Nachtspeicherheizung sinnvoll einsetzen

Die Nachtspeicherheizung ist eine elektrische Speicherheizung, die vor allem Anfang der 50er Jahre intensiv gefördert wurde. Sie war eine vergleichsweise kostengünstige Lösung für die Ausstattung der Nachkriegshäuser und versprach zunächst viele Vorteile: Eine emissionsfreie, vor allem rauchfreie Wärmeerzeugung. Diese Heizung war bereits ein enormer Fortschritt gegenüber den damals noch üblichen Öl- und Kohleöfen, mit denen die Wohnungen noch zum größten Teil beheizt wurden. Doch wie funktioniert eine solche Nachtspeicherheizung und wie sehen die Vor- und Nachteile aus heutiger Sicht im Detail aus? 

Ursprung der Nachtspeicherheizung

Die Idee der Nachtspeicherheizung war es, den überwiegend ungenutzten Nachtstrom träger Kraftwerke zur Wärmeerzeugung zu verwenden. Denn so ließ sich der Nutzen alter Kraftwerke erheblich steigern. Stromerzeuger, vor allem wenn sie mit Dampf arbeiten, können nämlich nicht abgeschaltet werden. Bei fallendem Strombedarf produzieren Öl- und Kohlekraftwerke deshalb nachts konstruktionsbedingt Überkapazitäten. Dieser ungenutzte Strom sollte mit den Nachtspeichern für die ganztägige Erwärmung der Wohnungen eingesetzt werden. Dies hat bis in die 1980er Jahre hinein gut funktioniert, zumal die Geräte teilweise staatlich gefördert wurden. Danach änderte sich die Situation für die Nachtspeicherheizungen. Grund war dafür unter anderem die zunehmende Liberalisierung des Strommarktes und die Weiterentwicklung der Technik. 

Bild einer Nachtspeicherheizung unter dem Fenster
© Jürgen Fälchle / Fotolia

Funktionsweise einer Nachtspeicherheizung

Die Nachtspeicherheizung (auch Nachtspeicherofen genannt) ist ein Heizgerät, das mit elektrischem Strom betrieben wird. Dieser wird in der Nacht aufgenommen und direkt in thermische Energie umgewandelt. Anschließend speichern Nachstpeicheröfen die Wärme, bis sie diese am folgenden Tag an die Räume abgeben.

Heizelemente geben Wärme nicht direkt an die Umgebungsluft ab

Im Gegensatz zu einem Heizstrahler liegen die Heizwendeln (Heizelemente) nicht offen, sondern sind tief im Innern des Geräts verbaut. Sie geben ihre Wärme nicht direkt an die Umgebungsluft ab, sondern heizen in der Regel ein Paket Schamottesteine auf. Dieses nimmt die Wärmeenergie nur langsam auf, gibt sie aber auch ebenso langsam wieder ab. Heizwendel und Schamottesteine sind fest in einem Schutzgehäuse verbaut. Über die Außenhaut und einen Ventilator wird die Wärme dann bei Bedarf an die Aufstellräume abgegeben. Der Wärmetransport erfolgt dabei in Form von Konvektion (über die zirkulierende Luft) und die Wärmestrahlung. In modernen Dünnschicht-Nachtspeicher kommen anstelle von Schamottsteinen auch dünne Heizmatten aus Naturstein zum Einsatz. Ihre Speicherwirkung ist zwar nicht so groß wie bei der Schamotte, die dazu gehörige Heizung ist dafür umso dekorativer.

Die ideale Platzierung eines Nachtspeichers ist unter dem Fenster

Nachtspeicheröfen werden in der Regel fest an die Wand montiert und mit dem Stromnetz verdatet. Die ideale Platzierung ist unter dem Fenster, damit sie, ähnlich wie die normalen Zentralheizungen, kalte Zugluft direkt ausgleichen können. Ein Gebläse in der Heizung kann den warmen Luftstrom ein wenig regeln. Doch dies funktioniert meist nur bedingt gut. 

Vorteile einer Nachtspeicherheizung

Der Nachtspeicher ist als elektrische Heizung besonders einfach in der Montage. Sie benötigt: 

  • keinen zentralen Brennwertkessel
  • kein aufwendiges Rohrleitungssystem
  • keine Pumpe, die das Trägermedium im Haus verteilt. 

Ein Nachtspeicher ist aber kein einfacher Heizstrahler, welcher einfach an die nächste Steckdose angeschlossen wird. Die Heizungen haben eine hohe Stromaufnahme, weswegen sie grundsätzlich von einem ausgebildeten Elektriker installiert werden müssen.

Weitere Vorteile zusammengefasst 

  • Eine Nachtspeicherheizung ist aufgrund ihrer geringen Komplexität relativ ausfallsicher und wartungsfrei. 
  • Sie kann nicht einfrieren oder durch einen Defekt am Brenner ausfallen. Das macht sie vor allem dort gut geeignet, wo eine schnelle Hilfe durch einen Kundendienst schwer zu erreichen ist. 
  • Der Nachtspeicherofen ist auch heute noch wesentlich sicherer als andere Heizsysteme. Dies gilt nicht nur für Holz- und Kohleöfen, Ölöfen oder einen offenen Kamin. Auch im Vergleich zum Heizstrahler sind die Nachtspeicherheizungen wesentlich sicherer. Da heute aber vorwiegend Zentralheizungen verwendet werden, die warmes Wasser als Trägermedium verwenden, wirkt das Argument der Sicherheit heute nicht mehr so stark, wie es zur Anfangszeit dieser Technologie der Fall war.
  • Der Nachtspeicher ist zudem sehr kompakt und braucht wenig Platz. Darüber hinaus ist kein Schornstein und kein Lager für Brennstoff nötig.
  • Schließlich ist die Elektroheizung günstig in der Anschaffung. Ein betriebsbereites Gerät ist bereits für 500 bis 1.000 Euro zu haben. Für die Nutzung des Nachtstroms ist entweder ein Zweitarifzähler oder ein zusätzlicher Stromzähler notwendig. Welche Ausgaben Sie am Ende des Jahres allerdings haben, erfahren Sie im Beitrag "Nachtspeicheröfen kosten".

Eine Hand dreht am Regler für einen Nachtspeicher.
© Jürgen Fälchle / Fotolia

Nachteile der Nachtspeicherheizung

In Summe hat die Nachtspeicherheizungen mehr Vorteile als Nachteile. Jedoch wiegen die Nachteile erheblich schwerer:

  • Der größte Nachteil der Nachtspeicherheizungen sind die Betriebskosten. Es ist gleichgültig, mit welcher Elektroheizung ein Haus beheizt wird, in Summe zahlt man immer 20 (Heizstrom) bis 30 (Haushaltsstrom) Cent pro Kilowattstunde. Dies kann bei einem durchschnittlich gedämmten Haus von 100 qm über 3.000 Euro Heizkosten im Jahr bedeuten. Der Kostenvorteil der Anschaffung gegenüber der Zentralheizung geht bei diesen Summen in wenigen Jahren verloren.
  • Der Hauptgrund für ihre Entwicklung ist mittlerweile kaum noch vorhanden. Die Stromanbieter haben kaum noch getrennte Tag- und Nachtstromtarife im Programm. Das macht den Betrieb der unkomfortablen Nachtspeicherheizungen besonders unwirtschaftlich. Die Geräte sind zudem nur schwer zu regeln. Wie das funktioniert, erklärt der Beitrag zur Bedienung einer Nachtspeicherheizung.

Weitere Nachteile zusammengefasst 

  • Das integrierte Gebläse gibt zwar eine Möglichkeit der Heizregelung, diese ist jedoch mit dem Komfort einer Zentralheizung nicht vergleichbar. Mit einer Nachtspeicherheizung ist es deshalb oft zu warm oder zu kalt.
  • Handelt es sich beim Heizstrom nicht um Ökostrom, ist die CO2-Bilanz eines Nachtspeichers sehr schlecht.
  • Ältere Heizgeräte haben ein schmutziges Geheimnis: Um das Gehäuse so gut wie möglich gegen die im Innern erzeugte Wärme abzuschirmen, befindet sich Asbest im Nachtspeicherofen. Sie sollten deshalb grundsätzlich gegen Neugeräte ausgetauscht werden. Dies ist aber nur durch einen Fachbetrieb mit zertifizierter Entsorgungskompetenz gestattet. Worauf Sie dabei achten sollten, lesen Sie im Beitrag "Nachtspeicheröfen entsorgen". 

Sinnvoller Einsatz der Nachtspeicherheizung

Wenn beim Kauf einer wenig genutzten Immobilie, beispielsweise einem Ferienhaus, ein jüngerer Nachtspeicher eingebaut ist, dann kann er weiter genutzt werden. Es lohnt sich in diesen Fällen in der Regel nicht, eine aufwendige Sanierungsmaßnahme durchzuführen. Voraussetzung ist allerdings, dass die eingebaute Nachtspeicherheizung frei von Asbest ist. Falls es so alte Geräte sind, dass garantiert Asbest enthalten ist, muss ohnehin in die Heiztechnik investiert werden. Ein Energieberater kann hier gute Ratschläge geben, welche Heizsysteme als Ersatz sinnvoller sind.

Informieren Sie sich darüber hinaus in unserem Beitrag zum früher einmal angedachten Verbot der Nachtspeicherheizung

Sinnvolle Kombination von Nachtspeicher und Photovoltaik

Mit der Photovoltaik könnte die Nachtspeicherheizung in Zukunft wieder eine wichtige Rolle spielen. Denn um den Strom der Solaranlagen vom Dach weitestgehend selbst verbrauchen zu können, muss dieser im Haus gespeichert werden. Nachtspeicher könnten die elektrische Energie dabei in Wärme umwandeln, wenn die Sonne scheint. Anschließend geben sie die aufgenommenen Reserven zeitversetzt an das Haus ab. Da die Heizwärme vor allem im Sommer kaum benötigt wird, eignet sich ein Stromspeicher allerdings besser für die Photovoltaik.

Alternativen zu Nachtspeichern

Wer noch im Besitz eines Nachtspeichers oder einer anderen Elektroheizung mit Schamottekern ist und weiterhin einen günstigen Nachtstromtarif bezieht, der muss die Heizungsmodernisierung nicht von heute auf morgen umsetzen. Auf lange Sicht soll aber ein Umstieg ins Auge gefasst werden. Eine gute Alternative ist eine Holz- oder Pelletheizung. Diese braucht zwar ein Brennstofflager. Dafür arbeitet sie sehr effizient und ist sowohl kurz- als auch langfristig eine umweltfreundliche Lösung. Wer den Umstieg scheut, der kann natürlich weiterhin bei einer Elektroheizung bleiben. Hier ist aber eine Modernisierung ratsam.

Lohnt sich der Kauf eines Nachtspeichers?

Wie bereits erwähnt müssen Besitzer eines Nachtspeichers, die noch den vergünstigten Strom beziehen, diese nicht gleich ersetzen. Ist das zu beheizende Objekt ferner gut isoliert, kann die Wärme es nicht ungenutzt verlassen. Bei schlechter Isolierung muss der Nachtspeicher erneut aufgeladen werden – das ist dann wieder mit Kosten verbunden. In so einem Fall lohnt sich ein Nachtspeicher kaum.

Heizung.de Autor Philipp Hermann
Fazit von Philipp Hermann
Nachtspeicherheizungen wurden vor allem entwickelt, um Abnehmer für den nachts produzierten Strom zu haben. Doch mittlerweile ist diese Strategie etwas überholt. Doch vor allem sprechen Aspekte der Energieeffizienz gegen einen Einsatz dieser Heizungsart. Zudem bergen ältere Modelle die Gefahr von Asbest. Nachtspeicherheizungen als alleiniger Wärmeerzeuger werden heute nicht mehr empfohlen. Denken Sie über eine Modernisierung nach, lassen Sie sich bestenfalls umfassend von einem Installateur beraten. 
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