Durchschnittlicher Gasverbrauch: Ein hilfreicher Richtwert

Ein durchschnittlicher Gasverbrauch kann sich erheblich nach Haushalt und anderen Umständen, wie beispielsweise der eingesetzten Heizung im Haus, unterscheiden. So spielen nicht nur die zu beheizende Fläche und die Personen in dieser Kalkulation eine wichtige Rolle. Welches Wärmegefühl die Bewohner haben und wie oft diese im eigenen Zuhause anwesend sind, gelten ebenfalls als entscheidende Faktoren. Sich am Mittel zu orientieren kann unter anderem hilfreich sein, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Die Bedeutung des Gasverbrauchs

Der größte Gasverbraucher in Deutschland ist nach wie vor die Industrie, dicht gefolgt von den Haushalten. Es gibt in Deutschland knapp 18,9 Millionen Wohngebäude. Das umfasst sowohl Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Mehrfamilienhäuser. Davon sind drei Viertel mit einer Zentralheizung ausgerüstet (damit circa 15 Millionen), die überwiegend mit Öl oder Gas arbeiten. Von den über 40 Millionen Wohnungen dient gut in jeder zweiten Wohnung Erdgas als Energieträger. Das verdeutlicht die Bedeutung von Erdgas zur Wärmeerzeugung. 

Umso entscheidender ist es, den Verbrauch so niedrig wie möglich zu halten. Denn das Gas ist ein endlicher fossiler Brennstoff, der durch Verbrennung thermische Energie freisetzt. Dabei entstehen Schadstoffe wie das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid. Doch um die Nutzung von Erdgas zu senken, sollte der Gasverbrauch im Durchschnitt bekannt sein. Nur so entsteht ein Bewusstsein für die Relationen und die Einsparpotentiale.

Den Gaszähler im Auge behalten und den durchschnittlichen Gasverbrauch abschätzen.
© Thomas Hansen / Fotolia

Wie hoch ist der Gasverbrauch im Durchschnitt?

2016 belief sich der Gasverbrauch in Deutschland insgesamt auf rund 80,5 Millionen Kubikmeter. Das schließt sowohl die Haushalte als auch die industrielle Nutzung mit ein. Dabei hat ein Haushalt jährlich einen Gasverbrauch im Durchschnitt von circa 22.000 Kilowattstunden. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass sich der Bedarf an Heizwärme und Warmwasser über das Jahr gesehen natürlich nicht gleichmäßig verteilt. So ist der Anteil am Gasverbrauch im Durchschnitt auch in den kalten Monaten, vor allem im Januar (16,1 Prozent) und Dezember (15,5 Prozent), am höchsten. Wohingegen Juli und August gerade einmal mit 1,6 beziehungsweise mit 1,7 Prozent Anteil am Verbrauch aufwarten.

Aktuell werden in Deutschland je Quadratmeter Wohnfläche durchschnittlich 16 Kubikmeter beziehungsweise 160 Kilowattstunden Gas in einem Jahr genutzt. Die Warmwasserbereitung mit Gas spielt hier nicht mit hinein.

Richtwerte für einen durchschnittlichen Gasverbrauch

Die Fläche allein ist eines der wichtigen Kriterien. Üblicherweise spricht man davon, dass in einem Haushalt ungefähr 16 Kubikmeter (160 kWh/a) Gas pro Quadratmeter genutzter Wohnfläche verbraucht werden. Wer Gas lediglich zum Heizen und nicht auch zur Aufbereitung des Warmwassers nutzt, verbraucht durchschnittlich 14 Kubikmeter pro Quadratmeter. Das sollte bei einer Orientierung berücksichtigt werden. Denn natürlich wird auch Energie genutzt, wenn Warmwasser über das Gasheizsystem aufgewärmt wird.

Im Vergleich: Mietwohnung - Reihenhaus - Einfamilienhaus

Durchschnittlich verbrauchen Einfamilienhäuser mit einer Fläche von etwa 160 Quadratmetern knapp 23.000 kWh/a jährlich. Reihenhäuser mit 120 Quadratmetern Fläche benötigen etwa 17.000 kWh/a pro Jahr. Eine durchschnittliche Mietwohnung mit rund 83 QuadratmeternFläche verbraucht im Jahr etwa 12.000 kWh/a. Diese Richtwerte werden natürlich durch weitere Faktoren beeinflusst. Denn ein durchschnittlicher Gasverbrauch ist auch abhängig von den Bewohnern und vor allem der Dämmung des Objektes.

Ein durchschnittlicher Gasverbrauch ist abhängig vom Zustand des Gebäudes

Der Gasverbrauch ist im Durchschnitt natürlich auch vom Zustand des Gebäudes selbst abhängig. In weniger gut sanierten Häuser ist mehr Energie nötig, um eine bestimmte Raumwärme zu erreichen. Des Weiteren gibt es in älteren Bestandsgebäuden häufig auch noch alte Gasheizungen, die ohne moderne Brennwerttechnik Heizwärme erzeugen.

Ältere Objekte, die noch vor 1977 gebaut wurden, verfügen tendenziell über eine schlechtere Dämmung und ein oft ineffizientes Heizsystem. Moderne Häuser ab einem Baujahr von 2002 besitzen hingegen eine sehr gute Dämmung. Je nach Dämmung und Heizungssystemen können die eingangs angegebenen Werte zwischen 30 und 50 Prozent variieren. Möchten Sie Ihren Verbrauch mit dem Durchschnitt vergleichen, müssen Sie also zwangsweise auch über die genutzte Dämmung und Heizung im Objekt informiert sein.

Ein durchschnittlicher Gasverbrauch reduziert sich erheblich, wenn in einem Passivhaus gewohnt wird. Bei 160 Quadratmetern Fläche spricht man dann von einem Mittel von 2.400 kWh/a, bei 120 Quadratmetern von einem Mittel von 1.800 kWh/a. 

Individuelle Einflussfaktoren

Das Bild zeigt einen Gaszähler und Geldstücke, die verdeutlichen den Gasverbrauch im Durchschnitt.
© Gerhard Seybert / Fotolia

Ein durchschnittlicher Gasverbrauch wird natürlich auch durch die Bewohner beeinflusst. Denn jeder Mensch hat eine andere Wärmeempfindung. Einige empfinden im Winter 21 Grad Celsius Raumtemperatur als sehr angenehm. Andere wiederum möchten es lieber kuschelig auf 23 Grad Celsius aufheizen.

Wohnverhalten beeinflusst den durchschnittlichen Gasverbrauch

Diese Differenz von zwei Grad Celsius kann auf der Rechnung einen erheblichen Unterschied ausmachen. Das Wohnverhalten spielt ebenfalls eine Rolle. Wer im eigenen Haushalt eher aktiv ist, friert nicht so schnell wie jemand, der mehrere Stunden sitzend auf der Couch oder im Homeoffice verbringt. Wird auch Warmwasser über die neue Gasheizung erzeugt, treten weitere Unterscheidungen auf. So spielt dann zum Beispiel noch eine Rolle, wie häufig Sie ein Vollbad nehmen. Wie viele Personen allgemein im Haushalt anwesend sind und wie lange und wie heiß Sie duschen, fallen ebenfalls ins Gewicht.

Den eigenen Gasverbrauch im Durchschnitt ermitteln

Möchten Sie Ihren eigenen Gasverbrauch berechnen, teilen Sie den Jahresverbrauch aus dem vorherigen Jahr durch die gesamte Wohnfläche in Quadratmetern.

Beispielsweise liegt der Gasverbrauch im Durchschnitt im Jahr bei einem Gesamtverbrauch von 30.000 Kilowattstunden und 200 Quadratmeter bei 150 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Möchten Anlagenbesitzer noch vor der jährlichen Abrechnung die Kosten für die Heizenergie errechnen, müssen sie den Jahresverbrauch mit dem durchschnittlichen Gaspreis im Jahr multiplizieren.

Liegt der Gasverbrauch im Durchschnitt über 100 Kilowattstunden je Quadratmeter, besteht Handlungsbedarf. In einem Heizungs-Check kann der Experte feststellen, welche Bauteil möglicherweise auszutauschen und welche anderen Modernisierungsmaßnahmen notwendig sind. Des Weiteren sollte ein Heizungsaustausch hin zur Brennwerttechnik in Betracht gezogen werden. Andere Lösungen sind:

  • ein hydraulischer Abgleich
  • der Wechsel des Energieversorgers
  • die Anpassung des eigenen Heizverhaltens
Heizung.de Autor Philipp Hermann

Fazit von Philipp Hermann

Ein durchschnittlicher Gasverbrauch sollte immer nur als grobe Orientierung verstanden werden. Denn viele variable Faktoren lassen es nicht zu, dass tatsächlich ein allgemein verlässlicher Wert gebildet werden kann. Ein durchschnittlicher Gasverbrauch lässt sich natürlich auch spezifisch für Sie ermitteln. Das geht am besten, wenn Sie die Gasrechnungen/Verbrauchswerte der letzten vier Jahre nehmen, sie addieren und dann durch vier (für die Jahre) teilen. So erhalten Sie ebenfalls einen Überblick über Ihren Durchschnittsverbrauch im Haushalt.

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