Elektroheizung: Haus und Wasser elektrisch Heizen

Kaum ein Heizsystem ist heute so umstritten wie die Elektroheizung. Während sie von Befürwortern für die günstigen Anschaffungskosten und den effizienten Betrieb gelobt wird, argumentieren Gegner mit hohen Betriebskosten und dem Verbrauch fossiler Energien. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte, denn das elektrische Heizen hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Die Funktionsweise einer Elektroheizung, welche Arten man unterscheidet und wann sie sich lohnt, erklären wir in den folgenden Abschnitten.

Die Themen im Überblick:

Was ist eine Elektroheizung?

Eine Elektroheizung ist ein System, das für die Beheizung von Räumen oder mit einem Durchlauferhitzer für die Erwärmung von Trinkwasser eingesetzt werden kann. Im Gegensatz zu einer Warmwasserheizung funktioniert das komplett ohne Heizkessel oder aufwendig zu verlegende Rohrleitungen. Denn die Wärme wird nicht zentral, sondern dezentral in den einzelnen Geräten selbst erzeugt.

So ähnlich wie bei einem Tauchsieder, erhitzt in der Elektroheizung ein elektrisch leitendes Material, wenn es von Strom durchflossen wird. Die dabei entstehende Wärme kann dann entweder direkt in den Raum abgegeben, an ein Speichermedium übertragen oder zur Warmwasserbereitung genutzt werden.

Ist eine Elektroheizung umweltfreundlich?

Während im Haus kaum Energie verloren geht – Befürworter sprechen oft von der hohen Effizienz und Umweltfreundlichkeit der Elektroheizung – sieht das anders aus, sobald man die gesamte Produktionskette des Energieträgers Strom betrachtet. Denn die Energie für das elektrische Heizen stammt heute zu mehr als 65 Prozent aus fossilen Quellen oder Atomkraftwerken (Quelle: bmwi.de), deren Wirkungsgrade oft unter 40 Prozent liegen. Das heißt: Weniger als die Hälfte der im Brennstoff enthaltenen Energie wird genutzt. Zum Vergleich: Eine Gas-Brennwerttherme erzeugt die Wärme für Heizung und Warmwasser mit einem Wirkungsgrad von bis zu 98 Prozent. Werden Elektroheizungen dagegen mit einer Anlage für Photovoltaik, KWK oder Ökostrom betrieben, sieht die Umweltbilanz besser aus.

Elektrischer Heizer als Art der Elektroheizung

Welche Arten der Elektroheizung gibt es?

Entscheiden sich Hausbesitzer dafür, elektrisch zu heizen, stehen ihnen heute unterschiedliche Systeme zur Auswahl. Diese sind:

  • die Elektrodirektheizung
  • die Nachtspeicherheizung
  • die Fußboden-Elektroheizung
  • die elektrische Warmwasserbereitung

Elektrodirektheizung – Elektrisch heizen ohne Speicher

Die einfachste Art der Elektroheizung ist die Stromdirektheizung, bei der die Wärme eines stromdurchflossenen Leiters unmittelbar an den Raum abgegeben wird. Ein typisches Beispiel dafür ist der Heizlüfter. Dieser saugt die kalte Raumluft mit einem Ventilator an, leitet sie über eine Heizwendel und bläst sie wieder in den Raum. Je nach Heizleistung des Geräts kann die Temperatur im Raum schnell ansteigen. Ähnlich wie Heizlüfter funktioniert das elektrische Heizen auch mit Konvektoren. Diese können als Einzelgeräte aufgestellt, oder wie ein Heizkörper an der Wand montiert werden.

Die Elektroheizungen erhitzen die Raumluft, in dem sie diese mit einem Gebläse über ein integriertes Heizelement leiten. So sorgen sie für angenehme Lufttemperaturen. Um die Luft in Lufterhitzern oder Konvektoren elektrisch aufzuheizen, müssen die Heizelemente auf hohe Temperaturen gebracht werden. Das hat jedoch einen hohen Stromverbrauch zur Folge.

Die Wärme wird dabei nicht an die Luft, sondern nur an feste Körper übergeben

Anders ist das bei einer Infrarotheizung. Diese transportiert die Wärme in Form von Strahlung über große Flächen und kommt wie eine Fußbodenheizung oder Wandheizung mit niedrigen Oberflächentemperaturen aus. Die Wärme wird dabei nicht an die Luft, sondern nur an feste Körper übergeben. Während es im Wirkbereich einer Infrarot-Elektroheizung sehr schnell warm wird, ist es kalt, sobald man die bestrahlte Zone verlässt. Ähnliche Systeme werden zum Beispiel auch in Restaurants benutzt, um den Außenbereich im Spätsommer oder Herbst angenehm warmzuhalten.

Im Gegensatz zu Heizlüftern oder Konvektoren, die oft als sperrige Geräte irgendwo im Raum aufgestellt werden müssen, können die Heizflächen der Infrarot-Elektroheizung versteckt. Zum Beispiel bedruckt mit Bildern – an der Wand oder der Decke montiert werden. Eine weitere Möglichkeit direkt elektrisch zu heizen, besteht mit sogenannten Heizeinsätzen. Dabei wird eine sogenannte Elektroheiz-Patrone direkt in einem Heizkörper montiert. Fließt Strom, erhitzen sie das Wärmeträgermedium im Inneren und sorgen so für angenehme Temperaturen. Sinnvoll ist das zum Beispiel bei Badheizkörpern, die als Zusatzheizung in Räumen mit Fußbodenheizung installiert werden. Denn so können die ohnehin nur wenig genutzten Bäder über die Flächenheizung temperiert und mit der Elektroheizung schnell aufgeheizt werden.

Vorteile einer Elektrodirektheizung: Nachteile einer Elektrodirektheizung:
die Elektroheizung kann ohne großen Aufwand aufgestellt werden Elektroheizungen verursachen hohe Kosten, wenn sie dauerhaft betrieben werden
ein Steckdosenanschluss ist meist ausreichend haben eine schlechte CO2-Gesamtbilanz, wenn sie nicht mit Ökostrom betrieben werden
elektrisch Heizen ist oft mit günstigen Anschaffungskosten verbunden für die Installation sind Stromanschlüsse oder Steckdosen nötig

Detailansicht einer tragbaren Elektrodirektheizung als Art der Elektroheizung

Nachtspeicherheizung – Elektrisch heizen mit günstigem Nachtstrom

Auch eine Nachtspeicherheizung erzeugt Wärme, indem ein elektrischer Leiter von Strom durchflossen wird. Im Gegensatz zu Direktheizungen geht die Energie in diesen Elektroheizungen aber nicht direkt an den Raum, sondern erst einmal in einen integrierten Speicher. Dieser kann zum Beispiel mit günstigerem Nachtstrom aufgeladen werden und die Wärme zeitversetzt am darauffolgenden Tag abgeben. Wichtig zu wissen ist, dass heute nicht alle Energieversorger die günstigeren Nachtstromtarife anbieten und dass man einen zusätzlichen und gebührenpflichtigen Stromzähler braucht, der dies erfasst. Moderne Nachtspeicherheizungen können wie Heizkörper stehend oder hängend an der Wand montiert werden und geben einen Großteil der Wärme über Konvektion, also direkt an die Luft, ab.

Vorteile einer Nachtspeicherheizung: Nachteile einer Nachtspeicherheizung:
Elektroheizungen mit Nachtspeicher sind im Vergleich zu einer zentralen
Heizungsanlage günstiger in der Anschaffung
Heizen mit Strom verursacht hohe Kosten, die deutlich über denen von Öl oder Gas liegen
Heizgeräte können einfach aufgestellt werden Um günstigeren Nachstrom nutzen zu können, wird ein spezieller Zähler benötigt
nur ein Stromanschluss muss vorhanden sein Politisch wird ein Verbot von Nachtspeicherheizungen diskutiert
Schlechte CO2-Gesamtbilanz, wenn sie nicht mit Ökostrom betrieben werden

Elektro-Fußbodenheizung – hohe Behaglichkeit mit hohen Kosten

Eine Warmwasser-Fußbodenheizung besteht aus Rohrschlangen, die direkt im Fußbodenaufbau verlegt werden müssen. Vor allem im Altbau ist das oft nur mit großem Aufwand möglich. Mit einer Elektrofußbodenheizung können Hausbesitzer auch einfacher von den Vorteilen einer Flächenheizung profitieren. Denn bei dieser können die dünnen Heizmatten direkt unter dem neuen Bodenbelag verlegt werden. Wie bei herkömmlichen Warmwasser-Flächenheizsystemen schafft auch die Elektroheizung ein angenehmes Raumklima. Aber: Der dauerhafte Betrieb mit Strom verursacht hohe Heizkosten. So werden für jede Kilowattstunde etwa 27,5 Cent fällig (mittlerer Strompreis 08/2016). Eine Gas-Brennwerttherme stellt die Raumwärme dabei überschlagen für 6 bis 7 Cent je Kilowattstunde – also für weniger als die Hälfte – zur Verfügung.

Vorteile einer Fußboden-Elektroheizung: Die Nachteile einer Fußboden-Elektroheizung:
Einfache und platzsparende Montage Sehr hohe Verbrauchskosten, wenn die Elektroheizung
dauerhaft betrieben wird
Hohes Wärmewohlbefinden im Raum Schlechte CO2-Gesamtbilanz, wenn sie nicht mit
Ökostrom betrieben werden
Günstige Anschaffungskosten

Elektrische Warmwasserbereiter – warmes Wasser ohne Heizung

Verlegung einer Fußbodenheizung als Art der Elektroheizung

Genau wie das elektrische Heizen, funktioniert auch die Warmwasserbereitung mit Strom. Möglich ist das zum Beispiel mit Durchlauferhitzern. Kleinen Geräten, die in der Nähe der jeweiligen Entnahmestelle angebracht und einfach an die Steckdose angeschlossen werden. Wird der Wasserhahn geöffnet, fließt auch hier Strom und ein Heizblock erwärmt das Wasser. Ohne lange Anbindeleitungen zwischen Heizzentrale und Entnahmestelle sinken die Wärmeverluste dabei auf ein Minimum. Je nach Bedarf können die dezentralen Durchlauferhitzer mit Leistungen von etwa drei bis über 20 Kilowatt für die Versorgung einzelner Waschbecken bis hin zu Duschen oder Badewannen eingesetzt werden. Wichtig zu wissen ist nur, dass mit dem Anschluss von Geräten höherer Leistungen auch Maßnahmen am Stromnetz im Haus erforderlich sind.

Eine Alternative zu dezentralen Durchlauferhitzern sind Elektro-Kleinspeicher. Diese heizen regelmäßig eine kleine Menge Trinkwasser auf und halten diese für den Bedarf vor. Elektro-Kleinspeicher haben ein Fassungsvermögen von 5 oder 10 Litern und kommen auch mit einer kleineren Anschlussleistung aus. Sie werden zur Versorgung von Waschbecken oder Küchenspülen eingesetzt und verlieren durch eine gute Wärmedämmung nur sehr wenig Energie. Im Folgenden sind die Vor- und Nachteile der Elektroheizung noch einmal übersichtlich zusammengefasst:

Vorteile der elektrischen Warmwasserbereitung: Nachteile der elektrischen Warmwasserbereitung:
Warmes Wasser kann auch ohne zentrale Heizungsanlage gezapft werden Durchflussmenge ist begrenzt – in der Regel können mehrere Entnahmestellen nicht gleichzeitig versorgt werden
Minimale Energieverluste durch kurze Anbindeleitungen Energiekosten entsprechen den Stromkosten
Geringe Anschaffungskosten und einfache Montage von Geräten mit kleiner Leistung Brandgefahr, wenn das Stromnetz nicht an die höhere Anschlussleistung der Geräte angepasst wird

Was kostet das elektrische Heizen und wann lohnt es sich?

Auch wenn die einzelnen Elektroheizsysteme viele Vorteile haben, werden sie dennoch mit Strom betrieben. Mit jeder Kilowattstunde Wärme entstehen so Kosten von rund 27,5 Cent (Stand 08/2016). Vergleicht man das mit der zentralen Energieerzeugung, kann eine Gasheizung die Wärme für Heizung und Warmwasser überschlagen für etwa 6 bis 7 Cent je Kilowattstunde bereitstellen. Auch wenn die Kosten durch Wärmeverluste der Anlage noch etwas steigen, ist das deutlich günstiger als Heizen mit Strom.

Trotz dessen kann sich auch die Elektroheizung lohnen. Und zwar immer dann, wenn sie in zeitweise beheizten oder selten genutzten Gebäuden installiert wird. Ein Beispiel dafür sind zum Beispiel Gartenhäuser. Denn hier liegen die Kosten für eine zentrale Anlage zur Wärmeerzeugung deutlich über den Ausgaben, die eine Elektroheizung verursacht. Oder wenn das Haus so stark gedämmt ist, dass der Wärmebedarf extrem niedrig ist.

Die Elektroheizung in Alt- und Neubauten

Aufgrund ihrer unkomplizierten Aufstellmöglichkeit eignen sich Elektroheizungen sowohl für Neu- als auch für Altbauten. Vor allem der Einsatz moderner Nachtspeicheröfen kommt für viele Interessenten infrage, weil diese den vergünstigten Heizstrom nutzen können.

Alexander Rosenkranz

Fazit von Alexander Rosenkranz

Das elektrische Heizen ist oft einfacher und zumindest in der Anschaffung auch günstiger als mit einer zentralen Warmwasserheizung. Dennoch dürfen auch die hohen Betriebskosten nicht außer Acht gelassen werden. Soll eine Elektroheizung zum dauerhaften Betrieb eingesetzt werden, ist sie gegenüber einer konventionellen Heizungsanlage oft nicht wirtschaftlich.

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