Nachtspeicherheizung heute sinnvoll einsetzen

Die Nachtspeicherheizung war Anfang der 50er Jahre eine massiv geförderte Lösung für die Ausstattung der Nachkriegshäuser mit einer preiswerten Heizung. Sie versprach viele Vorteile: Eine emissionsfreie, vor allem rauchfreie, Heizung war bereits ein enormer Fortschritt gegenüber den damals noch üblichen Öl- und Kohleöfen, mit denen die Wohnungen noch zum größten Teil beheizt wurden. Das Schleppen von Kohlen, Scheitholz und Ölkannen entfiel. Das war nicht nur ein deutliches Plus an Sauberkeit, im Punkt Öl wurde auch die Sicherheit in den Häusern erheblich verbessert.

Bild einer Nachtspeicherheizung unter dem Fenster

Gleichzeitig bekamen die Kraftwerke einen Abnehmer für ihren Nachtstrom. Stromerzeuger, vor allem wenn sie mit Dampf arbeiten, können nicht abgeschaltet werden. Bei fallendem Strombedarf produzieren Öl- und Kohlekraftwerke deshalb nachts konstruktionsbedingt Überkapazitäten. Dieser ungenutzte Strom sollte mit den Nachtspeicherheizungen für die ganztägige Erwärmung der Wohnungen eingesetzt werden. Dies hat bis in die 1980er Jahre hinein gut funktioniert, danach änderte sich die Situation für die Nachtspeicherheizungen.

Funktionsweise einer Nachtspeicherheizung

Die Nachtspeicherheizung ist ein Heizgerät, das mit elektrischem Strom betrieben wird. Im Gegensatz zu einem Heizstrahler liegen die Heizwendel nicht offen, sondern sind tief im Innern des Geräts verbaut. Sie geben ihre Wärme nicht direkt an die Umgebungsluft ab, sondern heizen ein Paket Schamottesteine auf. Diese nehmen die Wärmeenergie nur langsam auf, geben sie aber auch ebenso langsam wieder ab. Heizwendel und Schamottesteine sind fest in einem Schutzgehäuse aus Metall verbaut.

Nachtspeicherheizungen werden fest an die Wand montiert. Die ideale Platzierung ist unter dem Fenster, damit sie, ähnlich wie die normalen Zentralheizungen, als Konvektionskörper dienen können. Ein Gebläse in der Zentralheizung kann den warmen Luftstrom ein wenig regeln.

Vorteile einer Nachtspeicherheizung

Eine Nachtspeicherheizung ist als Elektroheizung besonders einfach in der Montage. Sie benötigt keinen zentralen Brennwertkessel, kein aufwändiges Rohrleitungssystem und keine Pumpe, die das Trägermedium im Haus verteilt. Eine Nachtspeicherheizung ist aber kein einfacher Heizstrahler oder Heißluftgebläse, welches einfach an die nächste Steckdose angeschlossen wird. Nachtspeicherheizungen haben eine hohe Stromaufnahme, weswegen sie grundsätzlich von einem ausgebildeten Elektriker installiert werden müssen.

Eine Nachtspeicherheizung ist aufgrund ihrer geringen Komplexität relativ ausfallsicher. Sie kann nicht einfrieren oder durch einen Defekt am Brenner ausfallen. Das macht sie vor allem dort gut geeignet, wo eine schnelle Hilfe durch einen Kundendienst schwer zu erreichen ist. Die Nachtspeicherheizung ist auch heute noch wesentlich sicherer als offene Heizsysteme. Dies gilt nicht nur für Holz- und Kohleöfen, Ölöfen oder einen offenen Kamin. Auch im Vergleich zum Heizstrahler sind die Nachtspeicherheizungen wesentlich sicherer. Da heute aber vorwiegend Zentralheizungen verwendet werden, die warmes Wasser als Trägermedium verwenden, verfängt das Argument der Sicherheit heute nicht mehr so gravierend, wie es zur Anfangszeit dieser Technologie der Fall war.

Schließlich ist die Nachtspeicherheizung günstig in der Anschaffung. Ein betriebsfertiges Gerät ist bereits circa 500 Euro zu haben.

Nachteile der Nachtspeicherheizung

In Summe hat die Nachtspeicherheizungen mehr Vorteile als Nachteile. Jedoch wiegen die Nachteile erheblich schwerer:
Der größte Nachteil der Nachtspeicherheizungen sind die Betriebskosten. Es ist gleichgültig, mit welcher Elektroheizung ein Haus beheizt wird, in Summe zahlt man immer bis zu 24 Cent pro Kilowattstunde. Dies kann bei einem durchschnittlich gedämmten Haus von 100 qm auf über 3.000 Euro Heizkosten im Jahr verursachen. Der Kostenvorteil der Anschaffung gegenüber der Zentralheizung ist bei diesen Summen in wenigen Jahren umgekehrt.

Der Hauptgrund für ihre Entwicklung ist mittlerweile kaum noch vorhanden. Die Stromanbieter haben kaum noch getrennte Tag- und Nachtstromtarife im Programm. Das macht den Betrieb der unkomfortablen Nachtspeicherheizungen besonders unwirtschaftlich. Nachtspeicherheizungen sind zudem nur schwer zu regeln. Das integrierte Gebläse gibt zwar eine rudimentäre Möglichkeit der Heizregelung, diese ist jedoch mit dem Komfort einer Zentralheizung nicht vergleichbar. Mit einer Nachtspeicherheizung ist es deshalb meistens zu heiß oder zu kalt.

Ältere Nachtspeicherheizungen haben ein schmutziges Geheimnis: Um das Gehäuse so gut wie möglich gegen die im Innern erzeugte Wärme abzuschirmen, wurde jahrzehntelang Asbest eingesetzt. Ältere Nachtspeicherheizungen sollten deshalb grundsätzlich gegen Neugeräte ausgetauscht werden. Dies ist aber nur durch einen Fachbetrieb mit zertifizierter Entsorgungskompetenz gestattet.

Sinnvoller Einsatz der Nachtspeicherheizung

Wenn beim Kauf einer wenig genutzten Immobilie, beispielsweise einem Ferienhaus, eine jüngere Nachtspeicherheizung bereits eingebaut ist, dann kann sie weiter genutzt werden. Es lohnt sich in diesen Fällen in der Regel nicht, eine aufwändige Sanierungsmaßnahme durchzuführen. Voraussetzung ist allerdings, dass die eingebaute Nachtspeicherheizung asbestfrei ist. Falls es so alte Geräte sind, dass garantiert Asbest enthalten ist, muss ohnehin in die Heiztechnik investiert werden. Ein Energieberater kann hier gute Ratschläge geben, welche Heizsysteme als Ersatz sinnvoller sind.

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