Heizgas: Brennstoffe und ihre Eigenschaften

Heizen mit Heizgas ist in Deutschland die mit Abstand am häufigsten verwendete Methode, die Wohnung während der kalten Jahreszeit auf einer angenehmen Temperatur zu halten. Laut dem Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks sind in Deutschland rund 13 Millionen Gasheizungen im Einsatz, womit die Gasheizung zum Spitzenreiter wird. Das beliebteste Heizgas ist - auch hier wieder mit Abstand zu allen folgenden Alternativen - Erdgas.

Erdgas - fossiler Brennstoff mit Zukunft

Erdgas genießt einen ausgezeichneten Ruf, was das Heizen und die Warmwasserbereitung anbelangt, da es mit einigen gewichtigen Vorteilen aufwarten kann. Denn obwohl es sich dabei um einen fossilen Brennstoff handelt, kommt Erdgas mit vergleichsweise geringen CO2-Emissionen aus. Gegenüber anderen fossilen Brennstoffen, wie beispielsweise Heizöl oder Steinkohle, ist der Schadstoffausstoß ganze 25 Prozent geringer.

Abbildung von Gas als Brennstoff - Heizgas
 © Ingo Bartussek / Fotolia

Vorkommen, Förderung und Reichweite  

Erdgas, das sich heute unter anderem als Heizgas einsetzen lässt, blickt auf eine lange Entstehungsgeschichte zurück. Denn es hat sich über mehrere Millionen Jahre aus organischen Substanzen gebildet. Heute lagert der gasförmige Rohstoff genau wie Erdöl in unterirdischen Lagerstätten überall auf der Welt. Neben dem Mittleren Osten sind Vorkommen auch in Europa und Eurasien zu finden. Selbst in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Deutschland gibt es den fossilen Rohstoff heute noch. Fördern lässt es sich hier in der Regel über tiefe Bohrungen. Die Vorkommen auf der Erde sind jedoch begrenzt und Forscher rechnen mit einer Reichweite von etwa 250 Jahren.

Gasumstellung in weiten Teilen Deutschlands  

Grundsätzlich besteht Erdgas aus zahlreichen verschiedenen Stoffen. Wie viel Energie es enthält, richtet sich dabei nach dem Methan-Gehalt. Unterscheiden lässt sich hier unter anderem das niederkalorische L-Gas und das hochkalorische H-Gas. H-Gas enthält mehr Methan und somit auch mehr nutzbare Energie. Da die L-Gas-Vorkommen in Deutschland und den Niederlanden allmählich zurückgehen, stellt die Bundesregierung aktuell weite Teile Nord- und Westdeutschlands von der Versorgung mit L- auf die Versorgung mit H-Gas um. Dazu nötig sind unter anderem Anpassungen an vielen Verbrauchsgeräten wie Heizkesseln. Was das für betroffene Hausbesitzer bedeutet, erklären wir im Beitrag Gasumstellung.

Erdgas ist ein günstiges Heizgas

Besonders sparsam sind Erdgasheizungen, wenn man als Besitzer eines Hauses oder einer Wohnung Wert auf fortgeschrittene Heiztechnik legt. Gasbrennwertkessel entsprechen dem aktuellen Stand der Technik. Sie sind gegenüber den mittlerweile veralteten Niedertemperaturkesseln für Gas besonders effizient. Denn sie nutzen auch die verborgene Wärme aus dem Abgas. Bei vielen alten Heizgeräten geht diese einfach über den Schornstein verloren. Auf diese Weise entstehen deutlich höhere Wirkungsgrade. 

Die Kosten für Heizgas lassen sich auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau halten. Auch bei den Investitionskosten ist Erdgas ein  günstiges Heizgas, da die entsprechenden Heizgeräte vergleichsweise günstig zu bekommen sind.

Ein Tank wird nicht benötigt

Ein weiterer Vorteil von Erdgas als Heizgas liegt im geringen Platzbedarf. Im Gegensatz zu beispielsweise einer Ölheizung wird kein Tank benötigt, der nahezu den kompletten Heizkeller in Anspruch nimmt. Stattdessen reicht ein normaler Hausanschluss, über den die Verbindung mit dem örtlichen Erdgasnetz hergestellt wird. Hier ist jedoch auch ein Nachteil von Erdgas zu verbuchen, denn nicht überall ist die öffentliche Gasversorgung verfügbar. 

Heizgeräte für den Betrieb mit Erdgas

Wer das Erdgas als Heizgas einsetzen möchte, hat heute eine große Auswahl unterschiedlicher Heizgeräte zur Verfügung. So gibt es neben den konventionellen Brennwertgeräten auch stromerzeugende Heizungen wie Brennstoffzellen oder Blockheizkraftwerke. Selbst Wärmepumpen und Ökoheizungen, die auf kostenfreie Energie aus der Umwelt setzen, lassen sich heute mit Gas betreiben. Zur Auswahl stehen dabei gasmotorische Wärmepumpen und sogenannte Sorptionsgeräte.

Kein Gasanschluss? Flüssiggas als Alternative

Wer gerne mit Gas heizen möchte, aber vor Ort nicht auf eine öffentliche Versorgungsleitung zurückgreifen kann, dem steht als Alternative Flüssiggas zur Verfügung. Das besteht mit Propan oder Butan aus Stoffen, die sich bereits unter geringem Druck in flüssiger Form transportieren und somit zum Beispiel in Tanks auf dem Grundstück und lagern lässt. Im Vergleich zum konventionellen Erdgas sind die Kosten für den Brennstoff jedoch meist höher. Zudem ist es wichtig, sich zuvor umfassend über die baulichen Voraussetzungen, die Funktion und die einmaligen sowie die laufenden Kosten zu informieren.

Der größte Unterschied liegt im Zustand des Brennstoffs

Im Gegensatz zu anderen Arten von Heizgas wird bei Flüssiggas ein Tank benötigt. Der bringt natürlich auch einen entsprechenden Platzbedarf für genügend Heizungsgas mit sich. Grundsätzlich funktioniert eine Heizung auf Basis von flüssigem Heizungsgas aber wie eine herkömmliche Erdgasheizung. Der größte Unterschied liegt hier im Zustand des Brennstoffs. Denn dieses Heizgas wird eben flüssig geliefert und nicht bereits gasförmig über einen Hausanschluss. Damit das Heizgas bis zu seiner Nutzung im flüssigen Zustand verbleibt, ist ein entsprechender Druck im Tank erforderlich. In Bezug auf die Effizienz und den Wirkungsgrad der Heizgeräte ist flüssiges Heizgas mit anderen Gasarten vergleichbar. Auch hier gilt bei den Heizgeräten, dass moderne Brennwerttechnik den aktuellen Stand der Technik darstellt und daher besonders effizient ist.

Klimaneutral heizen: EE- und Biogas als Heizungsgas

Biogas nimmt als Heizungsgas eine Sonderstellung unter den  hier vorgestellten Arten von Heizgasen ein. Denn es handelt sich hierbei um die einzige klimaneutrale Alternative. Biologisches Heizungsgas wird in Biogas durch die Fermentation organischer Stoffe (z. B. Maissilage, Grasschnitt oder Dung) hergestellt und im Anschluss daran meist noch veredelt. Biogas weist im Vergleich zu Erdgas höhere Anteile an Kohlendioxid und Wasserdampf auf. Durch spezielle Reinigungsverfahren lässt es sich jedoch auf Erdgasqualität aufbereiten, um dann auf ähnliche Heiz- bzw. Brennwerte zu kommen. Biogas wird sehr häufig lokal produziert und auf der gleichen Ebene an die Abnehmer verkauft. Günstiger ist es jedoch, den Rohstoff bereits in der Biogasanlage über ein Blockheizkraftwerk zu "verstromen".

Power-to-Gas als Ersatz für konventionelles Erdgas 

Das erneuerbare Gas lässt sich allerdings nicht nur in Biogasanlagen herstellen. So sehen viele Experten die Zukunft der Gaserzeugung in sogenannten Power-to-Gas-Anlagen. Diese nutzen überschüssigen Strom aus Solar- oder Windkraftwerken, um Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu trennen. Der gewonnene Wasserstoff lässt sich anschließend auf Erdgasqualität aufbereiten und in die öffentlichen Versorgungsnetze einspeisen. Neben der nachhaltigen Gasherstellung hat die Technik einen weiteren Vorteil: Sie macht das Gasnetz als Langzeitspeicher für überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energieanlagen (Windkraft, Photovoltaik, etc.) nutzbar. Die volatilen (schwankenden) Energiemengen lassen sich so unabhängig von aktuellen Netzlasten verbrauchen. 

Heizung.de Autor Philipp Hermann

Fazit von Philipp Hermann

Erdgas ist trotz der Tatsache, dass es sich dabei um fossiles Heizgas handelt, auch heute noch die am meisten gewählte Alternative, wenn es um Heizungsgas geht. Das ist in erster Linie auf die relativ niedrigen Kosten und den geringen Platzbedarf der infrage kommenden Heiztechnik zurückzuführen. Wer hingegen klimaneutrales Heizungsgas verwenden möchte, der greift auf EE- oder Biogas zurück. Was die Investitionskosten anbelangt, bewegt sich biologisches Heizgas auf dem gleichen Niveau wie Erdgas. Lediglich bei den Verbrauchskosten kann es zu Abweichungen kommen.

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