergie) müssen laut EnEV ab 2016 im Falle des Verkaufs oder der Vermietung in Immobilienanzeigen angegeben werden. Liegt ein Energieausweis mit Energieeffizienzklasse vor, muss die entsprechende Einstufung auch veröffentlicht werden
  • Erweiterung der Aushangpflicht für Energieausweise (gilt für öffentliche Gebäude mit starkem Publikumsverkehr ab 250 m² Nutzfläche und entsprechende private Gebäude ab 500 m² Nutzfläche)
  • Senkung des Primärenergiefaktors von Strom auf 1,8
Heizung.de Autor Philipp Hermann

Fazit von Philipp Hermann

Die EnEV 2016 soll einen Beitrag dazu leisten, den Energiebedarf von Wohngebäuden weiter zu senken. Aus diesem Grund gelten seit Januar 2016 verschärfte Auflagen für die Anlagentechnik und Wärmedämmung von Neubauten. Für Käufer und Mieter soll durch die veränderten Vorgaben bei Energieausweisen eine höhere Transparenz sichergestellt werden. Die gesteigerten Baukosten und Mieten werden vielfach durch verringerte Heizkosten kompensiert.

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