Gaspreise: Entwicklung, Einflussgrößen und Ausblick

Hinter dem Gaspreis steckt mehr als nur der eigentliche Verbrauch. Denn ähnlich wie bei Strom setzt sich der Preis, den Sie als Kunde bezahlen, aus weiteren Faktoren zusammen. Darüber hinaus bestimmen unterschiedliche Einflussgrößen die Gaspreisentwicklung. Diese sowie langfristige Prognosen wirken sich entscheidend auf Entscheidungen wie den Vertrags- beziehungsweise Tarifwechsel aus und auf die Kaufentscheidung einer neuen Heizung. Denn schließlich stellt sich die Frage, ob die Gasheizung wirtschaftlich ist oder nicht. Im Folgenden bekommen Sie einen Einblick, wie sich der Gaspreis grundsätzlich zusammensetzt und wie dieser sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat. 

Zusammensetzung und Einflussgrößen des Gaspreises

Grundsätzlich setzt sich der Gaspreis aus der Grundgebühr und dem Arbeitspreis zusammen. Dabei umfasst die Grundgebühr folgende Faktoren:

  • Förderabgaben
  • Netznutzungsgebühr
  • Konzessionsabgaben
  • Erdgassteuer

Der Arbeitspreis beschreibt demnach den tatsächlichen Verbrauch des Gaskunden. 

Kostenbestandteile des Gaspreises

Nach aktuellen Angaben der Bundesnetzagentur (Stand: April 2018) setzt sich der Preis wie folgt zusammen:

  • 48,8 Prozent: Gasbeschaffung, Vertrieb, sonstige Kosten und Marge
  • 25 Prozent: Gas- und Umsatzsteuer
  • 23,4 Prozent: Netznutzungsentgelt
  • 1,5 Prozent: Entgelte für Kosten der Mess- und Steuereinrichtungen und für das Ablesen
  • 1,3 Prozent: Konzessionsabgaben
Grafik zeigt Tendenz zur Entwicklung der Gaspreise
© Alex_Po / Shutterstock.com

Einflussfaktoren für den Gaspreis

Prinzipiell wirken sich Angebot und Nachfrage auf den Gaspreis aus. Dabei gibt es auf beiden Seiten jedoch bestimmte Einflussfaktoren, welche die Entwicklung beeinflussen. So gibt es immer wieder Schwankungen bei der produzierten Menge des Erdgases sowie der Menge die importiert oder exportiert wird. So können klimatische Katastrophen oder sehr schlechtes Wetter in den produzierenden Ländern zu Lieferknappheiten führen, die sich je nach Dauer auf die Preishöhe maßgeblich auswirken. 

Daneben kommt es auch immer wieder zu Lieferbeschränkungen, die politischer oder wirtschaftlicher Natur sein können. Dies kann gerade in Hochzeiten der Gasabnahme zu erhöhten Gaspreisen führen. Schließlich ist die gespeicherte Gasmenge in den Erdgasspeichern ein grundsätzlicher Faktor, der den Preis bestimmt. Denn letztlich gehört Erdgas zu den fossilen Energieträgern, die endlich sind. Aber auch seitens der Nachfrage gibt es unterschiedliche Aspekte, die den Gaspreis bestimmen wie die Wirtschaft oder die wirtschaftliche Situation der Abnehmer. Aber auch jahreszeitlich bedingte Wetteränderungen spielen hier mit hinein. Denn ist beispielsweise der Frühling eher kühl und nass, wird viel länger geheizt und mehr Erdgas benötigt. 

Was hat es mit der Ölpreisbindung auf sich?

Bis vor einigen Jahren gab es die sogenannte Ölpreisbindung, welche den Rohölpreis an den Prei für Gas gekoppelt hat. Dabei handelt es sich eher um eine brancheninterne Absprache zwischen den Produzenten, Importeuren und Gasversorgern. Damit wollte man eine Konkurrenzsituation zwischen Öl und Gas eher vermeiden. Im Zuge zunehmender Kritik erklärte der Bundesgerichtshof 2010 dies jedoch als unzulässig. Seitdem kann die Gaspreisentwicklung vergleichsweise unabhängig betrachtet werden.

Die Entwicklung der Gaspreise der vergangenen Jahre

Betrachtet man die Entwicklung der Gaspreise der vergangenen Jahre, traten immer wieder größere Schwankungen auf. Während Verbraucher im Jahr 2005 durchschnittlich noch 5,39 Cent pro Kilowattstunde zahlten, stiegen die Preise bis zum Jahr 2008 kontinuierlich an. Hier erreichten sie ihr bisher unübertroffenes Allzeithoch von 7,17 Cent je Kilowattstunde.

Liberalisierung des Gasmarktes sorgte für sinkende Preise

Seit dem Jahr 2006 ist der deutsche Gasmarkt offiziell dem freien Markt unterworfen. Während viele Anbieter den Rohstoff verkaufen können, haben Hausbesitzer dabei die Freiheit zu wählen. So können sie sich nach Ablauf der vertraglich festgelegten Zeit für einen neuen Gasanbieter entscheiden oder doch beim alten bleiben. Während es etwas dauerte, bis die deutschen Gasverbraucher von der Möglichkeit Gebrauch machten, sanken die Preise ab dem Jahr 2008 sehr stark. Auch die damalige Finanzkrise wirkte sich spürbar auf die Talfahrt aus. Ihr vorzeitiges Tief erreichte die Entwicklung der Gaspreise im Jahr 2010 mit durchschnittlich 6,07 Cent je Kilowattstunde.

Warum schwanken die Gaspreise immer wieder?

Um die Entwicklung der Gaspreise besser verstehen zu können, ist es wichtig zu wissen, warum die Preise immer wieder schwanken. 

  • Ein Grund ist die Reichweite der heute meist fossilen Ressource. Diese ist generell begrenzt, wodurch sich das Angebot in Zukunft verknappen wird. Bevor das passiert, erwarten Experten einen Anstieg der Kosten.
  • Ein weiterer Grund für die schwankende Entwicklung der Gaspreise ist der freie Wettbewerb. So ist Erdgas: ein Handelsgut, dessen Kosten von Angebot und Nachfrage abhängen. Während die Einkaufspreise der Versorger bei guter wirtschaftlicher Stimmung meist niedrig sind, können sie infolge weltpolitischer Ereignisse auch binnen kürzester Zeit steigen.

Verbraucher bekommen dabei jedoch nicht jede Preisschwankung zu spüren. Denn auch die Verkaufspreise unterliegen dem Wettbewerb und sind meist für längere Zeiten festgeschrieben. Um sich etwas unabhängiger von diesen Schwankungen zu machen, ist es ratsam, den eigenen Gasverbrauch im Blick zu haben. Wir geben Ihnen im Beitrag Gasverbrauch senken nützliche Tipps, worauf Sie achten sollten.

Aktueller Gaspreis im Vergleich zu Heizöl und Pellets

Grafik zeigt die Brennstoffkosten im Vergleich für Deutschland bis Juni 2019

Die Entwicklung der Gaspreise in der Zukunft

Ein weitreichender Preisausblick gleicht immer einem Blick in die Glaskugel. Denn viele technische und politische Entwicklungen lassen sich nicht zuverlässig abschätzen. Gleichzeitig können sie sich aber besonders deutlich auf die Entwicklung der Gaspreise auswirken. Ein Beispiel dafür ist die anhaltende Verknappung der fossilen Ressource. Sinken die weltweiten Fördermengen des Rohstoffs, wird sein Wert sukzessive zunehmen. Lässt sich Erdgas in Zukunft zu günstigen Konditionen regenerativ herstellen, wäre der Energieträger nicht mehr endlich. Das Angebot bliebe gleich und die Kosten auf lange Sicht stabil.

Aktuell stellen Experten fest, dass viele Hausbesitzer von einer Ölheizung auf eine Gasheizung umsteigen. Während das zu einem Anstieg der Nachfrage führt, könnte die Entwicklung der Gaspreise daher zumindest in naher Zukunft nach oben gehen.

Langfristig gesehen gehen Studien davon aus, dass der gasförmige Brennstoff seinen hohen Stellenwert beibehalten und sich in Zukunft regenerativ herstellen lassen wird. So sieht die Studie „Klimaschutz im Wohngebäudebereich“ voraus, dass Erdgas im Jahr 2050 zu 30 Prozent aus synthetischen und zu fünf Prozent aus biologischen Anteilen bestehen wird. Nur 65 Prozent des Gases seien dann noch fossil. In Bezug auf die Entwicklung der Gaspreise rechnen die Autoren dabei mit einer stetigen Preissteigerung wie in den vergangenen Jahren.

Heizung.de Autor Alexander Rosenkranz
Fazit von Alexander Rosenkranz
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Entwicklung der Gaspreise ständigen Schwankungen unterliegt. Gründe dafür können weltpolitische Ereignisse sowie die sinkenden Ressourcen des fossilen Rohstoffs sein. Auch wenn die Verbraucherpreise in den Vorjahren immer weiter sanken, rechnen Experten langfristig mit einem stetigen Anstieg.
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