Gasumstellung: Was ist dabei zu beachten?

Die Gasumstellung bezeichnet die Umstellung von L- auf H-Gas in nord- und westdeutschen Versorgungsgebieten. Sie betrifft mehr als vier Millionen Haushalte und ist eines der größten Infrastrukturprojekte der deutschen Gasversorgung. Im Folgenden erklären wir, warum der Wechsel nötig ist und was Hausbesitzer dabei beachten sollten.

Hintergründe der Gasumstellung in Deutschland

Während große Teile Deutschlands heute bereits mit energiereichem H-Gas versorgt werden, strömt in einigen nord- und westdeutschen Gebieten noch immer niederkalorisches L-Gas. Dieses stammt aus deutschen und niederländischen Quellen, die zunehmend erschöpft sind. Um auch in Zukunft eine sichere Versorgung mit Erdgas gewährleisten zu können, erfolgt die Umstellung L- auf H-Gas. Dieses stammt unter anderem aus Norwegen, Dänemark oder den GUS-Staaten und enthält mehr Energie. Damit die Erdgasumstellung reibungslos vonstattengehen kann, müssen die Versorger alle betroffenen Gasgeräte umrüsten.

L-Gas und H-Gas im Vergleich

Nötig ist das vor allem durch die unterschiedliche Qualität der Gas-Arten. Denn während das niederkalorische (low calorific gas oder L-Gas) nur zu 79 bis 87 Prozent aus Methan besteht, enthält es weniger Energie. Messbar ist das am Heizwert, der in der Regel 8,2 bis 8,9 Kilowattstunden pro Kubikmeter beträgt. Hochkalorisches Gas (high calorific gas oder H-Gas) enthält mit 87 bis 99 Prozent deutlich mehr Methan. Es transportiert dabei mehr Energie und erreicht einen Heizwert von 10,0 bis 11,1 Kilowattstunden pro Kubikmeter. Durch die höhere Qualität benötigen betroffene Hausbesitzer in Zukunft weniger Gas, um die gleiche Wärmemenge zu erzeugen.

Gasumstellung in über vier Millionen Haushalten mit Gasgeräten in Nord- und Westdeutschland
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Umstellung von L- auf H-Gas in drei Schritten

Bei der Umstellung von L- auf H-Gas müssen die Netzbetreiber Gasgeräte in über vier Millionen deutschen Haushalten umrüsten. Neben der Gasheizung betrifft das zum Beispiel gasbetriebene Warmwasserbereiter, Gasherde oder Gasöfen. Damit die Arbeiten ohne Probleme vonstattengehen, erfolgen sie abschnittsweise in drei Schritten. Bis zum Jahr 2029 soll die Gasumstellung dann abgeschlossen sein. Nach dem derzeitigen Stand soll danach kein L-Gas aus den Niederlanden mehr nach Deutschland fließen

1. Bestandsaufnahme durch die Netzbetreiber

Im ersten Schritt der Erdgasumstellung erstellen die Netzbetreiber etwa ein Jahr vor Beginn der Arbeiten eine umfassende Bestandsaufnahme aller Gasgeräte. Das ist nötig, um anstehende Kosten und Arbeiten richtig planen sowie koordinieren zu können. Mitarbeiter der Netzbetreiber besuchen dabei die betroffenen Haushalte und nehmen die vorhandenen Gasgeräte auf.

2. Umrüstarbeiten an betroffenen Gasgeräten

Im zweiten Schritt der Erdgasumstellung erfolgen dann die handwerklichen Arbeiten. Dabei besuchen von den Netzbetreibern beauftragte Monteure jedes Haus, um die Gasgeräte auf den neuen Brennstoff einzustellen. Die Arbeiten werden ausschließlich durch qualifizierte Handwerksbetriebe vorgenommen, die sich vorher bei den Haus- und Wohnungsbesitzern ankündigen. Verbraucher sollten wissen, dass sich die einzelnen Termine nicht verschieben lassen und zudem verpflichtend sind.

3. Stichprobenartige Kontrolle der Erdgasumstellung

Um eine hohe Qualität der Umstellarbeiten gewährleisten zu können, führen die Netzbetreiber anschließend stichprobenartige Kontrollen durch. Geplant sind diese in etwa jedem zehnten Haushalt.

Netzbetreiber informieren rechtzeitig über die Umstellung von L- auf H-Gas

Damit sich die betroffenen Haus- und Wohnungsbesitzer frühzeitig auf die anstehenden Arbeiten vorbereiten können, informieren die Netzbetreiber rechtzeitig über deren Beginn. Generell passiert das schon zwei Jahre vor dem Besuch eines Handwerkers. Interessierte finden die entsprechenden Daten außerdem auch im Netzentwicklungsplan Gas (NEP Gas), den die Fernleitungsnetzbetreiber in regelmäßigen Abständen fortführen.

Bei der Erdgasumstellung passen Netzbetreiber viele Gasgeräte auf H-Gas an
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Das sollten Hausbesitzer bei der Gasumstellung beachten

Trotz ausführlicher Informationen der Netzbetreiber haben viele Hausbesitzer offene Fragen zur anstehenden Umstellung von L- auf H-Gas. Im Folgenden geben wir Antworten auf die wichtigsten.

Verbraucher müssen Gasgeräte in der Regel nicht tauschen

Nach der Umstellung der Gasgeräte arbeiten diese auch mit dem energiereichen H-Gas ohne Probleme. Hausbesitzer sind demnach nicht zum Tausch alter Anlagen verpflichtet. Voraussetzung ist jedoch, dass sie dem Monteur Zutritt zum Haus verschaffen. Denn andernfalls kann der Netzbetreiber den Anschluss aus Sicherheitsgründen sperren. In sehr wenigen Fällen kann es jedoch vorkommen, dass die Geräte nicht umrüstbar sind und komplett ausgetauscht werden müssen. Die entstandenen Kosten müssen Verbraucher dann selbst tragen.

Kosten der Erdgasumstellung tragen alle Verbraucher

Die Netzbetreiber rechnen für die gesamte Umstellung von L- auf H-Gas mit Kosten von rund zwei Milliarden Euro. Da sie diese über eine Umlage auf alle Gasverbraucher verteilen, zahlen Hausbesitzer dabei erst einmal nichts. Das heißt, sie bekommen keine Rechnung für Material oder Arbeitsstunden.

100 Euro für den Heizungstausch vor der Netzumstellung

Tauschen Hausbesitzer alte Gasgeräte noch vor der Erdgasumstellung in der eigenen Region, bekommen sie 100 Euro von Ihrem Netzbetreiber. Grund dafür ist, dass sich zum Beispiel eine neue Gasheizung oft von selbst auf die Gas-Art einstellen kann. Das senkt den Aufwand der Netzbetreiber und damit auch dessen Kosten. Wichtig zu wissen ist, dass der Austausch erst dann erfolgen darf, wenn die Umstellung in der eigenen Region bereits angekündigt wurde.

Heizungsaustausch kann sich lohnen

Ist der eigene Kessel schon alt, verbraucht er oft mehr Energie als nötig. Hausbesitzer können die Gasumstellung in diesem Zusammenhang auch zum Anlass für eine Heizungssanierung nehmen. Mit der Brennstoffzelle oder einer effizienten Gas-Brennwertheizung stehen ihnen dabei interessante Möglichkeiten zur Auswahl.

Heizung.de Autor Alexander Rosenkranz

Fazit von Alexander Rosenkranz

Im Rahmen der Gasumstellung passen Netzbetreiber die Gasgeräte in mehr als vier Millionen Haushalten von L- auf H-Gas an. Während die Kosten der Arbeiten auf alle Verbraucher umgelegt werden, verändern sich die Heizkosten trotz höherer Preise kaum. Möglich ist das, da Heizgeräte weniger H- als L-Gas benötigen, um die gleiche Leistung abzugeben. Mit einem Extra-Zuschuss von 100 Euro können Verbraucher die Gasumstellung auch als Anlass für einen Heizungstausch nutzen.

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