Nachtspeicheröfen – in Ausnahmefällen sinnvoll

Als die Nachtspeicheröfen in den 1950er Jahren vorgestellt wurden, waren sie ein enormer Komfortgewinn für die deutschen Haushalte. Endlich hatten die Menschen eine Alternative zu den umständlichen und schmutzigen Öl- und Kohleöfen. Mit Nachtspeicheröfen entfiel das Kohleschleppen und das gefährliche Hantieren mit dem leicht brennbaren Heizöl, welches noch in der Wohnung direkt verbrannt wurde. Der Schmutz der Kohleöfen war damals so stark, dass die deutschen Städte ein einheitliches Grau-Schwarz als dominierende Farbe bekamen, ganz zu schweigen von der Luftqualität für die Einwohner. Doch die Nachtspeicheröfen hatte auch so gravierende Nachteile, dass sie zwischendurch verboten wurden.

Hand dreht am Heizungsregler von Nachtspeicheröfen

Funktionsweise von Nachtspeicheröfen

Nachtspeicheröfen sind eine Variante der Elektroheizung. Sie bestehen aus einer elektrisch betriebenen Heizschlange, welche ein festes Medium, in der Regel Schamottesteine, so stark aufheizt, dass sie über Stunden Wärmestrahlung abgeben. Ein integriertes Gebläse sorgt für eine gewisse Regelbarkeit des Heizstroms. Die Idee bei Nachtspeicheröfen besteht darin, dass der billigere Nachtstrom der Kraftwerke zum Beheizen verwendet werden kann.

Nachteile von Nachtspeicheröfen

Als Elektroheizung sind Nachtspeicheröfen weit davon entfernt, eine preiswerte Heizquelle zu sein. Im Vergleich zur Ölheizung oder Gasheizung haben Elektroheizungen fast drei Mal so hohe Betriebskosten: Kostet eine Kilowattstunde Heizenergie durch Erdgas oder Heizöl ca. 8-9 Cent, sind es bei elektrischer Energie über 23 Cent. Diesen Nachteil konnten die Nachtspeicheröfen vom Ansatz her durch den verbilligten Nachtstrom etwas entschärfen. Jedoch ist das Angebot an diesen Nachtspeichertarifen seit der Liberaliserung des Strommarktes erheblich eingeschränkt. Gibt es für Einheitstarife je nach Postleitzahl weit über hundert verschiedene Anbieter, sind es für geteilte Tag- und Nachtstromtarife in der Regel nur eine Handvoll.

Brandgefahr

Nachtspeicheröfen werden sehr heiß. Das müssen sie werden, um das träge Speichermedium so weit aufzuheizen, damit es eine ausreichend lange Zeit Wärme abgibt. Die hohen erzeugten Temperaturen machen die Geräte aber recht gefährlich. Man sollte grundsätzlich nichts auf diesen Heizgeräten ablegen, sonst besteht Brandgefahr.

Verschlechterung der Luftqualität

Die Heizwärme wird als warme Luft mittels eines Gebläses im Raum verteilt. Leider pustet dieses Gebläse auch den ganzen eingerieselten Staub in der Wohnung umher. Das macht vor allem Asthmatikern und Allergikern zu schaffen. Nachtspeicherheizungen erzeugen zudem eine sehr trockene Wärme.

Asbestgefahr bei älteren Modellen

Ältere Nachtspeicheröfen haben noch an einer ganz anderen Stelle eine erhebliche Gefahr: Um die hohen erzeugten Temperaturen so gut wie möglich abzuschirmen, wurden lange Zeit große Mengen an Asbest im Innern der Geräte eingesetzt. Dieser krebserregende Stoff ist heute verboten. Die hohen Betriebskosten aber vor allem der enorme Asbestanteil war Grund für das vorübergehende Verbot dieser Heizsysteme.

Schwierigkeiten bei Wärmeregelung

Schließlich sind Nachtspeicheröfen sehr träge. Bauartbedingt geben sie ihre Wärme erst lange Zeit nach ihrem Einschalten ab. Wenn die Heizleistung aber angeboten wird, lässt sie sich kaum wieder herunter regeln. Mit Nachtspeicheröfen ist es also oftmals entweder zu kalt oder zu heiß.

Vorteile von Nachtspeicheröfen

Die Vorteile von Nachtspeicheröfen sind zwar übersichtlich, aber dennoch vorhanden: Wie bei jeder anderen Elektroheizung auch ist ihre Installation recht einfach. Sie werden am Wunschort aufgestellt und an das Stromnetz angeschlossen. Sie benötigen keine zentrale Befeuerung, kein aufwändiges Leitungssystem und sie produzieren keine Abgase. Auch Lagerräume für Öl, Holzpellets oder Gastanks entfallen mit diesen Geräten. Doch dies gilt für jede andere Form der Elektroheizung ebenfalls. Der Vorteil des Nachtstromtarifs gilt heute nur noch bedingt. Zum einigermaßen wirtschaftlichen Betrieb ist ein langwieriges Vergleichsverfahren zwischen den wenigen Anbietern von Nachtstrom erforderlich.

Wann ist ein Nachtspeicherofen sinnvoll?

Die erheblichen Nachteile und wenigen Vorteile von Nachtspeicheröfen machen es sehr schwer, für sie eine Empfehlung auszusprechen. Der Markt für Neugeräte ist inzwischen sehr klein und es gibt nur noch wenige Anbieter, die diese Geräte im Programm haben. Wenn folgende fünf Bedingungen eintreten, kann aber der Betrieb einer Nachtspeicherheizung vertretbar sein:

Wenn die Heizung:

  • So modern ist, dass sie keinen Asbest beinhaltet
  • Der zu beheizende Raum nur gelegentlich genutzt wird (z.B. Wintergarten oder Ferienhütte)
  • Eine sehr gute Wärmedämmung vorhanden ist
  • Nachtstromtarife genutzt werden können
  • Die Heizung beim Kauf der Immobilie schon eingebaut war

In diesen Fällen kann der Nachtspeicherofen bis zur nächsten Modernisierungsmaßnahme des Objekts weiter betrieben werden. Sollte aber ein uraltes Gerät verbaut worden sein, empfiehlt sich die umgehende Entsorgung. Dies sollte aber unbedingt ein Fachbetrieb übernehmen, da freigesetztes Asbest sehr gefährlich ist.

Philipp Hermann

Fazit von Philipp Hermann

Eine Elektroheizung ist unter bestimmten Umständen für die Beheizung spezieller Gebäude oder Räume durchaus vertretbar. Schnell anspringende Systeme mit Speichersteinen sind heute äußerst dekorativ und dazu vollkommen ungefährlich. Infrarotheizungen oder elektrische Fußbodenheizungen können zu vertretbaren Kosten für wohlige Wärme im Haus sorgen. Im Gegensatz dazu verfügen Nachtspeicherheizungen jedoch über eine sehr veraltete Technik und eine ineffiziente Funktionsweise, weshalb bei diesen Geräten grundsätzlich der Austausch empfohlen wird.

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