Frag' den heizung.de Experten: Ist mein Nachtspeicherofen mit Asbest belastet?

Matthias Bukowski aus Göttingen fragt: “Ich bin seit Kurzem in meine Mietwohnung eingezogen, die mit drei Nachtspeicheröfen beheizt wird. Muss ich jetzt Angst haben, dass sie mit Asbest belastet sind und meine Gesundheit gefährden?“

Die Antwort der heizung.de Experten

Hallo Herr Bukowski,

ökologisch und ökonomisch gesehen agieren Sie da richtig, wenn Sie den Austausch der Nachtspeicheröfen in Betracht ziehen. Diese galten in den 60er und 70er zwar als effizient. Mittlerweile rentiert sich ein monovalenter (alleiniger) Betrieb mit einer Elektroheizung wie dem Speicherofen aber kaum noch. Der Grund dafür sind unter anderem die stetig steigenden Strompreise und der verhältnismäßig geringe Wirkungsgrad. Ein moderner Heizkessel, der mit Biomasse oder Umgebungswärme arbeitet, ist da wesentlich effizienter. Außerdem wurden in einigen Nachtspeicheröfen natürliche Mineralfasern verwendet, die, wie man spätestens heute weiß, krebserregend sind.

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Die Gefahr von Asbest

Asbest ist ein Sammelbegriff für verschiedene faserförmige Mineralien, die bis in die 70er Jahren noch vielen Bereichen verwendet wurden. Asbestfasern besitzen eine hohe Zugfestigkeit und sind zudem hitze- und säurebeständig. Sie galten als die Wunderfaser und fanden vor allem in den Bereichen Wärmedämmung, Bauindustrie sowie Arbeitsschutz Anwendung. Ihre guten Eigenschaften stellen gleichzeitig eine große Gefahr für Menschen dar. Denn freigesetzte Fasern können beim Einatmen in die Lunge gelangen und lassen sich kaum noch ausscheiden. Die Folgen können Lungenkrebs und Asbestose sein.

Nicht jeder Nachtspeicherofen ist asbestbelastet

Die krebserregende Wirkung von Asbest war lange Zeit bekannt. Viele Hersteller von Nachtspeicheröfen hatten bereits in den 70er Jahren darauf reagiert und die Verwendung von Asbest eingestellt. Das endgültige Herstellungs- und Verwendungsverbot durch die Bundesregierung kam jedoch erst 1993. Wie viel asbestbelastete Nachtspeicheröfen momentan im Umlauf sind, lässt sich nur schwer ermitteln. Denn nicht jedes Gerät ist per se mit diesen gesundheitsgefährdenden Stoffen belastet. Außerdem stellt ein funktionierendes Gerät im Betrieb keine direkte Gefahr dar. Nach Meinungen von Experten besteht diese erst bei einem defekten Gerät oder unsachgemäßem Aus- und Abbau.

Typenschild liefert informative Angaben

Ob ein Nachtspeicherofen Asbestanteile hat, lässt sich am schnellsten anhand des Typenschildes herausfinden. Dieses befindet sich meist an der Unterkante oder den Seiten des Geräts. Anhand der Informationen können Anlagenbesitzer beim Heizungshersteller in Erfahrung bringen, ob das jeweilige Gerät betroffen ist oder nicht.

Heizungstausch ist Vermietersache

Stellt sich heraus, dass das Heizgerät schwach gebundenen Asbest, chromathaltige Speichersteine oder andere gefährdende Stoffe enthält, kann der Heizungstausch in Angriff genommen werden. Allerdings sieht das Mietrecht hier einige Regeln vor, die den Handlungsspielraum eines Mieters stark einschränken. Dazu gehört, dass große Änderungen an der Heizungsanlage nur vom Hauseigentümer vorgenommen werden dürfen. In diesem Fall müssen Sie sich an Ihren Vermieter wenden und die Umsetzung erfragen.

Austausch der Nachtspeicheröfen nur von Fachbetrieben

Steht die Entsorgung der Nachtspeicheröfen bevor, muss darauf geachtet werden, dass die ausführende Firma für diese Arbeit zertifiziert ist. Denn die verwendeten Stoffe stellen eine erhebliche Gefahr für Gesundheit und Umwelt dar. Die Entsorgung muss nach den strengen Richtlinien der technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS 519) erfolgen. Von einer Öffnung, Entsorgung und Zerlegung in Eigenregie wird ausdrücklich abgeraten. Einerseits lässt sich das Gewicht von 90 bis 300 Kilogramm nicht ohne Gefahr transportieren und andererseits gibt es keine Garantie dafür, dass Abfallhöfe Nachtspeicheröfen aufgrund der möglichen Gefahrstoffe annehmen.

Die Kosten mit Entsorgungsunternehmen absprechen

In der Regel werden die Speicheröfen von Fachfirmen unzerlegt entsorgt. In seltenen Fällen ist eine Zerlegung vor Ort unabdingbar. Für diesen Fall empfiehlt es sich, vorab eine Raumluftmessung als Absicherung vorzunehmen. So kann im Nachhinein ermittelt werden, ob die Asbestbelastung nach der Montage zugenommen hat oder nicht. Die dabei entstandenen Kosten muss der Eigentümer tragen. Wie hoch diese ausfallen, lässt sich nicht pauschal sagen. Genau Kostenangaben und andere Bedingungen kann das lokale Versorgungsunternehmen gegebenenfalls bereits telefonisch mitteilen. Ist die Entsorgung sachgemäß abgeschlossen, erhält der Eigentümer im Anschluss einen Entsorgungsnachweis für die Nachtspeicherheizung.

Zusammenfassung

Einige Nachtspeicheröfen sind mit krebserregendem Asbest belastet. Eine akute Gefahr besteht aber nur bei defekten Geräten oder unsachgemäßem Ausbau. Wer herausfinden möchte, ob sein Heizgerät belastet ist, kann das mit Hilfe der auf dem Typenschild eingestanzten Informationen schnell erledigen.

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